In einem intensiven und temporeichen ersten Abschnitt gestaltete sich die Anfangsviertelstunde relativ ausgeglichen. Kiel, das den direkten Aufstieg am letzten Zweitliga-Spieltag vergeben hatte, war keine Verunsicherung anzumerken. Im Gegenteil: Die Gäste bestimmten die Anfangsphase - und lösten viele Situationen technisch und spielerisch.
Zwar hatten die Kölner bereits in der zweiten Minuten eine Abschluss-Chance durch Aushilfstürmer Jonas Hector, doch Marco Komenda blockte in höchster Not zur Ecke (2.). Funkel hatte Hector etwas überraschend im Angriff aufgeboten, weil der angeschlagene Sebastian Andersson nicht fit genug für 90 Minuten war und der Kölner Kader sonst kaum Alternativen im Sturmzentrum bietet.
Beim anschließenden Standard rasselten dann Sebastiaan Bornauw und Marius Wolf zusammen (3.). Letzterer blieb mit Nasenbluten liegen und musste mehrere Minuten behandelt werden.
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22/07/2021 AM 11:51
Die Kieler traten erstmals durch einen Distanzschuss von Finn Porath - nach Vorarbeit von Fin Bartels - in Erscheinung, der seinen Versuch von der Strafraumkante aber knapp rechts am Tor vorbei schoss (12.).
Ab Mitte der ersten Hälfte erhöhte der Erstligist den Druck auf den Tabellendritten der zweiten Liga und schnürte die Störche phasenweise am eigenen Strafraum ein. Immer wieder holten die Kölner Ecken heraus, die aber von den Norddeutschen stets gut verteidigt wurden.
In der 33. Minute setzte Hector im Kieler Aufbauspiel gegen Komenda und Hauke Wahl nach, eroberte sich mit etwas Glück die Kugel und hatte aus spitzem Winkel nur noch Schlussmann Ioannis Gelios, der für Thomas Dähne in die Startelf gerückt war, vor sich.
Der Kölner zog ab, doch Aleksandar Ignjovski sprang mit einer Grätsche hinein und lenkte den Ball auf diese Weise aufs Tordach (30.). Nach der anschließenden Ecke wertete Schiedsrichter Felix Zwayer einen Rempler von Hector an Kiels Torhüter Ioannis Gelios als Foul und unterbrach das Spiel, ehe der Ball ins Tor rollte.
Nur drei Minuten später spielte Wolf seine Geschwindigkeit aus, verschaffte sich auf rechts durch einen schnellen Antritt etwas Platz und setzte seinen Flachschuss deutlich neben das Tor (33.).
In der vierminütigen Nachspielzeit erhitzten sich dann nochmal die Gemüter: Ignjovski traf Ondrej Duda mit einer bösen Grätsche an der Grundlinie mit offener Sohle am Knöchel und sah "nur" Gelb. Über einen Platzverweis hätte sich der Serbe nicht beschweren können (45.).
Nur Momente später hatte der eben Gefoulte dann die beste FC-Chance des ersten Durchgangs auf dem Fuß, doch der Flachschuss des Slowaken von der Strafraumkante ging hauchdünn am linken Pfosten vorbei ins Toraus (45.+3).
Nach dem Seitenwechsel ging es intensiv weiter: Innerhalb von sieben Minuten holten sich Ellyes Skhiri, Wolf und Johannes van den Bergh Gelb ab. Letzterer wird Kiel nach seiner fünften Gelben im Rückspiel fehlen.
Ignjovski verließ in der 58. Minute das Feld und wurde durch Simon Lorenz ersetzt. Nur 20 Sekunden dauerte es, bis der Eingewechselte nach einer Ecke aus wenigen Metern zum 1:0 für die Gäste einköpfte. Der 1,87 Meter große Innenverteidiger hatte sich im Zentrum gegen Hector durchgesetzt (59.).
Die Hausherren wirkten geschockt und brachten in der Offensiv nicht viel zu Stande. Funkel hatte da schon Andersson gebracht (66.), um mehr Präsenz im Sturmzentrum zu haben. Auch Dominick Drexler (46.) und Jan Thielmann (66.), die beide am Mittwoch Geburtstag hatten, kamen ins Spiel, um zumindest den Ausgleich zu erzwingen.
Doch offensiv lief bei Köln nur noch wenig zusammen. Der FC hatte sogar noch Glück, dass Janni Serras Kopfball nach einer Flanke vom eingewechselten Fabian Reese nur am Querbalken landete (78.).
Gute sechs Minuten nach dieser Chance avancierte Kiels Phil Neumann durch eine doppelte Rettungsaktion auf der Linie gegen Duda und den eingewechselten Sebastian Andersson zum Matchwinner für den Zweitligisten (84.).
Somit benötigt Köln mindestens einen Treffer am Samstag im Holstein-Stadion (18:00 Uhr im Liveticker), um den siebten Abstieg aus der Bundesliga zu verhindern. Kiel hatte 2018 in der Relegation gegen den VfL Wolfsburg verloren und könnte der erste Bundesligist aus Schleswig-Holstein werden.

Die Stimmen zum Spiel:

Friedhelm Funkel (Trainer 1. FC Köln): "Wir haben bei einer Standardsituation – vor der wir genauso auch gewarnt hatten – nicht aufgepasst. Bis dato hatte Kiel nicht eine Chance. Wir haben aus unserem Ballbesitz gegen einen kompakten Gegner zu wenige Chancen kreiert. Auch aus den unzähligen Standardsituationen haben wir keinen Nutzen gezogen. Ich habe vorher schon gesagt, dass die Entscheidung in Kiel fällt und so wird es jetzt auch kommen. Wir werden in Kiel alles versuchen, den Rückstand wett zu machen. Die Qualität dazu haben wir."
Ole Werner (Trainer Holstein Kiel): "Ich bin hochzufrieden mit der kämpferischen Einstellung und der defensiven Organisation. Wir haben zwar einige Standards zugelassen, diese aber gut verteidigt. Mit dieser Leistung können wir so zufrieden sein. Hier und da hätten wir die Räume zwar besser nutzen können, aber es ist das erste von zwei Spielen, da geht man nicht ins letzte Risiko – das haben die Jungs vom Kopf her heute sehr gut hinbekommen. Jetzt müssen wir die Schlüsse aus dem Spiel ziehen und diese in der Kürze der Zeit ansprechen. Wir können nur gewinnen, der Druck liegt nun beim 1. FC Köln."
Marius Wolf (1. FC Köln): "Es ist ärgerlich. Jetzt müssen wir am Samstag gewinnen. Verdient oder nicht, das ist scheißegal. Wir müssen das "
Jonas Hector (1. FC Köln): "Über das Spiel gesehen wäre ein Unentschieden gerecht gewesen. Es steht aber 0:1."
Fin Bartels (Holstein Kiel): "Die erste Etappe ist gegangen. Wir haben nochmal 90 Minuten vor der Brust. Wir nehmen das mit, aber es ist trotzdem noch ein weiter Weg."
Simon Lorenz (Holstein Kiel): "So richtig realisiert habe ich es immer noch nicht. Ich habe gesehen, dass der Ball quer gelegt wird und dass ich mich im Duell durchsetzen kann und das Tor dann frei ist. Und das hat dann zum Glück geklappt."

Der Tweet zum Spiel:

Knackpunkt im ersten Abschnitt: Hätte Ignjovski für dieses Foul gegen Duda Rot gesehen, wäre Köln mit einem Mann mehr in die zweite Hälfte gegangen.

Das fiel auf: Werner beweist goldenes Händchen, Köln baut ab

Köln versuchte das Mittelfeld der Kieler mit langen Bällen auf Hector zügig zu überbrücken, was allerdings nur bedingt funktionierte. Effektiver war dagegen das situative Pressing des FC. Vor allem Hector setzte immer wieder giftig nach und störte den Spielaufbau der Gäste. Allgemein war Aushilfsstürmer Hector ein echter Aktivposten im ersten Spielabschnitt. Auf der rechten Seite spielte Wolf immer wieder sein Tempo aus und ließ van den Bergh ein ums andere Mal stehen. In der Kölner Druckphase Mitte der ersten Hälfte führten diese Faktoren dazu, dass die sonst so sichere Kieler Defensive ins Wanken geriet, jedoch nicht fiel.
Nach dem Seitenwechsel wirkten die zuvor müde geredeten Kieler wacher, was auch am goldenen Händchen von Trainer Ole Werner lag: Joker Lorenz traf zum 1:0 und auch der eingewechselte Fabian Reese sorgte mit Offensivläufen wiederholt für Entlastung sowie mit Flanken und Abschlüssen für Gefahr. Die Kölner bauten im zweiten Durchgang ab und konnten nicht an die Leistung aus der ersten Hälfte anknüpfen.

Die Statistik: 20

Ganze 20 Sekunden lagen zwischen der Einwechselung von Lorenz und seinem Kopfballtreffer zum 1:0 für die Störche. In Rekordzeit markierte der 24-Jährige somit also diesen wichtigen Auswärtstreffer, der das Tor zur ersten Liga für Holstein Kiel weit aufstößt.
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