BVB plant um: Rückkehr zur Viererkette?
Borussia Dortmund beendet am heutigen Montag sein Sommer-Trainingslager im schweizerischen Bad Ragaz. Trainer Lucien Favre geht mit dem hochwertigsten Kader seiner Dortmunder Zeit in die neue Saison und testete sowohl im Training als auch im Spiel eine veränderte Grundordnung. Zudem wurde mit Spannung erwartet, wie Jadon Sancho auf den geplatzten Wechsel nach England reagiert. Drei Erkenntnisse.
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1. Spielfreude pur: Talentierter war der BVB nie
Jadon Sancho (20), Erling Haaland (20), Mateu Morey (20), Jude Bellingham (17), Gio Reyna (17) - dazu die aus der eigenen Jugend stammenden Immanuel Pherai (19), Tobias Raschl (20) und Youssoufa Moukoko (15).
Der BVB ist jung (Durchschnittsalter 24,48 Jahre), hungrig und brutal talentiert. Sancho und Haaland gehören schon jetzt zu den begehrtesten U21-Spielern des Planeten, Bellingham und Reyna wird ähnliches Potenzial attestiert. Und wäre da noch Moukoko, der 15-Jährigen Wunderstürmer, der ab 20. November (16. Geburtstag) spielberechtigt sein wird und die Verantwortlichen bereits jetzt ins Schwärmen bringt. "Er hat mir sehr gut gefallen, er hat ein super Potenzial. Du weißt nicht, mit welchem Fuß er abschließt. Auch er ist sehr jung, aber er ist sehr effizient. Das ist schön zu sehen, und es macht Spaß mit ihm zu arbeiten", sagte BVB Trainer Lucien Favre nach dem spektakulären Testsieg gegen Austria Wien (11:2).
Ein Spiel, das deutlich machte: Favre hat den wohl talentiertesten Kader der BVB-Geschichte beisammen. Im Sommer verließ die Dortmunder NUR Achraf Hakimi, mit Bellingham und Thomas Meunier kamen ein vielversprechender Youngster und ein international erfahrener Topmann hinzu. Außerdem steht der Klub übereinstimmenden Medienberichten kurz vor der Verpflichtung von Real-Talent Reinier.
Was den Schweizer jedoch besonders freuen dürfte, ist der Teamgeist, den seine blutjunge Truppe in den vergangenen sieben Tagen im Sommertrainingslager, das der BVB traditionell im schweizerischen Bad Ragaz abhielt, versprühte. Sowohl im ersten Test gegen SCR Altach (6:0) als auch gegen Austria Wien. Natürlich darf man die Ergebnisse nicht zu hoch hängen, die ungebremste Spielfreude, die der aktuell 29 Mann starke Kader an den Tag legte, war dennoch beeindruckend.
Vor allem die jungen Wilden wirken wie eine eingeschworene Bande. Die große Lust, miteinander zu spielen und die vergangene Saison noch einmal zu toppen, ist spürbar. "Es fühlt sich an, als wären wir kleine Jungs, die im Hinterhof kicken", zeigte sich Reyna begeistert. Diese Unbeschwertheit erinnert an die Jahre 2011 und 2012, als Jürgen Klopp mit dem BVB und einer Mannschaft aus jungen und hungrigen Talenten die letzten beiden Meisterschaften für Schwarz-Gelb gewann.
2. Meunier statt Hakimi: Es riecht nach Viererkette
Gegen Ende der Hinrunde der vergangenen Saison stellte Favre von Vierer- auf Dreierkette um (3-4-2-1 statt 4-2-3-1). Der Mannschaft gab das sofort die zuvor abhandengekommene Stabilität zurück. Mit Raphael Guerreiro (links) und Hakimi (rechts) hatte Favre zwei ideale offensive Außenbahnspieler, die gegen den Ball zusammen mit der Dreierkette eine massive Fünferkette formten und bei eigenem Ballbesitz ihre Offensivpower einbrachten. Guerreiro (13) und Hakimi (19) waren 2019/2020 zusammen für 32 Torbeteiligungen verantwortlich.
In Bad Ragaz jedoch ließ Favre ausschließlich die Viererkette trainieren - auch in den Testspielen setzte der Schweizer auf vier Abwehrspieler. Gegen die Austria testete er in Halbzeit eins ein 4-3-3, in der zweiten Hälfte stellte er auf 4-2-3-1 um. Schon zu Beginn der vergangenen Rückrunde sagte Favre, dass diese beiden Systeme seine favorisierten sind: "Alle großen Vereine spielen mit Viererkette." Mit dem Wechsel hin zur Dreierkette habe man die "anderen Klubs überrascht. Jetzt vielleicht nicht mehr so sehr", sagte der Schweizer dem "Kicker".
Gut möglich also, dass die neue Saison wieder in veränderter Grundordnung startet. Einer der Hauptgründe dafür scheint zu sein, dass mit Meunier der Rechtsverteidiger im Team ist, der dem BVB in der vergangenen Saison abging. Lukasz Piszczek, der diese Rolle über lange Jahre ausfüllte, hat im hohen Fußballeralter (35) an Tempo eingebüßt, Hakimi hatte seine Qualitäten eher in der Offensive als in der Viererkette. Doch mit dem Abgang des Marokkaners und der Verpflichtung Meuniers hat Favre nun wieder die Gelegenheit, sein favorisiertes System zu spielen.
Guerreiro spricht sich im "Kicker" derweil dafür aus, weiterhin in der erfolgreichen 3-4-2-1-Grundordnung aufzulaufen. "Ich spiele da, wo mich der Trainer hinstellt", sagte der Portugiese, fügte jedoch an: "Die Dreierkette ist das System, das mir am besten gefällt. Es gibt mir Raum, nach vorn zu gehen. Es ist immer einer hinter mir, der mich noch deckt."
Noch wisse man im Team nicht, mit welchem System der Trainer für die neue Saison plant. Eine Teamsitzung habe es in Bad Ragaz nicht gegeben. Es riecht jedoch nach "Back to the roots" - im Fall Favre heißt das 4-3-3.
3. Enttäuschter Sancho? Ganz im Gegenteil
Sancho bleibt ein weiteres Jahr bei Borussia Dortmund - das bestätigte Sportdirektor Michael Zorc vor gut einer Woche gegenüber verschiedensten Medienvertreter. Die Entscheidung sei "definitiv", sagte Zorc mit Nachdruck.
Dass Sancho schon in diesem Sommer den Schritt zurück in seine englische Heimat zu Manchester United gewagt hätte, ist kein Geheimnis. Es wurde daher mit Spannung erwartet, wie sich der Youngster in Bad Ragaz präsentierte. In der Vergangenheit hatte der BVB schließlich nicht nur einmal Probleme mit abwanderungswilligen Spielern - an dieser Stelle sei an Pierre-Emerick Aubameyang und Ousmane Dembélé erinnert.
Doch Sancho, der in seiner jungen Karriere schon das eine oder andere Mal negativ neben dem Platz auffiel, scheint nicht verbittert zu sein, trägt die Entscheidung seines Arbeitgebers mit Professionalität. Im Training, so wie den Testspielen, zeigte sich Sancho gut gelaunt und voller Spielfreude.
Er "liebe es, mit diesen Jungs zu spielen", schwärmte Sancho nach dem Test gegen Altach. "Es ist ein besonderer Haufen. Ich bin wirklich glücklich, mit ihnen auf dem Platz zu stehen und sie zu führen." Als potenzieller Abnehmer diverser Sancho-Vorarbeiten (20 Tore und 20 Assists in der abgelaufenen Saison) freute sich auch Haaland über die Art und Weise, wie der junge Engländer sich in Bad Ragaz präsentierte: "Der Kerl hier hat großartigen Charakter bewiesen, wenn Sie verstehen, was ich meine."
Klar, die Stimmen stammen aus der hauseigenen Medienabteilung des BVB, externe Journalisten hatten keine Chance, Fragen zu stellen. Dennoch dürften Sätze wie diese die Herzen der BVB-Fans höher schlagen lassen
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