Bayern-Sportvorstand Hasan Salihamidzic überraschte am Dienstag mit einigen Aussagen zum Transfermarkt.
Angesprochen auf die zahlreichen Transfers europäischer Top-Klubs wie Paris Saint-Germain meinte der 44-Jährige: "Sie kennen uns, wie wir wirtschaften und versuchen, auf dem Transfermarkt zu agieren. Es ist keine einfache Situation, wenn man sieht, wie einige Klubs investieren können."
Man wolle neue Spieler "anders überzeugen, zum FC Bayern zu kommen". Etwas untypisch für die sonst immer sehr selbstbewussten Münchener ergänzte er: "Gegen manche finanziellen Kräfte ist im Moment nichts zu machen."
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Kann der FC Bayern mit dieser zurückhaltenden Einstellung aber auf Dauer mit den großen Geldausgebern FC Chelsea, Manchester City oder PSG im Rennen um Europas Krone mithalten?

PSG und Co. investieren weiter Millionen

Vor allem die Franzosen machten in den vergangenen Wochen mit spektakulären Transfers von sich reden. Der frischgebackene Europameister Gianluigi Donnarumma, Ex-Weltmeister Sergio Ramos und Georginio Wijnaldum kamen ablösefrei. Dazu verpflichteten die Franzosen Achraf Hakimi (60 Millionen Euro) und Danilo Perreira (16 Millionen Euro) für den Kader von Trainer Mauricio Pochettino. Die Jagd nach dem Champions-League-Titel geht also weiter.
Rund um Chelsea kamen zuletzt wieder Gerüchte auf, die Engländer wollten Erling Haaland für bis zu 175 Millionen Euro von Borussia Dortmund loseisen. Manchester United wird für knapp 90 Millionen Euro Jadon Sancho verpflichten.
Und auch Man City schaut sich offenbar nach einem neuen Stürmer um. Die von den Skyblues gebotenen 100 Millionen Euro für Harry Kane waren Tottenham Hotspur offenbar zu wenig. Deshalb rückt nun nach Angaben der "Daily Mail" ausgerechnet Robert Lewandowski ins Visier des englischen Meisters. Oder eben Haaland, der auch schon mit City in Verbindung gebracht wurde.
Alles jedoch in Summensphären, in denen sich der FC Bayern schon in der Vergangenheit nicht bewegte. In dieser Saison überwiesen die Münchener bisher 42,5 Millionen Euro für neue Spieler. Für diesen Betrag kam Upamecano aus Leipzig. Richards und Sven Ulreich wechselten ablösefrei.

"Anders sexy sein": Salihamidzic erklärt Bayerns neue Transfertaktik

FC Bayern verzichtet auf neue Transfers

Weitere Transfers schloss Salihamidzic nun trotz der Verletzungen von Lucas Hernández und Alphonso Davies aus. Der Sportvorstand erklärte: "Deswegen auf dem Transfermarkt tätig zu werden, wollen wir nicht. Es sind Verletzungen, die überschaubar sind und nicht ein halbes oder ganzes Jahr dauern, sondern einige Wochen." Man habe beim Rekordmeister "einen guten Kader (…) sowie einen guten Konkurrenzkampf".
Doch reicht das aus, um im internationalen Vergleich mitzuhalten? Ehrenpräsident Uli Hoeneß erklärte am Wochenende bei "Sport1", weshalb man beim FC Bayern aktuell mit besonderer Umsicht auf dem Transfermarkt agiert. "Der FC Bayern nimmt als einer der wenigen großen Vereine diese Krise auch ernst", sagte der 69-Jährige im Hinblick auf die Pandemie.
Viele Fragen beschäftigten zur Zeit die Klubs: "Kommen die Zuschauer zurück? Wenn ja, wie viele? Wie stehen die Sponsoren zu dem Thema? Ist das Thema Merchandising noch genauso interessant wie vorher?" Ohne reiche Privat-Sponsoren wie bei PSG, das von Katar aus unterstützt wird, oder Chelsea, das dem russischen Oligarchen Roman Abramovich gehört, müsse man sich diese Fragen stellen.
An den exorbitant hohen Summen, die beispielsweise für Haaland aufgerufen werden, "kann und will sich der FC Bayern nicht messen lassen", stellte Hoeneß klar. Der sportliche Erfolg der jüngeren Vergangenheit gibt den Münchenern bisher recht. Denn vor weniger als einem Jahr gewann Bayern das zweite Triple der Vereinsgeschichte. Insgesamt sieben Titel holte das Team von Ex-Coach Hansi Flick in den vergangenen 18 Monaten.

Hansi Flick gewann 2020 sechs Titel mit dem FC Bayern München

Fotocredit: Getty Images

Defensive und Angriff könnten zum Problem werden

Können die Münchener aber daran auch unter Julian Nagelsmann anknüpfen? Das letzte Champions-League-Finale wurde immerhin schon zwischen Chelsea und Man City ausgetragen. Die Bayern wiederum scheiterten knapp im Viertelfinale an PSG.
Personell ist der deutsche Rekordmeister weiter stark besetzt. Mit Spielern wie Manuel Neuer, Joshua Kimmich, Serge Gnabry, Thomas Müller oder Lewandowski müssen sich die Bayern nicht verstecken. Zwei Problemfelder könnte es aber doch geben.
Die Defensive muss sich nach den Abgängen von David Alaba, Jérôme Boateng und Javi Martínez sowie den Ausfällen von Hernández und Davies neu sortieren. Die beiden Neuzugänge Upamecano und Richards dürften daher schon von Beginn an gefordert sein. Vor allem vom ehemaligen Leipziger erwarten die Bosse einiges. Upamecano soll der neue Abwehrchef werden.
Die letzte Saison hat zudem gezeigt, wie sehr die Münchener im Angriff von Lewandowski abhängig sind. Der Pole erzielte in der abgelaufenen Spielzeit 41 von 99 Bayern-Toren in der Bundesliga. In den beiden Viertelfinalspielen der Champions League gegen PSG fehlte Lewandowski verletzt. Das Ergebnis ist bekannt.
Die Aussagen von Salihamidzic und Hoeneß machen aber klar, dass sich der FC Bayern auf dem Transfermarkt wegen der Corona-Krise und den anhaltenden Auswirkungen auf den Profi-Fußball ruhig verhalten wird. Erst die Zukunft wird zeigen, welche Taktik am Ende den Erfolg bringt.
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