FC Bayern verliert Thiago an Liverpool: Wer füllt die Lücke?
Mit Thiago Alcantara verliert der FC Bayern nicht nur seinen technisch besten Spieler - sondern in erster Linie seinen Taktgeber im Mittelfeld. Der Spanier hinterlässt eine große Lücke, die mit Spielern wie Corentin Tolisso und Andrian Fein nur schwer zu füllen ist. Doch ob der Rekordmeister auf dem Transfermarkt wirklich in einen neuen Mittelfeld-Regisseur investiert, bleibt fraglich.
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Es war klar, dass die ersten Fragen auf der Pressekonferenz vor dem Bundesliga-Auftakt gegen den FC Schalke 04 am Freitag (ab 20:30 Uhr im Liveticker auf Eurosport.de) nicht auf den kommenden Gegner abzielen würden.
Nur wenige Minuten bevor erst Neuzugang Alexander Nübel und anschließend Trainer Hansi Flick das Podium betraten, um sich den Fragen der Journalisten via Videokonferenz zu stellen, wurde von Vereinsseite bestätigt, dass der FC Bayern und Thiago Alcantara getrennte Wege gehen. Der 29-Jährige wird sich Jürgen Klopp und dem FC Liverpool anschließen. Die Reds sind bereit, die geforderte Ablösesumme in Höhe von 30 Millionen Euro zu bezahlen.
Wenig überraschend, dafür aber endgültig.
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26/07/2025 um 21:12 Uhr
Die Frage danach, wie es jetzt weiterginge, weil ja nun ein Haken an der Geschichte wäre, wollte und konnte Flick nicht nüchtern beantworten und holte daher etwas weiter aus:
"Zuerst einmal: Einen Haken dran zu machen, das wäre zu wenig für Thiago", startete der 55-Jährige, bevor er zur großen Lobeshymne ansetzte: "Thiago ist ein außergewöhnlicher Spieler, der hier sieben Jahre riesigen Erfolg hatte. Er hat der Mannschaft viele Optionen gegeben und für Überraschungen gesorgt, er hat Dinge so gelöst, wie man es nicht vermutet. Das Trainerteam und ich, wir haben sehr, sehr gerne mit ihm gearbeitet, weil er ein absoluter Profi, ein außergewöhnlicher Spieler und ein toller Mensch ist. Wir sind alle traurig. Es war heute auch sehr emotional, als er sich verabschiedet hat. Ich kann Kloppo nur gratulieren."
Worte, die zeigen: Thiago hinterlässt ein großes Loch, das dementsprechend schwer zu füllen ist.
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Thiago-Nachfolge: Tolisso könnte Nutznießer sein
Kurzfristig muss der Verlust des Edeltechnikers und besten Spielers des Champions-League-Finals gegen PSG (1:0) vom vorhandenen Spielermaterial kompensiert werden. Für das zentrale Mittelfeld bleiben dem FC Bayern mit Joshua Kimmich, Leon Goretzka, Corentin Tolisso, Michael Cuisance und Adrian Fein rein nominell fünf Spieler.
Während Fein, der in den vergangenen zwei Jahren jeweils an Zweitligavereine (Regensburg und HSV) ausgeliehen war, und Cuisance eher wenig Chancen auf größere Rollen in der Mannschaft zuzurechnen sind, könnte Tolisso der Nutznießer des Thiago-Abgangs sein. Zumindest dann, wenn Flick weiterhin mit Kimmich als Rechtsverteidiger plant.
Schon beim Finalturnier der Champions League in Lissabon half der Nationalspieler auf dieser Position aus, weil Benjamin Pavard verletzt fehlte und Álvaro Odriozola in den Augen des Trainers kein gleichwertiger Ersatz zu sein schien.
Sollte Flick allerdings seinen geforderten Backup für hinten rechts bekommen, würde Kimmich zurück in die Zentrale neben Goretzka wechseln. Tolisso wäre dann wohl weiterhin eine Option von der Bank. "Coco (Tolisso, Anm. d. Red.) hat enorme Qualitäten", betonte Flick, wies aber auch darauf hin, dass der Franzose oft mit Verletzungen zu kämpfen habe. Dadurch habe er in der vergangenen Saison "öfter mal seinen Rhythmus verloren".
Tolisso als Thiago-Ersatz könnte also eine zu riskante Variante sein. Ganz abgesehen davon, dass sich beide Spielertypen überhaupt nicht ähneln. Thiago hat seine Stärken klar im Passspiel und im Gegenpressing, Tolisso ist eher der Typ Goretzka - ein Box-to-Box-Spieler, der Torgefahr ausstrahlt.
FC Bayern: Schlägt Salihamidzic nochmal zu?
Gut möglich, dass der FC Bayern deshalb noch einmal seine Transferplanungen umstellt.
"Wir sind mit Hasan in Kontakt und sind guten Mutes, dass wir noch etwas machen können", befand Flick im Hinblick auf den Thiago-Abgang. Man wolle "nicht jammern", aber: "Wir haben noch ein bisschen Zeit, aber es wird aktuell schon etwas eng."
Schon länger ist bekannt, dass sich Flick zwei weitere Spieler für die kommende Saison wünscht. Einen Flügelstürmer, der die Abgänge von Ivan Perisic (zurück zu Inter Mailand) und Philippe Coutinho (zurück zum FC Barcelona) kompensieren kann und einen Rechtsverteidiger, der die Rolle des Backups für Pavard übernimmt. Real-Leihgabe Odriozola überzeugte bekanntlich nicht und kehrte nach Spanien zurück.
Mit dem Thiago-Abgang könnten sich die Bayern jetzt umorientieren, schließlich ist eine weitere offene Planstelle zu besetzen. Zudem sind 30 Millionen Euro in Corona-Zeiten ein Betrag, mit dem sich unter Umständen auch ein Thiago annähernd ersetzen lässt.
FC Bayern: Das Zauberwort heißt Belastungssteuerung
Sieht man davon ab, dass man einen Spieler, der das eigene Spiel über sieben Jahre lang maßgeblich geprägt hat, sowieso nicht von heute auf morgen eins zu eins ersetzen kann, ist es dennoch unabdinglich, die offene Planstelle im Mittelfeld zu besetzen. Allein schon aus Gründen der Belastungssteuerung.
"Wichtig ist, dass wir mehrere Optionen haben, um die Belastungssteuerung so umsetzen zu können, dass die Spieler immer frisch sind", gab Flick zu bedenken. Zwei Tage vorher hatte auch Goretzka vor der großen Herausforderung, die die neue, eng getacktete Saison mit 27 Pflichtspielen bis Weihnachten mit sich bringe, gewarnt: "Wir werden tatsächlich den kompletten Kader benötigen, um durch die Saison zu kommen, das ist gar keine Frage", sagte der 25-Jährige.
Eines ist klar: Für Salihamidzic werden die letzten zwei Wochen bis zur Schließung des Transferfensters noch einmal intensiv.
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