Schon klar, am Montag hat Joachim Löw was anders zu tun.
Digitale Pressekonferenz am Nachmittag, Erklärung für das 0:6 gegen Spanien. Und was zuletzt sonst noch so beim DFB abging.
Was dem DFB zuletzt definitiv abging, war Führung auf dem Platz. Eine Ansammlung talentierter Spieler hatte sich durch die Nations League gemüht, aber als es darauf ankam, in Sevilla, fiel das Kartenhaus in sich zusammen.
Bundesliga
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Was Land auf Land ab das Rufen nach drei von Löw 2019 Aussortierten wieder lauter machte: Kann sich Löw auch 2021 immer noch leisten, auf Thomas Müller, Jérôme Boateng und Mats Hummels zu verzichten?

Müller trifft doppelt gegen Leipzig

Vor allem Müller sammelte im Herbst 2020 fleißig Argumente für eine Rückkehr ins DFB-Team. Präsentiert sich bei Bayern: Ja, doch, in EM-Form.
Im Bundesliga-Spitzenspiel gegen RB Leipzig am Samstagabend war er es, der mit einem Doppelpack die Kastanien für Bayern aus dem Feuer holte. Mit dem 3:3 behielten die Triple-Sieger immerhin die Tabellenführung.

Thomas Müller (r.) mit Kingsley Coman - FC Bayern

Fotocredit: Getty Images

Zuvor hatte Müller auch beim Projekt "Jugend forscht" in der Champions League bei Atlético Madrid als Einwechselspieler zum 1:1-Endstand getroffen.

Müller effektiver als Sané und Gnabry

Summa summarum hat der 31-Jährige in 18 Pflichtspieleinsätzen für Bayern nun ebenso viele Scorerpunkte gesammelt. Neun Toren stehen neun Vorlagen gegenüber. Mehr, als es die von Löw bevorzugten Leroy Sané (5/3) und Serge Gnabry (4/1) diese Saison im Bayern-Trikot vorweisen können.
Dazu kommt Müllers unheimliche Präsenz. Bei Bayern ist er verlängerter Arm von Trainer Hans-Dieter Flick auf dem Platz. Er gibt situativ das Kommando zum Pressing. Er dirigiert die Offensive. Er rüttelt andere wach, wenn die Bayern schwächeln.
"Die Jungs nehmen das Coaching auf dem Platz gut an, deswegen mach ich das auch weiter. Sie wollen das auch", schilderte Müller am Samstagabend: "Das ist für mich wichtig, um selbst voll im Spiel zu bleiben. Dann bleibt die Spannung hoch."
Trotz seines Doppelpacks gab sich Müller demütig und selbstkritisch. "Ich hatte zu viele Ballverluste, ehrlich gesagt. Es wäre auch bei mir persönlich deutlich mehr drin gewesen", sagte er.

Thomas Müller erzielt zwei Tore im Spitzenspiel

Fotocredit: SID

Müller reagiert mit Patriotismus

Angesprochen auf ein mögliches Comeback im DFB-Team, sagte Müller im Prinzip das, was er schon seit über einem Jahr sagt: Dass es nicht an ihm liegt. Alles andere könne "man rauf und runter diskutieren, wie man will". Er aber, und das klang gut "bleibe dran und dann schau mer mal".
Auf die Frage, was er davon halte, dass der DFB mit Löw als Bundestrainer weitermache, antwortete Müller mit Patriotismus.
"Der DFB hat so entschieden", sagte der Bayer, "deswegen müssen wir Deutsche alle hinter dieser Entscheidung stehen und alles dafür tun, dass wir mit Joachim Löw wieder Schwung in die Bude bringen. Wenn wir uns was wünschen dürfen für den Fußball-Sommer, dann wollen wir eine tolle Europameisterschaft haben."
Mit Müller? Aktuell kann er nicht mehr tun, als für Bayern zu glänzen. Das tut er. "Er ist einfach enorm wichtig für das Bayern-Spiel. Ob er jetzt Tore schießt oder nicht - er ist präsent, der reißt die Mannschaft mit seiner Art und Weise mit", sagte Lothar Matthäus am Samstag im "Sky"-Studio.
Wie es der Zufall so will, war der Rekordnationalspieler (150 Länderspiele) selbst mit 31 Jahren ein halbes Jahr nach einer enttäuschenden WM (1994) unfreiwillig aus dem DFB-Team ausgeschieden, nur um vier Jahre später wieder mit dem Adler auf der Brust aufzulaufen.

Bierhoff macht die Hintertür auf

So lange muss es bei Müller nun nicht dauern. "Ich bin überzeugt, dass er einer derjenigen sein wird, auf die Jogi Löw im Frühjahr, wenn es so bleibt, nicht verzichten wird", tippte Bayerns Ehrenpräsident Uli Hoeneß am Sonntag in der Sendung "Blickpunkt Sport" des "Bayerischen Rundfunks" schon mal.
Oliver Bierhoffs Aussagen vom Freitag leben ebenfalls nahe, dass sich noch was drehen könnte. Der Direktor Nationalmannschaften und Akademie wies da in einer 90-minütigen Pressekonferenz samt Powerpoint-Präsentation zwar so ziemlich jede Schuld am aktuellen DFB-Versagen von den Verantwortlichen der Nationalmannschaft.
Den Aussortierten machte er aber die Hintertür zur DFB-Elf wieder ein gutes Stück auf. "Am Ende spricht man über alle Spieler - auch über Thomas Müller und Mats Hummels", meinte Bierhoff dort ziemlich klar.
Es sei auch "keine Sturheit von Jogi, wenn er jetzt auf den einen oder anderen verzichtet". Es sei "nichts Absolutes dabei", Löw folge nur "seiner Intuition, seiner Meinung". Offenbar wird dem Bundestrainer nun von DFB-Seite gut zuredet, dieses abermals zu überdenken. Vielsagend fügte Bierhoff an: "Jogi hat jetzt alle Optionen, die Mannschaft neu aufzubauen."
Am Ende werde der Bundestrainer schon "machen, was für die Mannschaft das Beste ist". Also logischerweise: zum Telefon greifen. Und Müller anrufen. Oder?
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