Julian Nagelsmann zelebrierte den fünften Treffer seiner Mannschaft mit dem eingesprungenen Cristiano-Ronaldo-Jubel, während seine Schützlinge um Torschütze Serge Gnabry feiernd in Richtung Gäste-Kurve abdrehten.
Der FC Bayern München hat seine Vormachtstellung in der Bundesliga mit einer 5:1 (5:0)-Gala bei Bayer Leverkusen im Topspiel der Bundesliga untermauert und die Tabellenspitze auf eindrucksvolle Art und Weise zurückerobert.
Weltfußballer Robert Lewandowski leitete den Kantersieg mit einem Doppelpack ein (4./30.). Die beiden deutschen Nationalspieler Thomas Müller (34.) und Gnabry (35./37.) legten für wie entfesselt aufspielende Bayern noch vor der Pause nach. Patrik Schick gelang der Ehrentreffer für insgesamt völlig überforderte Leverkusener (55.).
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Bayern-Arbeitssieg gegen Bielefeld - das sagt Nagelsmann
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Drei Dinge, die uns beim Bundesliga-Spitzenspiel auffielen.

1. Sieben Minuten Bayern-Wahnsinn

Ganz Fußball-Deutschland blickte am Sonntagnachmittag gespannt nach Leverkusen.
Ausgerechnet im Anschluss an die erste Saisonpleite unmittelbar vor der Länderspielpause gegen Eintracht Frankfurt (1:2) wartete auf den FC Bayern das Topspiel bei der Mannschaft der Stunde (fünf Siege in Serie), Bayer Leverkusen. Hat der deutsche Rekordmeister den Rückschlag wirklich schon verdaut oder würde er etwa erneut Federn lassen?
Die mehr als überdeutliche Antwort darauf lieferten die Münchner bereits nach ziemlich genau 180 Sekunden. Joshua Kimmich chippte einen Freistoß aus halblinker Position an den langen Pfosten, wo sich Dayot Upamecano davongeschlichen hatte und den Ball scharf ins Zentrum brachte. Lewandowski bedankte sich und vollstreckte im Stile eines Weltfußballers mit der Hacke in die lange Ecke (4.) - ein Auftakt wie gemalt für die Nagelsmann-Elf.
"Bevor wir das 1:0 machen, können wir sogar noch zwei, drei Tore mehr machen. Wir hatten eine sensationelle Struktur mit Ball. Leverkusen hatte sehr, sehr wenig Zugriff in der ersten Halbzeit. Mit einer klaren Zuordnung haben wir ihnen ihre Konterstärke weggenommen", konstatierte Nagelsmann im Anschluss bei "DAZN".

Dayot Upamecano (links) und Robert Lewandowski - FC Bayern

Fotocredit: Getty Images

Eben jene Tore, die der FC Bayern in der Anfangsphase eben nicht machte, holte die beste Offensive der Top-5-Ligen Europas (29 Tore) dann nach einer guten halben Stunde innerhalb von sage und schreibe sieben (!) Minuten mit gnadenloser Effektivität nach. Lewandowski eröffnete jene denkwürdigen Augenblicke mit seinem zweiten Treffer an diesem Nachmittag (30.).
Leverkusen hatte in der Folge keinerlei Zugriff mehr in der Defensive und konnte sich so kaum mehr befreien. Die Bayern dagegen wurden von Minute zu Minute stärker und konnten schalten und walten, wie sie wollten: Müller fälschte einen Abschluss von Niklas Süle im Anschluss an einen Freistoß unhaltbar zum 3:0 ab und nur handgestoppte 62 Sekunden nach dem dritten Treffer durfte sich Müllers DFB-Kollege Gnabry in die Torschützenliste eintragen, als der FC Bayern die Hausherren mit ihrem Gegenpressing förmlich überrannten (35.). Für den Schlusspunkt einer aus bajuwarischer Sicht nahezu perfekten Halbzeit sorgte erneut Gnabry (37.).
"Fünf Tore in 45 Minuten - das belegt, was für einen Fußball wir gespielt haben", schwärmte Lewandowski bei "DAZN". "Ich denke wie wir nach vorne gespielt haben auch nach den ersten Treffern war sehr gut. Zur Halbzeit war klar, dass wir das Spiel gewinnen werden."
Auch wenn Bayer in Halbzeit zwei in Person von Schick noch Ergebniskosmetik betreiben konnte (55.), sorgten Lewandowski und Co. mit ihrem fulminanten Auftritt für einen neuen Vereinsrekord. Nie zuvor führte der FC Bayern in einem Bundesliga-Auswärtsspiel zur Halbzeit 5:0. Einzig in der Allianz-Arena beim 6:0-Erfolg in der Saison 2017/18 gegen Borussia Dortmund war dies schon einmal gelungen.

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2. Leverkusen noch längst kein Bayern-Jäger

Selbst Maskottchen "Brian the Lion" konnte nicht mehr hinsehen.
Bayer Leverkusen hatte sich vor dem Spitzenspiel gegen das Maß aller Dinge in Deutschland so viel ausgerechnet. Doch bereits nach nicht einmal vier Minuten war klar, dass aus den guten Vorsätzen nichts werden sollte.
Die blutjunge Truppe von Trainer Gerardo Seoane musste am Sonntagnachmittag ordentlich Lehrgeld zahlen und wurde vom neuen und alten Tabellenführer förmlich überrannt. "Wir waren von Anfang an nicht wach und bissig genug. Wir wollten mutig und aggressiv spielen, haben das aber nicht hinbekommen. Dann sind die ins Rollen gekommen, was uns zu sehr verunsichert hat. Das darf uns nicht passieren", legte Jonathan Tah den Finger gnadenlos in die Wunde.
Noch deutlicher wurde Bayer-Keeper Lukas Hradecky. "Wir haben dieses volle Stadion und die Stimmung nicht verdient mit dieser Leistung. Wenn Bayern so einen Tag erwischt, war das Spiel schon zur Halbzeit beendet für uns. An der Taktik war nichts falsch. Die Fehler geschahen heute bei allen Spielern hier."
Hauptausschlaggebend für die deftige Pleite war die fehlende Kompaktheit in der Defensive, wie auch "DAZN"-Experte Sandro Wagner feststellte: "Die Abstände zwischen Demirbay und Amiri waren teilweise zu groß. Leverkusen muss entweder von Haus aus kompakter stehen und die Räume enger machen, oder die Innenverteidiger müssen weiter aufrücken. Bayern hat das natürlich sehr gut gespielt, aber es war auch oft sehr schlecht verteidigt von Leverkusen."
Anstatt mit ihrem blitzschnellen Umschaltspiel, das die Werkself in der laufenden Spielzeit auszeichnete, Nadelstiche zu setzen, rannte Bayer defensiv gnadenlos ins Verderben.
"Die erste Halbzeit war natürlich brutal. Das hat die junge Mannschaft nicht so schnell verkraftet. Dann gab es sieben wahnsinnige Minuten, in der uns die Bayern gezeigt haben, warum sie die beste Mannschaft in Deutschland haben", lautete das ernüchternde Fazit von Seoane.
Es bleibt die bittere Erkenntnis, dass die Rolle des Bayern-Jägers für die zweitjüngste Mannschaft Europas (hinter der AS Monaco) noch deutlich zu früh kommt.

Nadiem Amiri (links) und Odilon Kossounou - Bayer Leverkusen

Fotocredit: Getty Images

3. Ab durch die Mitte!

Bayern-Trainer Nagelsmann hatte sich für die Partie in der BayArena einen speziellen Plan zurechtgelegt.
Aufgrund der Tatsache, dass bei Leverkusen mit Charles Aranguiz (Wadenverletzung), Robert Andrich, Julian Baumgartlinger (Knie-OP) und Exequiel Palacios (Erkältung) gleich vier zentrale Mittelfeldspieler ausfielen, musste der offensive Amiri an der Seite von Demirbay auf der Doppelsechs agieren.
Die Abstimmung der beiden ehemaligen Hoffenheimer passte allerdings alles andere als gut, weshalb sich teilweise gigantische Lücken im Zentrum ergaben.
In jene Halbräume zwischen Doppelsechs und Viererkette stieß der Rekordmeister über die komplette erste Halbzeit hinweg gnadenlos. Die Hintermannschaft der Werkself sah sich folglich immer wieder mit Unterzahlsituationen konfrontiert, die Bayern eiskalt ausnutzte.
"Die Raumaufteilung heute war richtig gut. Wir hatten immer wieder viele Spieler zwischen den Ketten, gerade hinter den beiden Sechsern. So haben wir immer wieder Tempo ins Spiel gebracht", analysierte Kimmich.
Nagelsmann pflichtete seinem Schützling bei und hatte darüber hinaus ein Sonderlob für Kimmich parat: "Unser komplettes Vierer-Mittelfeld mit Thomas (Müller; Anm. d. Red.), Leroy (Sané; Anm. d. Red.), Josh (Joshua Kimmich; Anm. d. Red.) und Leon (Goretzka; Anm. d. Red.) war in der ersten Halbzeit unfassbar gut. Josh hat ein herausragendes Spiel gemacht, hatte eine unfassbar gute Position und war gut im Gegenpressing. Insgesamt war das Mittelfeld heute sehr, sehr stabil."
Der FC Bayern hat seine Hausaufgaben in der Länderspielpause zweifellos erledigt und der Liga bereits am 8. Spieltag das Fürchten gelehrt.
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