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Borussia Dortmund - Kurswechel im Streit mit Felix Zwayer: Hans-Joachim Watzke will "zum Hörer greifen"
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Publiziert 22/01/2022 um 19:01 GMT+1 Uhr
BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke ist für ein Gespräch mit Schiedsrichter Felix Zwayer offen. Der 62-Jährige bedauerte die bislang nicht erfolgte Kommunikation zwischen Borussia Dortmund und dem Unparteiischen und kündigte an, selbst aktiv werden zu wollen. "Wir hätten schon längst sprechen sollen", sagte Watzke vor der Bundesligapartie bei der TSG Hoffenheim (3:2) im "Sky"-Interview.
BVB-Boss Hans-Joachim Watzke
Fotocredit: Getty Images
Die Sorgen um Felix Zwayer lassen nun sogar den "harten Hund" Hans-Joachim Watzke nicht mehr kalt. "Wir hätten schon längst sprechen sollen", gestand der Boss von Borussia Dortmund angesichts der alarmierenden Berichte über den Zustand des Schiedsrichters ein. Watzke will über seinen Schatten springen und trotz des Ärgers über Zwayer die heftigen Folgen des Wirbels um den Referee aktiv aufarbeiten.
"Uns ist damals ein bisschen sauer aufgestoßen, dass er uns diesen Dialog, den wir aufnehmen wollten, über die Medien schon angeraten hatte", sagte Watzke bei "Sky": "Aber jetzt, wo das offensichtlich bei ihm auch ein bisschen tiefere Wirkung gezeigt hat, denke ich, dass wir direkt zum Hörer greifen sollten. Es muss alles passen, aber ich habe kein Problem damit, den ersten Schritt zu gehen."
Dieser Schritt scheint auch bitter nötig, um die Fortsetzung der Laufbahn Zwayers zu ermöglichen. Schließlich berichtete der 40-Jährige zuletzt über ein völlig aus den Fugen geratenes Leben.
So sorgten unter anderem Droh-Mails für eine große psychische Belastung. Noch scheint völlig offen, ob Zwayer nach seiner selbstverordneten Auszeit auf den Platz zurückkehren wird.
Zwayer hinterfragt Tätigkeit
"Rational müsste ich sagen, damit möchte ich nichts mehr zu tun haben. So leicht ist das aber auch nicht", sagte Zwayer der "Welt am Sonntag": "Dafür ist das ein Teil meines Lebens. Trotzdem stehe ich an einem Punkt, an dem ich mich frage: Ist es mir das noch wert?"
Watzke ist auch deshalb gefordert, weil er als neuer Vizepräsident des Deutschen Fußall-Bundes (DFB) zumindest indirekt auch für das Wohl der Schiedsrichter zuständig ist. Und der Verband möchte Zwayer, der nach wie vor zu den Top-Schiedsrichtern des Weltverbands FIFA gehört, nicht hängen lassen.
"Wir unterstützen ihn nach besten Kräften, unabhängig davon, ob er sich für die Fortsetzung seiner Karriere als Schiedsrichter oder dagegen entscheidet", sagte Referee-Chef Lutz Michael Fröhlich: "Wir wünschen uns und würden uns freuen, wenn Felix Zwayer uns und dem Fußball als Schiedsrichter erhalten bleibt."
Dass es zu den von Zwayer geschilderten Auswüchsen gekommen ist, müsse "allen zu denken geben", äußerte Fröhlich. Zwayer hat sich nach der heftigen Diskussion im Anschluss an das Bundesliga-Topspiel zwischen Borussia Dortmund und Bayern München (2:3) Anfang Dezember zurückgezogen, um seine Lage zu überdenken.
Bellingham löst Debatte aus
Die Debatte wurde durch den Dortmunder Jude Bellingham ausgelöst. Der Engländer hatte den Unparteiischen nach dem Bayern-Spiel verbal hart attackiert: "Man gibt einem Schiedsrichter, der schon mal Spiele verschoben hat, das größte Spiel in Deutschland. Was erwartest du?"
Bellingham, der für seine Aussage 40.000 Euro Strafe zahlen musste, bezog sich auf die Verstrickung Zwayers in den Manipulationsskandal um seinen früheren Kollegen Robert Hoyzer.
Zwayer bestreitet, dass er einst Geld angenommen hat, um ein Spiel zu manipulieren. Damit geht er nicht konform mit der Aktenlage rund um den Hoyzer-Skandal im Jahr 2004. Es "ist davon auszugehen", dass Zwayer als Assistent Geld von Drahtzieher Hoyzer angenommen habe, heißt es im Urteil des damaligen Sportgerichts-Vorsitzenden Rainer Koch aus dem Jahr 2006.
Zwayer gab hinterher an, dass er den Richterspruch nur aus verfahrenstechnischen Gründen akzeptiert habe. Später deckte Zwayer den Skandal mit auf, eine Manipulation wurde ihm trotz Sperre nie nachgewiesen.
Für die Sportgerichtsbarkeit ist der Fall längst abgeschlossen - für Watzke allerdings noch nicht.
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(SID)
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Quelle: Perform
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