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Borussia Mönchengladbach nur noch Durchreisestation: Fohlen im Abstiegskampf statt im Europapokal
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Publiziert 31/12/2021 um 11:52 GMT+1 Uhr
Borussia Mönchengladbach steht vor einem großen Umbruch: Nachdem Coach Marco Rose die Fohlen im Sommer in Richtung Dortmund verlassen hatte, verlieren die Gladbacher nun auch die beiden Leistungsträger Matthias Ginter und Denis Zakaria. Nach einer schwachen Hinserie mit nur zwei Punkten Vorsprung auf den Relegationsrang überwintern die Gladbacher um Sportdirektor Max Eberl in unruhigem Fahrwasser.
Die Borussia nach der Pleite in Frankfurt am Boden
Fotocredit: Getty Images
Noch vor einem Jahr strahlte die Fußballwelt in Mönchengladbach: In der Champions League waren die Fohlen durch die Gruppenphase galoppiert.
In einer Gruppe mit Real Madrid, Inter Mailand und Schachtjor Donezk hatte sich die Borussia als Zweiter behauptet und war plötzlich als Achtelfinalist in der Königsklasse.
In der Bundesliga war die Mannschaft von Trainer Marco Rose mit nur einem Zähler Rückstand auf Rang vier in Schlagdistanz im Kampf um die Champions-League-Plätze.
Doch mit nur 21 Zählern in der Rückrunde der vergangenen Spielzeit verpassten die Fohlen das internationale Geschäft vollständig.
Eberl warnt, Hütter beruhigt
Vor dem Jahreswechsel steht die Borussia nun sogar vor einem Scherbenhaufen. In der Hinrunde unterboten die Gladbacher die schwache erste Jahreshälfte sogar noch einmal: Mit 19 Punkten überwintern die Fohlen lediglich zwei Zähler vor dem Relegationsplatz. Auf die internationalen Ränge fehlen der Mannschaft um Kapitän Lars Stindl dagegen schon acht Punkte.
"Schuld tragen wir alle. Ich möchte keinen sehen, der auf einen anderen zeigt", sagte Max Eberl im "ZDF" und schloss sich selbst mit in die Kritik für den Absturz der Borussia ein. Trainer Adi Hütter beruhigte: Es handele sich um keine gefährliche Situation, "weil die Mannschaft zu viel Qualität hat".
Doch seit nunmehr einem Jahr traben die Fohlen ihren Ansprüchen hinterher. Auch, weil viele Akteure die Borussia nur noch als Durchreisestation sehen. Am Mittwoch wurde bekannt, dass die Idenfitikationsfiguren Matthias Ginter und Denis Zakaria am Saisonende den nächsten Schritt gehen möchten – ähnlich wie Rose im vergangenen Sommer.
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Denis Zakaria, Breel Embolo und Matthias Ginter nach der Punkteteilung in Hoffenheim
Fotocredit: Getty Images
Trainerkarussell in Mönchengladbach
Der Abgang seines Wunschtrainers, für den Eberl zwei Jahre zuvor Dieter Hecking trotz einer starken Saison entlassen hatte, traf Sportdirektor und Klub hart. "Es ging die Tür bei dem Trainer auf, bei dem ich glaube, dass wir mit ihm in Gladbach den nächsten Schritt gehen können", hatte Eberl 2019 erklärt.
Rose hatte selbst damals geschwärmt: "Die Borussia ist ein toller Verein mit großen Ambitionen und einer großen Fankultur. Das sind alles Dinge, die mich gereizt haben. Daher habe ich mich für Gladbach entschieden."
Doch zum Sommer zog Rose die Ausstiegsklausel in seinem Arbeitspapier und kehrte den Gladbachern den Rücken, um nach nur zwei Spielzeiten bei der anderen Borussia in Dortmund anzuheuern. "Es war für mich enttäuschend, dass Marco diese Entscheidung gefällt hat", hatte Eberl im Podcast "MitGeredet" zugegeben.
''Am Ende muss man sagen, dass er die Identifikation, die er am Anfang gepredigt hat, nicht unbedingt in dem Maße gelebt hat. Er hat sich für den vermeintlich größeren Klub entschieden", monierte der 48-Jährige.
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Borussia Mönchengladbachs Cheftrainer Adi Hütter
Fotocredit: Getty Images
Kein Hütter-Effekt bei Fohlen
Im Sommer folgte Adi Hütter, den Eberl ebenfalls per Ausstiegsklausel von Eintracht Frankfurt loseiste. Doch der Österreicher konnte den Negativtrend aus dem ersten Halbjahr nicht umkehren. Im Gegenteil: Zwischenzeitlich verlor die Borussia vier Ligaspiele in Serie und kassierte dabei 17 Gegentreffer. "Es ist schon eine Verunsicherung da", gestand Hütter und übte Selbstkritik: "Wir haben uns in kürzester Zeit in diese Situation gebracht."
In den vergangenen fünf Bundesligaspielen des Jahres blieb das Team sieglos. Zehn Jahre in Folge beendete Gladbach die Saison immer auf einem einstelligen Tabellenrang. Aktuell liegen die Fohlen nur auf Platz 14.
Im Verein und bei den Fans rumort es. Spätestens seit Weltmeister Ginter verkündete, den Klub am Ende der Saison ablösefrei zu verlassen. "Ich habe mich dazu entschlossen, für meine persönliche und berufliche Entwicklung nochmal einen anderen Weg in meiner Karriere einzuschlagen", schrieb der Innenverteidiger auf Instagram. Auch der Schweizer Nationalspieler Zakaria wird den Verein zum Saisonende zum Nulltarif verlassen.
Für Gladbach und Hütter ein schwerer Schlag: Beide waren unter dem Österreicher unangefochtene Stammspieler. Nach Außenverteidiger Joe Scally verbuchten Ginter und Zakaria beim 51-Jährigen die meisten Einsatzminuten aller Feldspieler.
"Wir wissen nun, mit wem wir für die nächste Saison planen können und mit wem nicht und unter welchen Vorzeichen wir in die Rückrunde gehen", sagte Eberl. Doch auch um andere Leistungsträger rankten sich in der Vergangenheit immer wieder Abwanderungsgerüchte. Jonas Hofmann und Florian Neuhaus waren zuletzt mit dem FC Bayern München in Verbindung gebracht worden.
Borussia droht der Zerfall
Gerade für die Nationalspieler im Kader wird es in Hinblick auf die Weltmeisterschaft in Katar im kommenden Jahr entscheidend sein, sich auf internationaler Bühne zu präsentieren. Doch bereits im Dezember sind allein die Europa-League-Plätze in weite Ferne gerückt.
"Die Frage ist, wie wir da gemeinsam wieder rauskommen", hatte Hütter nach der 1:4-Pleite in Leipzig gesagt. Ginter versprach nun: "Wer mich kennt, weiß, dass ich alles dafür geben werde, die noch möglichen Ziele in dieser Saison gemeinsam zu schaffen." Doch wie bei Rose in der vergangenen Rückrunde muss die Borussia für ihre sportlichen Ambitionen nun auf Köpfe bauen, die ab der kommenden Spielzeit an anderer Stelle neue Ziele verfolgen.
Der Borussia und Sportdirektor Eberl droht im Sommer ein großer Umbruch: Verpassen die Fohlen zum zweiten Mal in Serie das internationale Geschäft, werden nach Ginter und Zakaria weitere Abgänge folgen.
Doch der Blick der Borussia geht vor dem Rückrundenauftakt bei Tabellenführer Bayern München erst einmal in Richtung Keller anstatt nach Europa: Denn zwölf Monate nach dem Achtelfinaleinzug in der Champions League heißen Gladbachs Konkurrenten längst nicht mehr Mailand, Donezk oder Madrid, sondern Augsburg, Stuttgart und Bielefeld.
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Quelle: Perform
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