BVB besiegt Bayer Leverkusen, doch Trainer Marco Rose kritisiert die zahlreichen Gegentore

Marco Rose war nach dem spektakulären 4:3 (1:2)-Erfolg seiner Dortmunder gegen Bayer Leverkusen zufrieden. Doch neben den drei Punkten fuhr auch ein nachdenklicher BVB-Trainer zurück nach Dortmund. "Es macht mich sauer, wie viele Gegentore wir bekommen - und in welcher Form", erklärte Rose kurz nach dem Spiel. Eines wollte er seiner Elf aber nicht absprechen: Die Mentalität zurückzuschlagen.

Marco Rose (l.) und Thomas Meunier vom BVB

Fotocredit: Getty Images

Zur Feier des Tages begleitete Marco Rose seine Mannschaft zu deren Jubeleinlage vor dem Gästeblock.
Auf dem Weg dorthin wuschelte Dortmunds Cheftrainer Abwehrkraft Raphael Guerreiro kumpelhaft durchs Haar und redete dabei intensiv auf den 27-jährigen Portugiesen ein.
Die Analyse des wilden Fußball-Spektakels in Leverkusen lief da bereits auf Hochtouren, doch dann musste Rose erst einmal runterkommen. Gemeinsam mit den BVB-Kickern hockte er sich vor der entzückten Anhängerschaft mit ausgestreckten Beinen auf den Hosenboden.
Das obligatorische Zappel-Tanzen, das folgte, ließ der gebürtige Leipziger aber lieber aus - sondern mühte sich stattdessen wieder langsam nach oben.

Offensive Qualität - defensive Ärgernisse

Die wüste Achterbahnfahrt über 98 Minuten in der BayArena, die Dortmund nach dreimaligem Rückstand am Ende 4:3 gewann, hatte Rose körperlich und mental erkennbar geschafft. "Die drei Punkte sind das Wichtigste - in einem sehr, sehr wilden Spiel von zwei sehr guten Mannschaften", holte der Bank-Vorstand der Westfalen deshalb erst mal tief Luft und freute sich darauf, seinen 45. Geburtstag bei einem Abendessen mit seiner Lebensgefährtin und der gemeinsamen Tochter, die beide aus Leipzig angereist waren, deutlich entspannter ausklingen lassen zu können.
Das vorangegangene Duell der beiden Europacupvertreter schmeckte wie ein saftiger Braten - nach dem der siegreiche Gourmet Rose "die offensive Qualität und Mentalität" seiner Mannschaft würdigte. Allerdings erwähnte der Jubilar auch mehrfach sein Missfallen über das allgemeine Defensivverhalten seines Teams, angefangen im Angriff.
"Es macht mich sauer, wie viele Gegentore wir bekommen - und in welcher Form. Wir haben nicht viele Torschüsse zugelassen. Aber die Qualität der Chancen, das war too much", ärgerte er sich und zog zweierlei Schlüsse: "Wir fahren glücklich nach Hause. Aber wir wissen auch, dass wir über ein paar Dinge sprechen müssen."

Reus: "Wilde 90 Minuten"

Die erste Führung für die Werkself durch Florian Wirtz leitete Guerreiro mit einem Fehlpass ein. Vor der zweiten - erzielt durch Patrik Schick - verlor der Ex-Leverkusener Julian Brandt den Ball gegen Kerem Demirbay. "Das waren wilde 90 Minuten, die wir uns so nicht vorgestellt haben", sagte BVB-Kapitän Marco Reus, der in der Vorgeschichte zum entscheidenden siebten Treffer eine Hauptrolle spielte.
Ehe die norwegische Torfabrik Erling Haaland die Schwarz-Gelben vom Elfmeterpunkt aus mit seinem fünften Saisontreffer auf Rang drei hinter Wolfsburg und München schoss, war Reus nach einem - nicht allzu heftigen, aber überflüssigen - Schlag von Bayers Innenverteidiger Odilon Kossounou, der ihm eine blutende Nase bescherte, zu Boden gegangen.
"Der Schiedsrichter hat Interpretationsspielraum, wir akzeptieren das sportlich", erklärte Leverkusens Coach Gerardo Seoane. Sein Kollege Rose äußerte sich noch differenzierter zu dem Strafstoß: "Der Schiedsrichter hat in dieser Szene den Regeln entsprechend gepfiffen. Aber als Fußballfans sehen wir das nicht als Foul, das steht außer Frage. Darüber müsste man nachdenken."

Marco Roses Stolz auf den Mentalitätswandel

Er selbst wird angesichts von neun Gegentoren und dem Start in die Champions League, am Mittwoch bei Besiktas Istanbul, vor allem noch intensivere Gedanken um eine bessere Balance zwischen Defensive und Offensive machen. In bestimmten Situationen, wie etwa bei Ballverlusten, müsse er die Sinne seiner Spieler noch schärfen. Sagt Rose, der aber auch weiß, dass die in Dortmund einst so verhasste Mentalitätsdebatte unter seiner Leitung einen ganz anderen Zungenschlag bekommen hat.
Beim 3:2 gegen Hoffenheim vor gut zwei Wochen konterte der BVB das 2:2 der TSG in der 90. Minute mit Haalands Siegtor in der 91. Minute. Und besonders anschaulich wird der charakterliche Wandel des Teams durch dessen letzte Auftritte in der BayArena: Im Februar 2020 kassierten die Dortmunder dort nach zweimaliger Führung eine 3:4-Niederlage.
Elf Monate später gestatteten sie Leverkusens Jungstar Florian Wirtz zehn Minuten vor Schluss den entscheidenden Treffer zum 2:1. Dieses Mal dagegen bäumten sich die Gäste wieder und wieder auf, klauten den Leverkusenern das Happy End. So dass Übungsleiter Rose bei allem Ärger über die vielen Unaufmerksamkeiten seines Rasenpersonals bei der Abfahrt aus dem Rheinland sagen konnte: "Ich bin megastolz auf die Mentalität meiner Mannschaft."
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4:3 in Leverkusen: Rose trotz Sieg mit seinem BVB-Team unzufrieden

Quelle: Perform

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