Borussia Dortmund hat am Sonntag in der Liga für das nächste Spektakel gesorgt. Acht Tage nach dem 4:3-Erfolg gegen Bayer Leverkusen hieß es diesmal 4:2 (2:0) gegen Union Berlin.
Abgesehen von vielen Toren gab es weitere Parallelen zum Leverkusen-Spiel. Positiv: Erling Haaland traf erneut per Kopf. Offenbar ist der Norweger gerade dabei, aus einer Schwäche eine Stärke zu machen.
Negativ: Die Mannschaft wackelte wieder und leistete sich nach dem 3:0 unerklärliche Fehler, die Union zurück ins Spiel brachten.
Bundesliga
Willensleistung in Unterzahl: Bayer ringt Stuttgart nieder
19/09/2021 AM 15:26
Ein Union, das vor allem in der ersten Halbzeit sichtlich vom ungewohnten Drei-Tages-Rhythmus durch das Conference-League-Spiel unter der Woche gezeichnet war.
Drei Dinge, die beim 4:2 zwischen Borussia Dortmund und Union Berlin auffielen.

1. Haaland merzt seine letzte Schwäche aus

Dass Erling Haaland ein Weltklasse-Stürmer ist, daran besteht schon seit längerem kein Zweifel. Dazu reicht allein der Blick auf seine Torquote beim BVB: Inklusive seines heutigen Doppelpacks gegen Union gelangen ihm in 67 Spielen für Dortmund 68 Tore. In dieser Saison sind es gar elf Treffer in acht Partien.
Doch Trainer Marco Rose betonte zuletzt immer wieder, dass er bei der norwegischen Tormaschine vor allem in einem Bereich noch viel Entwicklungspotenzial sehe: dem Kopfballspiel.
Umso bemerkenswerter ist daher, wie Haaland am Sonntag das 2:0 markierte: Er tat es per Kopf, indem er zwei Gegenspieler im Strafraum übersprang. Es war bereits das zweite Kopfballtor des 21-Jährigen binnen einer Woche. Schon gegen Bayer Leverkusen erzielte er auf diese Weise seinen ersten Treffer.
Haaland scheint immer mehr auch zum Kopfballmonster zu werden. Dies kommt jedoch nicht über Nacht, sondern ist das Ergebnis harter Arbeit, wie Mats Hummels nach dem Spiel bei "DAZN" verriet: "Seitdem er hier war, hat er es viel geübt. Als er aus Salzburg hergekommen ist, hat er wirklich ein ganz, ganz schwaches Kopfballspiel gehabt. Das kann man so sagen. Letztes Jahr waren Edin (Terzic, Anm. d. Red.), Erling und ich ganz oft beim Flanken und haben es trainiert und trainiert. Jetzt sieht man, was man dafür kriegt."
Schon jetzt macht sich das Training bezahlt und laut Hummels dürfte die Ernte im weiteren Saisonverlauf noch deutlich höher ausfallen: "Dadurch, dass er sein Kopfballspiel so verbessert hat, kriegt er jetzt nochmal einfach bestimmt zehn Saisontore mehr", prognostizierte der Verteidiger und lobte die Arbeitsmoral seines Teamkollegen: "Er hat viele Stärken und arbeitet sogar an seinen Schwächen."
Für die nächsten Gegner des BVB dürfte dies wie eine Drohung klingen.

2. BVB-Spektakel, aber ...

"An Schwächen arbeiten" ist auch ein gutes Motto für Haalands Mitspieler. Denn so gut es vorne lief, hinten offenbarte der BVB auch gegen Union einige Unzulänglichkeiten - oder besser gesagt: Unkonzentriertheiten. Denn bis zum 3:0 in der 52. Minute sah alles nach einem klaren Dortmunder Erfolg aus. Union hatte bis auf ein ganz frühes Tor von Taiwo Awoniyi, welches zurecht wegen Abseits nicht gegeben wurde (1.), kaum eine echte Torchance.
Nach dem 3:0 per Eigentor durch Marvin Friedrich schienen die Gäste aus der Hauptstadt erledigt. Doch nur fünf Minuten später stand es plötzlich 1:3. Max Kruse verwandelte einen Foulelfmeter, nachdem Axel Witsel Kevin Behrens am Fünfmeterraum am Fuß erwischt hatte. Entstanden war die elfmeterwürdige Situation, weil Thomas Meunier auf außen eine Flanke zuließ und Ryerson in der Mitte aufs Tor köpfen konnte. Kobel konnte aus kurzer Distanz nur abklatschen lassen, Behrens ging hinterher und wurde dabei von Witsel getroffen.
In der Folge wurde Union offensiv wieder mutiger und zwang die Hausherren zu Fehlern. Teuchert luchste Witsel den Ball in der gegnerischen Hälfte ab und flankte letztlich erfolglos in die Mitte. Kurze Zeit später hatte Ryerson rechts im Strafraum viel Platz, um Kobel zu prüfen (66.). Auf einmal waren die Köpenicker dem Anschlusstreffer näher, als der BVB dem vierten Treffer.
Und so kam es wie es kommen musste: Nach einer Ecke gewann Andreas Voglsammer das Kopfballduell gegen Meunier und wuchtete das Leder in die Maschen (81.). Plötzlich drohte dem BVB eine knifflige Schlussphase. Diese gab es nur deshalb nicht, weil Haaland mit einem spektakulären Kunstschuss im Fallen in der 83. Minute direkt das 4:2 erzielte.

Union hofft nach 0:3 plötzlich wieder auf einen Punkt in Dortmund: Andreas Voglsammer (vorne) bejubelt seinen Treffer zum 2:3-Anschlusstreffer

Fotocredit: Getty Images

Dies konnte über die schwächere Phase zuvor jedoch nicht hinwegtäuschen. Dessen waren sich auf die Dortmunder bewusst. Angesprochen auf die eigentlich perfekte Woche mit drei Siegen sagte Kapitän Marco Reus bei "DAZN": "Von der Punkteausbeute her auf jeden Fall. Aber wir haben es uns wieder unnötig schwer gemacht heute. Wir sind 3:0 vorne, dann kriegen wir mal wieder ein dummes Gegentor und ein dummes Standardgegentor. Daran müssen wir schleunigst arbeiten. Weil so bringen wir uns immer um den großen Lohn und die Arbeit, die wir vor allem in den ersten 60 bis 70 Minuten investieren."
Und weiter: "Auf Dauer kannst du das nicht durchhalten. Du bringst dich dann zu früh um den Lohn. Du investierst unheimlich viel, was auch normal ist, aber wir dürfen nicht so einfach die Tore herschenken. Da müssen wir viel cleverer sein und erwachsener spielen. Und einfach bei Standardsituation besser verteidigen. Das ist schon unerklärlich, Wir werden und müssen uns auf jeden Fall unterhalten."
Hummels fand ähnliche Worte und sprach von einem "Muster": "Ich finde, unser Problem liegt da tatsächlich mit dem Ball. Wir müssen den Gegner dann mit dem Ball tot spielen, wir müssen die Räume besser besetzen. Wir verlieren zu einfache Bälle und bringen so den Gegner wieder ins Spiel, der eigentlich gar nicht mehr wollte. Nach dem 3:0 waren eigentlich die Dinge klar, Union hatte akzeptiert, dass sie heute verlieren. Und dann bringen wir sie wieder rein, weil wir ein bisschen unseriös und nicht erfolgsorientiert Fußball spielen."
Trainer Rose ärgerte sich über die Fehler auch im Hinblick auf die weitere Saison: "Das ist natürlich unnötig, weil wir haben viele Spiele in der Saison und brauchen die Körner eigentlich. Das kostet natürlich auch Energie und die werden wir nicht ímmer so aufbringen können."

3. Union leidet unter dem Europapokal

Viele Spiele in der Saison hat in dieser Spielzeit auch Union Berlin. Dank Tabellenplatz sieben in der Vorsaison und erfolgreichen Playoffs tanzt auch die Mannschaft von Urs Fischer auf drei Hochzeiten. Was für den BVB allerdings normal ist, ist für die Unioner komplettes Neuland. Das merkte man am Sonntag.
Drei Tage nach der Conference-League-Partie bei Slavia Prag (1:3), die die Berliner zudem über 50 Minuten in Unterzahl spielen mussten, fehlte den Gästen vor allem in Hälfte eins die Kraft, um dem BVB gefährlich zu werden.
Union-Torwart Andreas Luthe gab angesprochen auf mögliche "Prager Beine" zu: "Ja, wir sind sehr schwer reingekommen. Wir haben eigentlich keine Sicherheit im eigenen Spiel gehabt, was uns mittlerweile auch auszeichnet. Da haben wir sicherlich eine Zeit lang gebraucht. Als wir dann im Spiel drin waren, war es auch besser."
Zu diesem Zeitpunkt lag Berlin aber schon 0:3 zurück. Und dann ist gegen jeden Gegner sehr schwer zurückzukommen, erst recht gegen eine Spitzenmannschaft wie Borussia Dortmund, die es zudem gewohnt ist, drei Spiele innerhalb einer Woche zu bestreiten.
Union befindet sich diesbezüglich erst noch in der Findungsphase. "Rhythmus ist Gewohnheitssache. Wir machen das zum ersten Mal, aber ich denke in der zweiten Halbzeit hat man davon nichts gesehen. Wir haben noch Körner und haben nach vorne gespielt. Wir müssen uns dran gewöhnen, aber wir werden uns dran gewöhnen", so Eigentor-Schütze Marvin Friedrich.

Marvin Friedrich (l.) im Zweikampf mit Mo Dahoud

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Das Phänomen, dass Teams, die sich überraschend für den Europapokal qualifiziert haben, in der Folgesaison aufgrund der Dreifachbelastung straucheln, ist nicht neu. Ein Beispiel ist der 1. FC Köln, der sich 2016/2017 nach einer famosen Saison mit Rang fünf das Ticket für die Europa League sicherte, die Spielzeit darauf allerdings dem ungewohnten Rhythmus nicht standhielt und schließlich abstieg.
Von solch einem Fall scheint Union Berlin momentan noch weit entfernt, die Niederlage in Dortmund war überhaupt erst die erste Liga-Pleite der Saison. Dennoch sollten die Köpenicker gewarnt sein.
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