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Der LIGAstheniker: 1. FC Köln in der Königsklasse? Die Champions League wird zur Champions-Lüge
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Publiziert 25/04/2022 um 11:37 GMT+2 Uhr
An der Tabellenspitze ist längst alles entschieden, dafür verspricht der Kampf um die zwei verbleibenden Champions-League-Plätze Spannung. Klubs wie Köln und Freiburg, die normalerweise im Mittelfeld des Tableaus auftauchen, dürfen sich Hoffnungen auf eine Teilnahme auf der großen Bühne machen. Ein Fußball-Märchen? Der LIGAstheniker hofft bei aller Liebe: Keine Mittelklasse in der Königsklasse!
Köln-Trainer Steffen Baumgart
Fotocredit: Imago
Liebe FußballfreundInnen,
Wenn man in der Bundesliga nach einem Wettbewerb auf Augenhöhe sucht, dann sucht man schon lange nicht mehr an der Tabellenspitze – siehe die zehnte (vorzeitige) Meisterschaft des FC Bayern in Folge vom Wochenende – sondern ein wenig dahinter.
Dort passiert dann das, was Fan unter Wettbewerb versteht, unter einem offenen Rennen. Der bundesdeutsche Run auf die Teilnahme an der UEFA Champions League ist in der Tat groß wie selten zuvor. Zwischen Platz drei (Leverkusen) und Platz sieben (Köln) können sich noch alle (Der Rest heißt: Leipzig, Union Berlin, Freiburg) für die CL qualifizieren.
Die Losung lautet 2 aus 5 (für die Tabellenplätze 3 und 4), zwei weitere werden in die Europa League abgeschoben, nur der Tabellensiebte geht leer aus.
Zwei aus Fünf: Wer schafft die CL?
Der 31. Spieltag hat das Rennen noch einmal spannender gemacht: Leipzig verliert überraschend zuhause und kurz vor Schluss und anders als im DFB-Pokal gegen Union Berlin und Leverkusen zieht in der Tabelle vorbei, Köln holt auf weil auch Freiburg patzt, zwischen dem Dritten und dem Siebten liegen nur sechs Punkte. Freiburg hat es jetzt selbst in der Hand, spielt noch gegen Union und Leverkusen, Köln das vielleicht leichteste Restprogramm. Nur: Freiburg oder Köln in der Königsklasse - ernsthaft?
Die Champions League ist das Goldschnitzel im europäischen Fußball, die hochverzinste Geldpolitik der europäischen Fußballzentralbank UEFA. Dass da jeder rein will, ist ja verständlich. Über 15 Millionen Euro für die Qualifikation für die Gruppenphase, fast eine Million Euro für jeden erspielten Punkt (ganz korrekt: 930.000), insgesamt über zwei Milliarden Euro für 32 Klubs.
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Quelle: Perform
Ein besseres Konjunkturprogramm gibt es im internationalen Sport, zumindest in Europa, nicht mehr. Wer einmal dabei war, der ist danach ein anderer, einfach weil er feststellt, dass er sich plötzlich ganz andere Spieler leisten kann oder die, die er schon unter Vertrag hat, plötzlich besser entlohnt werden wollen.
Einmal dabei ändert es die ganze Statik gerade solcher Klubs, die – Stichworte: Stadion, Spieler, Sponsoren, Solidität - für die Champions League gar nicht gebaut sind. Heuer mal Champions League und nächstes Jahr wieder gegen den Abstieg, eine solche Amplitude zerreißt die allermeisten Klubs - nachzufragen auf Schalke, in Bremen oder beim HSV.
Deutsche Outlaws
Also nochmal: Was hätten Köln, Union Berlin oder Freiburg in der CL zu suchen? Tolle, rustikale, solide Fußballmannschaften, klar, sicherlich, für die nationale Bundesliga, aber doch nicht für den roten Teppich der ganz großen Show?
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SC Freiburg
Fotocredit: Getty Images
Nochmal: Es geht mir gar nicht darum, #Kölnunionfreiburg schlechtzureden. Ich liebe es, wie "ehrlich" und haltungsfest sie sich das Spiel erarbeiten und den Erfolg erspielen, das ist großartig anzusehen, aber sollen sie wirklich verdorben werden durch einen Wettbewerb, der durch seine raffsüchtige Geldpolitik die Zwei- oder Dreiklassengesellschaft im europäischen Profifußball erst geschaffen hat und jetzt darunter leidet, dass immer dieselben vier, fünf Klubs gewinnen?
Daran werden auch die deutschen Outlaws #Kölnunionfreiburg nichts ändern, international ohne jede Erfahrung, ohne die nötige Kaderbreite am Ende einfach nur Kanonenfutter.
Mittelklasse in der Königsklasse?
Die Frage ist vielleicht auch: Wie kann es sein, dass ein durch und durch mittelklassiger Klub wie Köln hierzulande um die Königsklasse mitspielen kann? Und was sagt das über die Bundesliga und Ihre Qualitäten in der oberen Tabellenhälfte aus?
Wenn zwischen dem Tabellenersten und -zweiten 12 Punkte klaffen, dann kann man von einem Klassenunterschied sprechen, der sich im Verhältnis zu denjenigen Klubs, die dahinterkommen, sich noch ein weiteres Mal auftut. Zwischen den Bayern und CL-Aspirant Köln liegen 26 Punkte (in Worten: sechsundzwanzig).
Champions League oder Lüge?
Die CL-Frage ist ein Spannungsmoment einer zunehmend von sich selbst gelangweilten Bundesliga, immerhin, das ist nicht wenig; ein finanziell attraktives Zuschussprogramm für ambitionierte Spitzenklubs und solche, die es mit Hilfe von Investoren werden können (man denke an Leipzig oder wenn irgendwann Ostern auf Weihnachten fällt, also in einem anderen Fußballleben, Hertha BSC), die können das Risiko abfedern.
Die CL ist eben kein Wettbewerb, der für einen Großteil der wirtschaftlich gut geführten deutschen Mittelstandsklubs sportlich Sinn macht. Das glauben selbst die betreffenden #Kölnunionfreiburg nicht, die dennoch, wer möchte es ihnen verdenken, die Erfahrung und die Kohle gerne mitnehmen wollen und die Fliehkräfte konsequent ausklammern.
Diese Champions League ist für unsere Spitzenklübchen aus der zweiten Reihe wohl vor allem eines: eine Champions-Lüge.
Zur Person Thilo Komma-Pöllath:
Der Sportjournalist und Buchautor ("Die Akte Hoeneß") beleuchtet in seinem wöchentlichen Blog "Der LIGAstheniker" das Geschehen in der Fußball-Bundesliga für Eurosport.de. Oft skeptisch, ironisch, kritisch - aber einer muss schließlich den Ball flach halten.
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Quelle: Perform
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