Drei Dinge, die bei Bayern gegen Mainz auffielen: Nagelsmanns Weckruf - Musiala wird erwachsen

Der FC Bayern mühte sich am Samstagnachmittag gegen giftige Mainzer zu einem 2:1-Arbeitssieg. Die erste Halbzeit offenbarte dabei allerdings einmal mehr Unzulänglichkeiten in der Defensive. Julian Nagelsmanns Weckruf trug Früchte und bescherte ihm ein Jubiläum und einen Rekord – auch, weil ein Youngster seinem Talent-Status mittlerweile entwachsen ist. Drei Dinge, die auffielen.

Der FC Bayern gewann gegen Mainz 2:1

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Moral gezeigt, Arbeitssieg eingetütet, während Verfolger Borussia Dortmund in Bochum Federn ließ. Beim FC Bayern, der dem BVB mittlerweile auf sechs Punkte enteilt ist, herrschte nach dem 2:1 gegen Mainz 05 eine gelöste Vorweihnachtsstimmung.
Insbesondere, weil nach einer enttäuschenden ersten Halbzeit gegen starke Rheinhessen der viel zitierte Schalter umgelegt wurde und eine klare Leistungssteigerung auszumachen war. Kingsley Coman (53.) und Jamal Musiala (74.) drehten die umkämpfte Partie zugunsten der Münchner.
Ein erfreulicher Nebeneffekt aus Bayern-Sicht: Trainer Julian Nagelsmann durfte sich über ein Jubiläum und einen damit verbundenen Bundesliga-Rekord freuen, außerdem stellte Youngster Musiala unter Beweis, dass er auch in ungewohnter Rolle schon jetzt mit reichlich Reife aufwartet.
Andererseits legte der Gegner am Samstagnachmittag einmal mehr schonungslos offen, dass beim Dauerdominator aus dem Süden längst nicht alles rund läuft. Drei Dinge, die auffielen.

1. Nagelsmann: Weckruf, Jubiläum, Rekord

Nagelsmann grinste breit, als er auf das Ergebnis aus Bochum angesprochen wurde. Trotz zahlreicher Chancen hatte Dortmund im kleinen Revierderby nur 1:1 gespielt. Was dies denn nun bedeute, wurde er am "Sky"-Mikrofon gefragt. "Wir sind jetzt sechs Punkte vorne, anstatt nur vier. Das bedeutet das. Das heißt viel Gutes, wenn wir die Leistung am Dienstag gegen Stuttgart bestätigen", erklärte er.
Nicht der einzige Grund zur Freude: Der Dreier war gleichzeitig Nagelsmanns 100. Bundesliga-Sieg als Trainer. Ein kleines Jubiläum, das ihm sogar einen Eintrag im Geschichtsbuch der deutschen Beletage sicherte. Nagelsmann (34 Jahre und 141 Tage) ist der mit Abstand jüngste Coach, der diese Marke erreichte. Bislang hielt Erich Ribbeck den Rekord mit 38 Jahren und 147 Tagen vor Christoph Daum (38 Jahre und 316 Tage).
Dass es mit dem Jubiläums-Triumph klappte, dürfte auch daran gelegen haben, dass Nagelsmann in der Halbzeit die richtigen Worte an sein Team gerichtet hatte. Im ersten Durchgang zeigten sich seine Schützlinge über weite Strecken ideenlos und nervös.
"Der Sieg war mühsam, weil es Mainz gut macht dieses Jahr", sagte Nagelsmann im Nachgang. Er führte aus: "Wir haben gut begonnen, ich hatte ein super Gefühl – auf einmal war es weg und wir haben sehr träge gespielt." Nach dem Seitenwechsel sei die Mannschaft allerdings "richtig scharf" gewesen und habe "richtig Power gemacht." Der Rückstand zur Pause sei indes "eher eigenverschuldet" gewesen.

2. Starke Mainzer decken Bayern-Schwächen auf

Nagelsmanns Analyse und die Theorie der Eigenverschuldung war nur teilweise nachvollziehbar. In erster Linie waren nämlich die Gäste dafür verantwortlich, dass die Münchner in Halbzeit eins ordentlich ins Straucheln gerieten.
Mainz presste diszipliniert, ohne die eigene Restverteidigung und Konterabsicherung zu vernachlässigen. Aufgrund des stetigen Drucks verbuchte die Mannschaft von Trainer Bo Svensson regelmäßig Ballgewinne in des Gegners Hälfte und erspielte sich immer wieder aussichtsreiche Abschlusspositionen.
Vier Schüsse aufs Tor standen nach 45 Minuten zu Buche, Bayern brachte lediglich drei zustande. Auch in puncto Zweikampfbilanz hatten die Mainzer die Nase vorn (28:26). Die Herangehensweise offenbarte darüber hinaus die größten Unzulänglichkeit des FCB dieser Tage. Wenn ein Gegner aggressiv und gut geordnet anläuft, hat die Hintermannschaft mit reichlich Problemen zu kämpfen.
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FC Bayern - FSV Mainz 05

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Die Mainzer Meriten: Bayern-Fehlpässe im Spielaufbau, hektische Klärungsversuche, Verunsicherung. Thomas Müller honorierte die mutige Marschroute des Kontrahenten: "Mainz ist sowieso top, in dem, was sie machen", lobte der Nationalspieler. "Sie waren auf unsere Rochaden vorbereitet und waren sehr aggressiv."
Umso ärgerlicher für die Nullfünfer, dass es nur für eine ansprechende Halbzeit reichte. "Wir haben es nicht geschafft, das Tempo und den Druck über das ganze Spiel aufrechtzuhalten", ärgerte sich Mainz-Torschütze Karim Onisiwo. "Wir haben eine gute erste Hälfte gespielt und versucht, das im zweiten Durchgang zu wiederholen. Das ist uns nicht gelungen."
Svensson haderte ebenfalls: "Wir haben in der ersten Halbzeit ein sehr gutes Spiel gemacht, genau nach Plan. In der zweiten fangen wir nicht so gut an, haben drei, vier unglückliche Aktionen und kriegen Gegentore, die du nicht kriegen darfst, wenn du hier was holen willst."

3. Jamal Musiala: Bambi wird erwachsen

Joshua Kimmich (Infiltration in der Lunge) und Leon Goretzka (Probleme mit der Patellasehne), die etatmäßige Doppelsechs, stand Nagelsmann gegen Mainz erneut nicht zur Verfügung, Vertreter Marcel Sabitzer fehlt derzeit aufgrund einer Wadenverletzung.
Seit Kimmichs Ausfall macht Corentin Tolisso seine Sache ordentlich, die vakante Goretzka-Stelle besetzte am Samstag Musiala, der bereits unter Woche gegen Barcelona (3:0) im defensiven Mittelfeld ausgeholfen und sogar ein Tor erzielt hatte. Eigentlich nicht die Paradeposition des 18-Jährigen, Musiala ist eigentlich weiter vorne beheimatet.
Nagelsmann hatte den Youngster – auch mangels Alternativen – im Training in defensiverer Rolle getestet – und sich nach dem Sieg über Barça zufrieden gezeigt. "Er hat es gut gemacht, war defensiv fleißig, auch immer anspielbar, hat ein Tor gemacht. Er hat ein gutes Spiel gemacht."
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Jamal Musiala (l.) erzielte gegen Mainz das 2:1

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Gegen Mainz untermauerte der gebürtige Stuttgarter abermals, dass er seiner Aufgabe gewachsen ist. Musiala glänzte gleichermaßen als Arbeiter und Schöngeist, erzielte in technisch anspruchsvoller Manier den entscheidenden Treffer.
Musiala erweitert derzeit sein Positions-Portfolio, wird noch variabler und reifer. Von seinen Teamkollegen wurde ihm aufgrund seines Alters, seines schüchternen Auftretens und seiner grazilen Statur der Spitzname "Bambi", in Anlehnung an das berühmte Rehkitz aus dem gleichnamigen Disney-Film, verliehen.
Offensichtlich müssen sich die Bayern-Stars künftig einen neuen Beinamen für Musiala ausdenken. "Er hat den Bambi-Status verlassen", sagte Nagelsmann und führte aus: "Irgendwann wächst man aus dem Talent-Status heraus. Er soll sich das Straßenfußballer-Gen beibehalten und muss kein Gennaro Gattuso werden. Defensiv geht es einfach um Verlässlichkeit."
Kurz gesagt: Bambi ist erwachsen geworden.
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Nagelsmann mit Rat an "Bambi" Musiala: "Kein Gattuso werden"

Quelle: Perform

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