Drei Dinge, die bei FC Augsburg gegen FC Bayern auffielen: Sabitzer verpasst große Chance
Publiziert 19/11/2021 um 23:44 GMT+1 Uhr
Der FC Bayern hat beim FC Augsburg am 12. Spieltag überraschend seine zweite Bundesliga-Niederlage in dieser Saison kassiert. Beim FCA gab es nach einer schwachen Leistung des Rekordmeisters ein 1:2 (1:2). Ohne Joshua Kimmich (in Quarantäne) fehlte es an Substanz. Es schien, als sei die turbulente Woche nicht spurlos am FCB vorübergegangen. Der Außenseiter hatte indes einen gefährlichen Plan.
Marcel Sabitzer - FC Bayern
Fotocredit: Imago
Julian Nagelsmann schrie und trieb seine Spieler immer wieder an - es half nichts: Nach dem erneuten Corona-Wirbel um Joshua Kimmich hat ein einfallsloser FC Bayern ein ernüchterndes 1:2 (1:2) beim FC Augsburg kassiert und wertvolle Zähler im Meisterkampf verspielt.
Verfolger Borussia Dortmund kann am Samstag auf einen Punkt an die Münchner heranrücken.
Mads Pedersen brachte den FCA in der 23. Minute überraschend in Führung, André Hahn erhöhte in der 35. Minute sogar auf 2:0. Robert Lewandowski traf für Bayern (38.). Augsburg feierte den sensationellen Sieg zu "Oh, wie ist das schön"-Gesängen des Publikums ausgelassen - schließlich setzten die bayerischen Schwaben im Abstiegskampf mit dem ersten Erfolg gegen die Münchner seit sechseinhalb Jahren ein dickes Ausrufezeichen.
Drei Dinge, die uns auffielen.
1. Mehr "Scheißdreck" geht nicht
Der ehemalige Bayern-Präsident Uli Hoeneß schimpfte gerne mit dieser deftigen Vokabel: "Scheißdreck!" Nach dem Schlusspfiff am Freitagabend, nach dem enttäuschenden 1:2 des FC Bayern gegen den FC Augsburg zum Auftakt des 12. Bundesliga-Spieltags, wird ihm dieser Fluch höchstwahrscheinlich wieder über die Lippen gekommen sein. Und als Bayern-Fan war er damit nicht alleine.
Es war die negative Krönung einer verkorksten Woche an der Säbener Straße. Erfolgsgarant und Mentalitätsmonster Kimmich in der Quarantäne, ohnehin Wirbel ohne Ende um Corona, dazu ein nerviges, schnelles Augsburg, ein Schiedsrichter, der viel laufen ließ und noch die Müdigkeit, Verunsicherung und Einfallslosigkeit in der Offensive.
"Solche Tage gibt es einfach", seufzte Kapitän Manuel Neuer und ergänzte: "Wir müssen gegen so eine Mannschaft gewinnen. Aber wir hatten zu wenig Mut im Spiel nach vorne und haben uns zu wenig Chancen erspielt. Das macht mir Sorgen."
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Thomas Müller (FC Bayern München)
Fotocredit: Getty Images
Thomas Müller fügte an: "Wir haben den Sieg nicht verdient, waren im letzten Drittel zu unsauber. Die erste Halbzeit war schlecht, einfach schlecht. Für uns ist das ein bitterer Rückschlag. Wir waren zu nachlässig und wurden zwei Mal nach Ballverlust in der Vorwärtsbewegung bestraft."
Die Bayern waren allesamt mächtig angefressen, vor allem Trainer Julian Nagelsmann: "Der Gegner hatte keine brillanten Momente und macht trotzdem zwei Tore. Wir haben eine Baustelle: Wir bekommen zu viele Gegentore auf eine zu einfache Art. Daran müssen wir arbeiten." Überraschend oft trafen seine Spieler in der Offensive die falsche Entscheidung. Flanken kamen zu früh, eingedribbelt in den Strafraum wurde zu wenig.
Durch die Niederlage wird es vorne wieder eng, der BVB kann mit einem Sieg gegen den VfB Stuttgart bis auf einen Zähler heranrücken (zur Tabelle). Für den FC Bayern bietet sich am Dienstag gegen Dynamo Kiew (18:45 Uhr im Liveticker) die Chance zur schnellen Rehabilitierung.
2. Sabitzer verpasst große Chance
Joshua Kimmich, der zurzeit in Quarantäne ist, gehört auf seiner strategisch wichtigen Position in der Zentrale zur absoluten Weltklasse. Dass dem Bayern-Mittelfeld etwas Entscheidendes fehlt, wenn er wie gegen Augsburg nicht dabei ist, ist keine allzu überraschende Erkenntnis.
Allerdings hat der FCB auch Alternativen der Extraklasse. Marcel Sabitzer, Neuzugang von RB Leipzig, hat in dieser Saison bislang noch wenig Chancen bekommen, sich von Beginn an zu präsentieren. Gegen den FCA war durch Kimmichs Fehlen eine da. Nach Sabitzers Auswechslung in der 52. Minute (für ihn kam Musiala) stand jedoch fest: Der 27-Jährige hatte sie ungenutzt liegen lassen.
Er wirkte nervös, fahrig, sogar überfordert. Seine Pässe im Spielaufbau waren ungenau. Er sah sowohl beim 0:1 (verlor Torschütze Pedersen aus den Augen) als auch beim zweiten Gegentor (leistete sich einen unglücklichen Ballverlust) alles andere als gut aus.
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Marcel Sabitzer (l.) lässt sich den Ball von Niklas Dorsch abnehmen
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"Wir hatten unfassbar viel Platz im Sechser-Raum, aber haben zu oft unnötig zurückgespielt statt nach vorne", kritisierte Trainer Julian Nagelsmann. Es war ein klarer Vorwurf an Sabitzer. Nagelsmann weiß auch: "In Sabi steckt viel mehr als wir aktuell sehen."
Vor allem in der Entstehung des Kopfball-Gegentreffers von Hahn wurde klar, wo der größte Unterschied zu Kimmich liegt. Dieser ist für seine enorme Ballsicherheit bekannt. Nicht ohne Grund witzelte Diego Simeone, Trainer von Atlético Madrid, zuletzt: "Er verliert den Ball nur, wenn er ihn seinem Sohn zum Spielen gibt."
Sabitzer muss sich künftig kräftig steigern, um seinen Wert für den FC Bayern unter Beweis zu stellen. Das Potenzial hat er, seine Rolle in München sucht er noch.
3. Ziemlich ekelig, aber effektiv: Weinzierls Plan geht auf
Es war ein großer Vorteil, dass der FCA sich in der Länderspielpause nahezu mit komplettem Kader auf die Partie vorbereiten konnte. Und das klare Außenseiter-Team von Trainer Markus Weinzierl nahm das Duell mit dem Tabellenführer an wie ein Pokalfinale. Der Plan war so simpel wie gefährlich für Bayern: Die ersten 15 Minuten mit kompakter Defensive überstehen, dann auf Umschaltspiel setzen und die Chancen nutzen.
Die Mittel, die Augsburg wählte, waren dabei ziemlich ekelig, aber letztlich effektiv. Robuste Zweikampfführung, kleine Fouls, Laufbereitschaft gemischt mit der einen oder anderen verbalen Provokation (Hahn gegen Hernández) brachten die müde wirkenden Bayern in die Bredouille. Bei den Abschlüssen gab es zudem die erhoffte Präzision.
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André Hahn fand es "grandios".
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"Es fühlt sich grandios an. Wir haben uns gut verkauft und konnten uns und den Fans etwas Gutes tun", schwärmte Hahn. Iago und Pedersen stachen auf der linken Seite aus einer außergewöhnlichen Teamleistung noch heraus. Das dynamische Duo bekam Benjamin Pavard nie in den Griff. Auch im zweiten Abschnitt überzeugte der FCA mit einer geschlossen guten Defensivleistung, selbst als die Bayern mit Lewandowski und Eric-Maxim Choupo-Moting zwei echte Stürmer auf dem Rasen hatten.
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Augsburg-Trainer Markus Weinzierl feiert den Sieg gegen den FC Bayern.
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Weinzierl reagierte mit seinen Hereinnahmen von Moravek, Gruezo und Framberger und der Umstellung auf eine Fünferkette gut auf die aggressiveren Bayern. "Wir haben in der ersten Halbzeit sehr, sehr gut gespielt. Wir haben es mit viel Willen verteidigt und verdient gewonnen", bilanzierte der Coach. Der Sieg geht auch zu einem Großteil auf sein Konto. Mit seinem insgesamt dritten Sieg als Trainer gegen die Münchner ist er nun zum "Bayern-Schreck" geworden.
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Quelle: Eurosport
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