FC Bayern München - Real Madrid lockt Leistungsträger auf Abruf: Corentin Tolisso betreibt Eigenwerbung

Corentin Tolisso wechselte 2017 für die damalige Rekordsumme von 41,5 Millionen Euro zum FC Bayern. Zu einem unumstrittenen Stammspieler mauserte er sich seither nicht, was auch an etlichen Verletzungen lag. Dieser Tage zeigt er, dass er durchaus in der Lage ist, eine tragende Rolle einzunehmen. Die Münchner täten gut daran, ihn zu halten – aber die Konkurrenz wittert bereits ein Schnäppchen.

Corentin Tolisso machte in Berlin ein starkes Spiel

Fotocredit: Getty Images

Immer wenn die Annahme sich verfestigte, dass Corentin Tolisso zu einem Leistungsträger beim FC Bayern avancieren könnte, schlug das Schicksal dem Franzosen ein trauriges Schnippchen. Satte 87 Pflichtspiele verpasste Tolisso verletzungsbedingt seit seinem Wechsel von Olympique Lyon im Sommer 2017. Zum Vergleich: Wettbewerbsübergreifend stehen lediglich 111 Partien nach viereinhalb Jahren zu Buche.
Die ständigen Ausfallzeiten brachten den mittlerweile 27-Jährigen immer wieder aus der Bahn, es war nahezu unmöglich, dass er sich beim deutschen Rekordmeister etablieren konnte. Wenn er wieder fit wurde, sah Tolisso sich mit hochwertiger Konkurrenz konfrontiert, Dauerbrenner Joshua Kimmich etwa, der traditionell nur selten mit Verletzungen zu kämpfen hat. Oder Leon Goretzka, der in den vergangenen beiden Jahren noch einmal einen erheblichen Entwicklungsschritt nach vorne gemacht hat, wurden Tolisso stets vorgezogen.
Im vergangenen Sommer legten die Bayern auf dem Transfermarkt noch einmal nach, verpflichteten in Marcel Sabitzer von RB Leipzig einen weiteren Konkurrenten, der vermeintlich in der Hierarchie der zentralen Mittelfeldspieler vor Tolisso rückte. Wenig zufriedenstellende Aussichten für einen Spieler, der allein ob seiner fußballerischen Qualitäten den Anspruch stellen dürfte, regelmäßig auf dem Platz zu stehen.
Entsprechend machten seinerzeit Meldungen die Runde, wonach Tolisso geneigt gewesen sei, den Verein zu verlassen, Bayern hätte im Vorfeld der neuen Saison immerhin noch eine zufriedenstellende Ablösesumme für Tolisso, dessen Vertrag noch bis Juni 2022 gültig ist, generieren können. Obwohl der FCB dem Weltmeister von 2018 wohl keine Steine in den Weg gelegt hätte, kam es nicht zu einem Abgang, der "kicker" schrieb im August, es gebe schlicht "keinen Markt" für Tolisso.

Tolisso profitiert von Kimmich- und Goretzka-Ausfall

Die Spielzeit 2021/22 knüpfte nahtlos an die bisherige Bayern-Zeit des Strategen an, zwischen Mitte September und Ende Oktober verpasste er aufgrund von Wadenproblemen vier Bundesliga-Partien, im Anschluss reichte es zumeist nur für Kurzeinsätze. Kein Wunder also, dass neuerliche Wechsel-Spekulationen die Runde machten, ein Abgang im Winter und die letzte Chance auf Einnahmen – damals kein unrealistisches Szenario.
Doch Mitte November nahm eine mögliche Wende ihren Anfang. Weil Kimmich zunächst aufgrund einer längeren Quarantäne und später wegen einer Corona-Infektion wochenlang passen musste, Goretzka seit Anfang Dezember an Knie-Problemen laborierte, die ihn bis dato zurückwerfen und Sabitzer sich bislang nicht als die erhoffte Verstärkung entpuppte, war Tolisso unverhofft gefordert. Er lieferte. Besonders in den jüngsten Bundesliga-Begegnungen.
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Corentin Tolisso vom FC Bayern

Fotocredit: Getty Images

Beim 0:4 in Köln steuerte Tolisso einen Treffer bei, gewann 60 Prozent seiner direkten Duelle und verbuchte die meisten Tacklings aufseiten der Bayern, eine Woche später, im Duell mit Hertha BSC (4:1), tauchte er früh im gegnerischen Strafraum auf und versenkte eine Hereingabe von der rechten Seite mit dem Innenrist. Machte der VAR ihm dabei noch wegen Abseitsstellung einen Strich durch die Rechnung, traf Tolisso wenige Minuten erneut aus Mittelstürmer-Position. Diesmal per Kopf, diesmal regelkonform.

Lob von Nagelsmann und Kahn

Die langjährige Teilzeit-Kraft stand plötzlich im Mittelpunkt und wusste auch neben der Untermauerung seiner Torjäger-Qualitäten zu überzeugen. Unter Neu-Trainer Julian Nagelsmann scheint Tolisso aufzublühen, der Coach hielt zuletzt ein Sonderlob bereit: "Er ist ein sehr guter Spieler, von dem ich sehr viel halte", sagte Nagelsmann nach dem Spiel in Köln. Tolisso habe "viele gute Spiele" in Abwesenheit der etatmäßigen Kräfte gemacht.
Auch Vorstandschef Oliver Kahn goutierte die Darbietungen Tolissos. "Nach einigen Verletzungen, die er gehabt hat, ist es erstaunlich, auf welchem Leistungsniveau er aktuell spielt", sagte der frühere Weltklasse-Torwart und ergänzte: "Er hat gezeigt, was er drauf hat. Es kann uns ja nichts Besseres passieren, als dass die Spieler Topleistungen bringen und sich dann auch wieder ins Spiel bringen."
Aussagen, die darauf schließen lassen, dass Tolisso entgegen aller bisherigen Annahmen doch eine Zukunft haben könnte. Wie der "kicker" unlängst berichtete, werde seitens der Verantwortlichen eine Vertragsverlängerung in Erwägung gezogen, auch der Spieler selbst soll offen für einen Verbleib an der Isar sein. Allerdings: Die positive Entwicklung blieb freilich nicht unbemerkt.

Real Madrid wirft offenbar Auge auf Tolisso

Wie die spanische Sportzeitung "Mundo Deportivo" kürzlich meldete, spekuliere Real Madrid auf eine Verpflichtung Tolissos. Bei den Königlichen steht Ex-Bayern-Trainer Carlo Ancelotti an der Seitenlinie, der Italiener arbeitete einige Monate mit Tolisso zusammen, ehe er im September 2017 seinen Hut nehmen musste. Dem Bericht zufolge schätze Ancelotti seinen ehemaligen Schützling trotz der kurzen Zusammenarbeit.
Sollte Real im Rennen um Tolisso tatsächlich Ernst machen und eine Ausdehnung des Arbeitspapiers nicht zustande kommen, droht den Bayern abermals ein ablösefreier Abgang. Im vergangenen Sommer wechselte bereits David Alaba in die spanische Hauptstadt, Niklas Süle wird den Klub am Saisonende ebenfalls verlassen, ohne im Gegenzug Geld in die Münchner Kassen zu spülen.
Tolisso befindet sich derzeit in einer komfortablen Verhandlungssituation. Sobald Goretzka wieder fit ist, dürfte er zurück in die Rolle des Reservisten gedrängt werden. Andererseits dienen die nächsten Spiele, in denen Goretzka voraussichtlich noch immer nicht mitwirken kann, als Schaufenster für einen neuen Vertrag oder eben als Bühne, um weitere potenzielle Interessenten anzulocken.
Tolisso hat unter Beweis gestellt, dass er quasi auf Abruf als Leistungsträger zur Verfügung steht, sofern er fit ist. Schwer vorstellbar, dass die Bayern ein Interesse daran haben, einen Spieler mit seinen Fähigkeiten ablösefrei zu verlieren.
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