FC Bayern München: Warum die Niederlage gegen Eintracht Frankfurt ein Betriebsunfall war
Diejenigen, die es nicht mit dem FC Bayern halten, dürften am Sonnstagabend frohlockt haben. Erstmals in dieser Saison ging der deutsche Rekordmeister als Verlierer vom Platz, Eintracht Frankfurt erbrachte den Beweis dafür, dass die übermächtigen Münchner doch noch verwundbar sind. Anlass zur Hoffnung, dass es fortan wieder spannender zugeht, gab die Partie in der Allianz Arena aber keineswegs.
Robert Lewandowski nach der Niederlage gegen Frankfurt
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Es war eine ungewohnte Szenerie, die sich am Sonntagabend in der Allianz Arena darbot: Nicht die in Rot gekleidete Heimmannschaft lag sich nach 90 Minuten freudetrunken in den Armen, stattdessen musste der FC Bayern die Feierlichtkeiten an die Gäste aus Frankfurt abtreten.
Fast zwei Jahre lang war die Festung Allianz Arena nicht mehr eingenommen worden, letztmals entführte Bayer Leverkusen im November 2019 drei Bundesliga-Punkte aus der bayrischen Landeshauptstadt. Dass der SGE nun ein ähnlicher Coup gelang, mutete überraschend an, immerhin wusste das Team, das im Sommer die Abgänge von Trainer Adi Hütter (Gladbach), Top-Torjäger André Silva (RB Leipzig) und Sportvorstand Fredi Bobic (Hertha BSC) verkraften musste, in der laufenden Spielzeit bislang nicht unbedingt für Furore zu sorgen.
Ganz anders als die Münchner, die unter Neu-Coach Julian Nagelsmann binnen kurzer Zeit nicht nur zum erwarteten Meisterschaftsanwärter Nummer eins avanciert waren, sondern sich darüber hinaus auch auf internationalem Parkett in den engsten Favoriten-Kreis auf den Champions-League-Titel gespielt hatten. Das Duell mit der SGE, die letztmals im Jahr 2000 unter Felix Magath ein Auswärtsspiel in München gewonnen hatte, wurde im Vorfeld nicht grundlos als ungleich deklariert.
Tatsächlich entwickelte sich das Spiel wie erwartet – Bayern strahlte pure Dominanz aus, schnürte den Gegner in dessen Hälfte ein und ließ Frankfurt kaum Zeit zum Durchatmen. Nach wenigen Minuten, spätestens als Leon Goretzka einen sehenswerten Angriff krönte, dürfte sich der geneigte Zuschauer gefragt haben, wie hoch der FCB-Sieg diesmal ausfallen würde.
FC Bayern beißt sich an Trapp und Co. die Zähne aus
Stattdessen brachen sich im Anschluss Begebenheiten Bahn, die zwar mit Seltenheitswert aufwarten, aber keineswegs beispiellos im Fußballsport sind: Der Außenseiter kam mit der ersten Chance zum Ausgleich, in der Folge biss sich der vermeintliche Goliath die Zähne an dem aufopferungsvoll kämpfenden und mit einem glänzend aufgelegten Torwart ausgestatteten David aus, ehe dieser kurz vor Schluss das Spielgeschehen auf den Kopf stellte.
Bayern kann also doch noch verlieren, das hat bei denjenigen, die es nicht mit dem Dauerdominator halten, mutmaßlich für gleichermaßen Hoffnung wie Heiterkeit gesorgt. Hoffnung auf mehr Spannung im Titelrennen, die man Fußball-Deutschland allerdings gleich wieder nehmen muss. Bei der Niederlage gegen die Hessen offenbarten die Bayern nämlich nichts, was als veritabler Fingerzeig für ein potenzielles Einbrechen zur Hand genommen werden könnte. Es handelte sich eher um eine Art Betriebsunfall.
"Jetzt ist nichts mit 'Super Bayern'"
"Vom Gefühl her ist das ein Spiel, das wir normalerweise gewinnen. Wenn wir die Chancen nutzen, kann es sein, dass es 3:1 oder 4:1 ausgeht", analysierte Thomas Müller im Nachgang bei "DAZN" und ergänzte: "Dann stehen wir da und singen wieder 'Super Bayern'. Jetzt ist nichts mit 'Super Bayern', sondern jetzt haben wir zuhause verloren." Auch Trainer Nagelsmann haderte mit den zahlreichen vergebenen Chancen, die entweder vom Aluminium oder vom herausragenden Kevin Trapp, der gleich mehrfach gegen Robert Lewandowski, Serge Gnabry und Leroy Sané in Weltklasse-Manier parierte, vereitelt wurden.
"Ich fand nicht, dass sich das Spiel von den anderen der vergangenen Wochen unterschieden hat", sagte der 34-Jährige auf der Pressekonferenz. "Nur das Ergebnis ist anders. Wir hatten viele Chancen, diesmal haben wir jedoch nur ein Tor gemacht und nicht mehrere wie beispielsweise gegen Kiew (5:0, Anm. d. Red.) oder Bochum (7:0)."
Ob man bei einem Torschussverhältnis von 20:5, einer Zweikampfbilanz von 58 Prozent und einem Ballbesitzanteil von 73 Prozent aus Bayern-Sicht über eine verdiente Niederlage sprechen konnte, vermochte Nagelsmann nicht zu beantworten. Ob verdient oder unverdient, dies sei "scheißegal".
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Thomas Müller und Co. - FC Bayern München
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Der Grund für Nagelsmanns Premieren-Pleite war also hauptsächlich mangelnder Effizienz vor des Gegners Tor geschuldet. Allerdings nicht ausschließlich, wie Müller erklärte: "Wir hatten sehr viele Torchancen, ein paar richtig dicke. Direkt nach dem 1:0 haben wir aber das 1:1 kassiert – mit der ersten Aktion von Frankfurt. Wir waren sowohl vorne als auch hinten nicht effektiv. Die wenigen Aktionen, die Frankfurt hatte, haben zu zwei Toren gereicht."
Die Defensive, die sich jüngst unter Nagelsmann zum neuen Prunkstück gemausert hatte, bedeutend weniger "einfache" Gegentore nach Kontern fing wie noch unter dessen Vorgänger Hansi Flick, verfiel ein wenig in alte Muster. Zudem erwischte Innenverteidiger Dayot Upamecano, der bei beiden Gegentoren unglücklich agierte, einen gebrauchten Abend.
Bei Frankfurt passte alles, bei Bayern kaum etwas
Möchte man die Partie auf ihre Simplizität herunterbrechen, könnte man schlicht zusammenfassen, dass bei Frankfurt alles passte und bei den Hausherren diesmal eben kaum etwas. So einfach und unberechenbar kann es manchmal in einem mittlerweile verwissenschaftlichen Spiel zugehen. Daraus einen Trend für die Zukunft abzuleiten, den Bayern eine künftige Flatterhaftigkeit anzudichten, wäre dementsprechend vermessen.
Vielmehr deutet selbst die Leistung gegen Frankfurt darauf hin, dass die Vorherrschaft kein jähes Ende finden wird. Müllers Prophezeiung wirkt daher – für nicht Bayern-Fans - wie ein düsteres Versprechen: "Das wird uns nicht umwerfen."
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Nagelsmann scherzt nach erster Pleite: "Sie haben bestimmt meine Nummer"
Quelle: Perform
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