Hertha BSC tritt nach Remis gegen VfL Bochum im Abstiegskampf auf der Stelle

Hertha BSC hat im Bundesliga-Abstiegskampf den erhofften Befreiungsschlag verpasst. Der Hauptstadtklub musste sich zum Auftakt des 21. Spieltags gegen Aufsteiger VfL Bochum mit einem mageren 1:1 (0:0) begnügen und steckt nach fünf Pflichtspielen in Folge ohne Sieg weiter in der Krise. Die Berliner legten nur in der ersten halben Stunde ein starkes Spiel hin. Die zweite Halbzeit gehörte dem VfL.

Hertha BSC Bochum

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Hertha-Trainer Tayfun Korkut stellte nach der Bayern-Pleite von 5-3-2 auf ein offensiveres 4-4-2 um und nahm in der Startelf gleich fünf Wechsel vor: Marc Oliver Kempf gab sein Debüt im Hertha-Trikot und spielte in der Innenverteidigung neben Niklas Stark, der nach überstandener Verletzung wieder dabei war. Zudem starteten Santiago Ascacíbar, Jurgen Ekkelenkamp und Stevan Jovetic für Suat Serdar, Linus Gechter (beide Bank), Dedryck Boyata (Bänderverletzung), Lucas Tousart (private Gründe) und Márton Dárdai. Bochum, das die letzten fünf Spiele bei Hertha ohne eigenen Treffer blieb, ging mit einem offensiven 4-3-3 in die Partie.
Beim wichtigen Auswärtsspiel musste VfL-Trainer Thomas Reis auf Anthony Losilla und Eduard Löwen (beide Covid-19) verzichten. Dafür begannen Robert Tesche und Takuma Asano. Zudem ersetzte Cristian Gamboa Konstantinos Stafylidis (Bank) auf der rechten Abwehrseite.
Die umgekrempelte Hertha-Elf kam gut in die Partie, Vladimir Darida gab zwei Warnschüsse ab (4./5.). Die Hausherren begannen offensiv denkend und suchten den schnellen Weg nach vorne.
Bochum hatte anfangs mit der überraschenden Spielweise der Alten Dame Probleme und geriet immer wieder unter Druck. So gehörte die Anfangsphase klar dem Hauptstadtklub. Die Gäste kamen auch in der Folgezeit kaum zu Offensivaktionen.
Hertha ging hohes Pressing, war in der Restverteidigung aber sehr konzentriert und im Zentrum mit Darida und Ascacíbar sehr griffig. Die Führung war so nur die logische Konsequenz: Ishak Belfodil traf per Kopf nach einer Freistoßflanke von Jovetic zum 1:0 (23.).
Berlin hatte das Spiel voll im Griff, zeigte sich sehr präsent und strahlte eine ganz andere Haltung aus als in der bisherigen Saison. In allen Mannschaftsteilen zeigte sich die Elf von Tayfun Korkut stark verbessert. Nach vorne fehlte jedoch oft die Präzision.
VfL-Trainer Reis stellte zur Halbzeit auf 4-2-2-2 um und brachte mit Sebastian Polter (für Asano) und Patrick Osterhage (für Tesche) zwei frische Kräfte. Die Wechsel sollten sich schnell bezahlt machen: Einen Schuss von Jürgen Locadia wehrte Alexander Schwolow nur nach vorne ab, Polter bedankte sich mit dem 1:1 (48.). Eine schwache Aktion des Hertha-Keepers.
Dieser frühe Ausgleich sollte dem Aufsteiger Auftrieb geben. Bochum war nun viel besser in der Partie, während Berlin diesen Nackenschlag erst einmal verdauen musste. Im weiteren Verlauf sollte es hin und her gehen. Hertha zeigte in Ansätzen gute Angriffe, spielte oftmals aber zu umständlich oder nicht sauber genug. Spielerisch war auf beiden Seiten viel Luft nach oben.
Beide Teams wollten sich mit dem Remis nicht zufriedengeben, doch die intensive Partie kostete viel Kraft. Hertha hatte mehr vom Spiel, doch es fehlten Selbstvertrauen in das eigene Können und damit auch Chancen. Die letzte Überzeugung ließen beide Teams vermissen.
So blieb es beim 1:1, mit dem der Aufsteiger besser leben kann als die Alte Dame. Beide Vereine treten mit diesem Remis tabellarisch auf der Stelle und bleiben im unteren Tabellendrittel.
Für beide Teams geht es kommenden Samstag um 15:30 Uhr weiter: Bochum empfängt den Tabellenführer aus München, die Hertha muss zum Schlusslicht nach Fürth.

Stimmen zum Spiel:

Tayfun Korkut (Trainer Hertha BSC): "Wir haben eine richtig gute erste Halbzeit gespielt, mit viel Energie, viel Intensität, eine gute Zweikampfführung und haben auch nach vorne sauber gespielt. Es war alles unter Kontrolle. Und dann bekommen wir den einzigen Schuss aufs Tor. Dann hat sich das Spiel verändert, mit Umschaltmomenten auf beiden Seiten. Wenn man sich die erste Halbzeit anschaut, wäre sicherlich mehr drin gewesen für uns. Man hat gesehen, warum er (Kempf, Anm. d. Red.) geholt wurde, er hat eine unheimliche Ruhe und Sicherheit ausgestrahlt. Lee hatte heute seine ersten Minuten, auch Björkan ist reingekommen. Ist war sicherlich nicht einfach für die Neuen. Wir müssen uns an der ersten Halbzeit orientieren."
Marc Oliver Kempf (Hertha BSC): "Nach unserer ersten Halbzeit, in der wir klar die bessere Mannschaft waren, haben wir den Anschluss nicht gekriegt in der zweiten Halbzeit. Dann haben wir mit einem einzigen Torschuss den Ausgleich kassiert. Mehr haben wir eigentlich nicht zugelassen, daher ist es ärgerlich. Die Eingewöhnung war eigentlich sehr gut, den Trainer kenne ich schon von früher. Wir haben es ganz gut gemacht, das Gegentor ärgert mich natürlich. Locadia schießt relativ zentral, Schwolow sieht unglücklich aus."
Niklas Stark (Hertha BSC): "Wir wussten, dass sie die Räume hinten auf den Außen aufmachen und dass wir sie dahin spielen müssen. Wir (Kempf, Anm. d. Red.) kennen uns schon ewig, wir tun uns gut, wir wissen, wie der andere spielt. Deswegen tut es gut, ihn neben mir zu haben. Das Gegentor ist brutal ärgerlich. Ein Weitschuss, der unglücklich abgefälscht wird. Es war auch der erste Schuss in der zweiten Halbzeit. Ich weiß nicht, ob wir deswegen danach so verhalten waren. Vom Gefühl her, waren wir dann nicht mehr so aggressiv in den Zweikämpfen. Vielleicht haben wir in der ersten Halbzeit zu oft Powerplay gespielt. Wir hätten es durchziehen können, haben dann aber auch oft den Faden verloren."
Gerrit Holtmann (VfL Bochum): "Aufgrund der ersten Halbzeit sind wir sicherlich zufrieden mit dem Punkt. Wir waren einfach nicht gut genug, hatten keine Chance. Wir haben vorne keinen Druck gemacht, Hertha konnte einfach durchspielen. So haben wir glücklich einen Punkt geholt, vom Verlauf der zweiten Halbzeit aber auch verdient. Wir haben offensiv noch viel Luft nach oben."
Sebastian Polter (VfL Bochum): "Nach der schlechten ersten Halbzeit können wir mit dem Punkt auf jeden Fall zufrieden sein. Wir haben keine gute erste Halbzeit gespielt und aufgrund der zweiten Halbzeit auch gut damit leben können."

Das fiel auf: Umstellungen fruchten - doch Hertha bleibt labil

Die Zuschauer im Stadion und an den Fernsehern dürften sich am Freitagabend verwundert die Augen gerieben haben. Und viele dürften sich gefragt haben, ob wirklich Hertha BSC spielt. Tayfun Korkut überraschte bereits im Vorfeld mit einer Taktikumstellung und einigen Wechseln. So saß Suat Serdar, einer der wenigen mit normalen Leistungen in den Vorwochen, nur auf der Bank. Doch die Hertha zeigte sich stark verbessert und präsentierte ein völlig neues Gesicht. Diese Herren in den blau-weißen Trikots hatten nichts mit denen aus der bisherigen Saison zu tun. Mit hohem Pressing, einer griffigen Spielweise und hochkonzentrierten Abwehr überzeugte Hertha auf (fast) gesamter Linie. Lediglich spielerisch war noch viel Luft nach oben. Auch in dem einzelnen Mannschaftsteilen passte es: Jovetic und Belfodil harmonierten im Sturm sehr gut, Darida und Ascacíbar fingen viele Umschaltaktionen der Bochumer ab und im Abwehrzentrum könnte sich mit Neuzugang Kempf und Stark ein neues Stammverteidiger-Duo gefunden haben. Dass Bochum dennoch zum 1:1 kam, lag an Alexander Schwolow. Der Hertha-Keeper erwischte nicht seinen besten Tag und patzte beim Ausgleich durch Polter. Herthas Reaktion nach dem Ausgleich war in Ordnung, zeigte aber auch, dass es der Mannschaft noch an Selbstvertrauen mangelt. Das 1:1 gegen den Aufsteiger ist unterm Strich – auch beim Blick auf die Tabelle – zu wenig. Dennoch kann Berlin auf dieser Leistung aufbauen.

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In der spielfreien Zeit verpflichtete Hertha BSC Marc Oliver Kempf vom VfB Stuttgart. Er soll der Abwehr mehr Stabilität verleihen. Kempf kam sofort zu seinem Startelfdebüt und zeigte auf Anhieb, wieso ihn die Hertha verpflichtete. Gemeinsam mit Stark ordnete der Ex-Stuttgarter die Abwehr und ließ die Bochumer Offensive nicht zur Geltung kommen. Ein sehr guter Auftritt von Kempf, der überhaupt keine Anpassungsprobleme hatte. Unterm Strich steht eine Zweikampfquote von 56 %. Nach diesem Auftritt dürfte die Hierarchie in Berlins Abwehr durcheinandergewirbelt sein. Der verletzt fehlende Boyata wird sich gewaltig steigern müssen.

Die Zahl zum Spiel: 7

Ein besseres Spiel für seinen 7. Saisontreffer hätte sich Sebastian Polter wohl nicht aussuchen können. Der Ex-Unioner traf die Hertha mitten ins Herz und half so, dass ein aktueller Konkurrent im Kampf um den Klassenerhalt auf Distanz gehalten werden konnte. Noch viel beachtlicher ist, dass Polter mit sieben Saisontreffern die zweitmeisten Tore unter allen deutschen Spielern hat. Lediglich Serge Gnabry (10 Treffer) hat mehr auf dem Konto. Platz 2 mit Polter teilen sich Jonas Hoffmann und Jonathan Burkardt.
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Dem Fabian seine Freunde: Kartoffelsalat-Spezialist Martin Schmitt

Quelle: Eurosport

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