Kommentar: FC Bayern schon wieder Meister - das ist ein Armutszeugnis für den deutschen Fußball

Der FC Bayern München ist zum zehnten Mal in Folge Deutscher Meister geworden - Glückwunsch. Für den deutschen Fußball ist das allerdings ein Armutszeugnis und sollte nicht nur die Chefs der Deutschen Fußball-Liga ernsthaft ins Grübeln bringen. Dass hierin kein Fehler im System erkannt wird, bringt unseren Autoren auf die Palme. Ein Kommentar von Eurosport-Redakteur Florian Bogner.

Robert Lewandowski (FC Bayern) mit einer Stoff-Meisterschale

Fotocredit: Getty Images

Nein, das hier ist kein Rant über den FC Bayern München. Der FC Bayern hat alles richtig gemacht - oder zumindest: nicht sonderlich viel falsch.
Sonst wäre er nicht am Samstag zum zehnten Mal in Folge Deutscher Meister geworden. Zehn Mal Meister in Serie - eine Wahnsinnsleistung. Die Feierlichkeiten werden sicher immens ausfallen.
Es ist aber auch: ein Armutszeugnis für die Bundesliga und den deutschen Fußball.
Man stelle sich vor: Im Sommer kommen Kinder in die vierte Klasse, die in ihrem Leben, nicht mal als Säugling, nie einen anderen deutschen Fußballmeister erlebt haben.

Wie Formel 1 mit gravierendem PS-Unterschied

Das liegt zum einen sicher daran, dass in München ganz fantastisch gearbeitet wird. Zum anderen aber an einem gewaltigen Fehler im System. Denn im Fußball, das ist jetzt auch keine Neuigkeit, werden die Reichen immer reicher und die Armen - nun ja, sie kommen zumindest nur sehr langsam zu Wohlstand.
So will es der Verteilungsschlüssel der Prämien und TV-Gelder, so will es das Gesetz der freien Marktwirtschaft. Und die Gelder, die über den internationalen Wettbewerb verteilt werden.
In der Bundesliga bleibt dadurch aber der Wettkampf komplett auf der Strecke. Das sagen allein die von der Deutschen Fußball-Liga zusammengefassten Finanzkennzahlen aus, die jeder einsehen kann.
Beim FC Bayern stehen dort zuletzt 708 Millionen Euro Bilanzsumme. Bei Borussia Dortmund 518, bei RB Leipzig 385. Beim VfL Bochum 24, bei Arminia Bielefeld 16, bei Fürth nicht mal acht. Man stelle sich einfach mal vor, Formel-1-Autos müssten mit diesen PS-Zahlen durch ihre Parcours fahren.
Der Marktwert des Bayern-Kaders beläuft sich laut "Transfermarkt.de" auf 804,50 Mio. Euro - und ist damit ganze 24,4-mal so hoch wie der der "Konkurrenz" aus Fürth.

Die Bundesliga konkurriert auch mit Netflix

Dass dies im Kreise der DFL und im Bundesliga-Business niemanden sonderlich zu alarmieren scheint, ist der eigentliche Aufreger an der Sache. Dabei müsste allen im Geschäft bewusst sein, dass diese Einbahnstraßen-Liga so auf Dauer wenig attraktiv für alte wie neue Fans und die vielzitierten lukrativen Märkte sein kann. Und man eigentlich massiv gegensteuern sollte.
Zumal das Unterhaltungsangebot abseits der Bundesliga-Stadien stets zunimmt. In den 90ern hingen Fans abseits der Stadien vielleicht noch mit dem Ohr am Radio und den Augen auf dem Video-Text - wenn man nicht gerade versuchte, beim verschlüsselten Pay-TV-Signal irgendetwas in der Pixelsuppe zu erkennen (dieser Autor tat es jedenfalls). Es gab ja auch nicht viel anderes.
Heute konkurriert die Bundesliga neben den anderen Ligen auch mit Netflix, PlayStation 5 und TikTok. Sprich: einem riesigen Unterhaltungsangebot. Sind die Bundesliga-Spiele irgendwann nicht mehr spannend genug, die Ergebnisse erwartbar, wenden sich die Menschen anderen Dingen zu.
Und wem mag man's verdenken, wenn der Deutsche Fußball-Meister immer nur FC Bayern München heißt.
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Quelle: Perform

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