Er war der vermeintliche Königstransfer des FC Bayern im vergangenen Sommer: Leroy Sané. Zahlreiche Monate nachdem die Münchner erste Avancen in Richtung Manchester gesendet hatten, für das öffentliche Buhlen zu Kreuze gekrochen waren und der Umworbene sich mit einer schweren Knieverletzung auseinandersetzen musste, schlug er endlich in der bayrischen Landeshauptstadt auf.
Als "Unterschiedsspieler" hatte Bayern-Boss Oliver Kahn den gebürtigen Essener kurz nach dessen Verpflichtung gepriesen. Sané, für den der Rekordmeister immerhin 45 Millionen Euro lockermachte, sollte zum Feingeist für die besonderen Momente avancieren und eine Schlüsselrolle im Konstrukt des damaligen Erfolgstrainers Hansi Flick einnehmen.
Tatsächlich entwickelte sich Sané in seiner ersten FCB-Saison nicht zum viel zitierten X-Faktor, die besonderen Momente waren einigermaßen rar gesäht. Obwohl der 25-Jährige wettbewerbsübergreifend zehn Tore sowie zwölf Vorlagen beisteuerte, sah Sané sich ein ums andere Mal mit Kritik konfrontiert.
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Phlegmatisch sei er bisweilen, vor allem in der Rückwärtsbewegeung fehle ihm der Biss, lauteten die Vorwürfe.

Leroy Sané: FC Bayern erwartet Steigerung

Im zweiten Jahr soll alles anders, alles besser werden. Der Klub erwartet eine deutliche Steigerung vom pfeilschnellen Flügelspieler. Dass Sanés Schonfrist abgelaufen ist, stellte Bayern-Vorstand Hasan Salihamidzic bereits Ende Juni im Interview mit dem "kicker" klar.
"Leroy hatte nach seinem Kreuzbandriss ein Jahr Verletzungspause. In der ersten Saison bei uns hat er sich wieder herangetastet, sein großes Talent und einige gute Spiele gezeigt", sagte Salihamidzic und ergänzte vielsagend: "Aber jetzt erwarten wir, dass er Leistungsträger wird und die Mannschaft auch trägt. Das Jahr der Stabilisierung ist vorüber. Ich habe großes Vertrauen in ihn, auch wenn er eine andere Art als andere Spieler hat. Er steht allerdings auch vor einem Jahr der Wahrheit."
Eine Forderung, die Sané offenbar bestmöglich umsetzen möchte, seine Marschroute für die Zukunft stellte er kürzlich zumindest ganz konkret dar.

Sanés klares Ziel: Wichtige Spiele entscheiden

Er wolle zwar "nicht nur an Toren und Vorlagen" gemessen werden, jedoch eine bedeutsame Rolle in puncto Titelgewinnen einnehmen: “Wenn ich den einen oder anderen Scorerpunkt weniger sammle, dafür aber wirklich wichtige Spiele in der Bundesliga oder Champions League entscheide und wir am Ende die entsprechenden Titel für den Verein holen, kann es trotzdem eine sehr gute Saison werden“, sagte er der "Sport Bild".
Ambitionierte Aussagen, die Trainer Nagelsmann durchaus begrüßt. "Er hat seine Erwartung selbst formuliert, da gibt es nichts hinzuzufügen.
Dass ein Spieler öffentlich die Dinge betitelt, die er erreichen möchte, ist genau der richtige Weg", lobte der neue Bayern-Trainer am Donnerstag auf der Spieltags-Pressekonferenz im Vorfeld des Bundesliga-Auftakts gegen Borussia Mönchengladbach (Freitag, 20:30 Uhr im Liveticker bei Eurosport). Allerdings nahm er den ehemaligen Schalker gleichzeitig in die Pflicht, Sané müsse seinen Worten künftig aus sportlicher Sicht Nachdruck verleihen.

Nagelsmanns Forderung: "Interview-Aussagen mit Leben füllen"

"Am Ende des Tages geht es darum, die Dinge auch umzusetzen und die Interview-Aussagen auf dem Platz mit Leben zu füllen", sagte Nagelsmann.
"Dass er großes Talent, Qualitäten im Eins-gegen-Eins, unfassbaren Speed und Qualitäten im Torabschluss hat, ist alles bekannt. Jetzt gilt es, die Qualität zu zeigen und idealerweise eine große Spielaktivität und wenige Ruhephasen zu haben. Dann ist er ein sehr bedeutender Spieler und kann eine tragende Rolle einnehmen."
Es sei jedoch auch wichtig, Sané zunächst in Ruhe arbeiten zu lassen. Dabei appellierte Nagelsmann auch an die virtuell anwesenden Pressevertreter: "Wir alle tun gut daran, ihn ein bisschen in Ruhe zu lassen und ihm die Chance zu geben, Fuß zu fassen. Ohne, dass wir jeden Tag 25 Mal darüber berichten, ob ich ihm einen Ball zugeflankt habe." Der 34-Jährige spielte damit auf einen Artikel der "Bild"-Zeitung an, in dem Nagelsmanns Hereingaben für Sané im Training als "Spezial-Kur" und "Sonderschicht" deklariert wurden.

Nagelsmann: Keine Sonderbehandlung für Sané

Dass er Sané mehr als die restlichen Profis unter seine Fittiche nehme, wies der Ex-Leipziger nämlich zurück.
"Das mache ich bei allen Spielern", sagte Nagelsmann bezüglich des Flankentrainigs und schob nach: "Das hat nichts mit einer Sonderrolle von Leroy zu tun, sondern, wenn ein Spieler von mir Flanken verlangt, dann gebe ich mein Bestes."
Sein Bestes muss fortan auch Sané geben, der mediale und vereinsinterne Druck dürfte im zweiten Jahr eher zu- als abnehmen. Es liegt an ihm, doch noch zum erhofften Königstransfer zu werden. Fans und Verantwortliche hätten wohl nichts dagegen, Sané mit etwas Verspätung hochleben zu lassen.
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