Niklas Süle verlässt wohl den FC Bayern München - Christensen, Rüdiger und de Ligt als Nachfolger im Gespräch
VonThomas Gaber
Publiziert 25/01/2022 um 15:14 GMT+1 Uhr
Niklas Süle wird den FC Bayern München aller Voraussicht nach am Saisonende verlassen. Nach Xavier Martínez, Jérôme Boateng und David Alaba wäre der Nationalspieler der vierte Defensivmann, der dem deutschen Rekordmeister binnen kurzer Zeit ablösefrei den Rücken kehrt. Süle ist in München nie wirklich glücklich geworden. Die Liste möglicher Nachfolger bei Bayern ist reich an prominenten Namen.
Niklas Süle - FC Bayern
Fotocredit: Imago
Eine Bestätigung steht noch aus, doch bei Niklas Süle stehen die Zeichen klar auf Abschied. Wie Eurosport erfuhr, hat der deutsche Nationalspieler ein neues Angebot des FC Bayern München ausgeschlagen.
Süles Vertrag läuft am Saisonende aus. Bayern-Präsident Herbert Hainer bestätigte dem TV-Sender "Sky", dem Spieler ein Angebot gemacht zu haben. "Jetzt liegt es an ihm, das zu akzeptieren oder nicht zu akzeptieren. Natürlich muss es in einem bestimmten Zeitraum sein, weil wir uns dann auch dementsprechend aufstellen müssen", sagte Hainer.
Laut "Bild" kam diese Aussage gar nicht gut im Süle-Lager an, schließlich habe man die Offerte mit einem Jahresgehalt von ca. zehn Millionen Euro längst abgelehnt. Es ist allerdings sehr unwahrscheinlich, dass der FC Bayern finanziell nochmal nachlegt.
Süle ist damit der vierte Defensivspieler, der den Verein innerhalb kürzester Zeit ablösefrei verlassen wird. Für Javier Martinez fand man nach neun sehr erfolgreichen Jahren keine Verwendung mehr, bei Jérôme Boateng war es ähnlich. Im Kampf um David Alaba gaben die Münchner irgendwann entnervt auf; der Österreicher erfüllte sich seinen Kindheitstraum und wechselte zu Real Madrid.
Niklas Süle war nie Abwehrchef des FC Bayern München
Auch wenn es insbesondere bei Boateng hin und wieder Misstöne gab - Uli Hoeneß legte dem Innenverteidiger auch mal öffentlich einen Wechsel nahe - hat das Trio Martínez/Boateng/Alaba tiefe Spuren beim FC Bayern hinterlassen und einige erfolgreiche Kapitel in den Geschichtsbüchern des Vereins geschrieben.
Bei Süle ist die Sache etwas komplizierter, die wirtschaftliche Seite einmal ausgeklammert. Süle hat in seinen bald fünf Jahren beim FC Bayern nie die Wertschätzung bekommen, die er sich gewünscht hat und vielleicht auch verdient gehabt hätte.
Als er 2017 von der TSG Hoffenheim nach München kam, wurde ihm die Rolle des künftigen Abwehrchefs schmackhaft gemacht. Das ist er nie geworden, zumindest in der öffentlichen Wahrnehmung nicht. Süle wurde vielmehr kritisch gesehen bei den Klubchefs, die es nicht für nötig hielten, etwaige Zweifel an Süles Qualitäten aus der Welt zu schaffen.
Süle träumt von der Premier League - Newcastle würde passen
Im Herbst 2020 löste Süles Fitnesszustand eine Debatte zwischen dem damaligen Bayern-Trainer Hansi Flick und Bundestrainer Joachim Löw aus. Während Löw dem Abwehrspieler stets die Stange hielt, äußerte Flick Bedenken an Süles körperlicher Verfassung und begründete dies diplomatisch mit einem Trainingsrückstand.
Den Bossen genügte dies als Erklärung allerdings nicht. Die "Sport Bild" berichtete seinerzeit von "internen Diskussionen" über Süles Zukunft bei Bayern. Süle spiele eine Zeit lang auf Bewährung, hieß es.
Was letztlich den Ausschlag gegeben hat, dass Süle München den Rücken kehren will, ist unklar. Aber es liegt auf der Hand, dass die fehlende Reputation dabei eine Rolle gespielt hat. Und dennoch überrascht es, wenn ein 26-jähriger Nationalspieler, der zudem in der laufenden Saison weitestgehend gute Leistungen abliefert, seine Zukunft außerhalb Münchens plant.
Ein Wechsel innerhalb der Bundesliga ist ausgeschlossen. Vielmehr zieht es Süle nach England, er outete sich in der Vergangenheit als Fan der Premier League. Dort ist die Konkurrenz bekanntlich am größten, doch Süle sucht eine neue Herausforderung. Newcastle United will mit vielen Scheich-Millionen demnächst eine Weltauswahl aufbauen, da würde ein Spieler des FC Bayern, der auch schon ein Triple gewonnen hat, gut reinpassen.
Für den FC Bayern beginnt dagegen die Fahndung nach Ersatz in der Defensive von vorne. Den Münchnern könnte zugute kommen, dass im kommenden Sommer - Stand jetzt - einige hochkarätige Spieler ablösefrei zu haben sind.
Das sind mögliche Kandidaten für die Nachfolge von Niklas Süle.
Antonio Rüdiger (28/FC Chelsea, Vertrag läuft aus)
Seit geraumer Zeit versucht der FC Chelsea, eine Lösung beim Nationalspieler zu finden. Trainer Thomas Tuchel soll sich intern vehement für einen Verbleib des 28-Jährigen einsetzen. Laut "Daily Mirror" hat Rüdiger aber erst kürzlich ein Vertragsangebot mit einem Wochengehalt in Höhe von 170.000 Euro abgelehnt.
Rüdiger ist bei den Blues Stammspieler und hat alle Trümpfe in der Hand: Chelsea will verlängern, zudem gibt es wohl reges Interesse von Real Madrid und Paris Saint-Germain.
Für den FC Bayern wäre Rüdiger die naheliegendste Lösung: Deutscher Nationalspieler, ablösefrei, Bundesliga- und Auslandserfahrung auf Topniveau. Zudem hat mit dem Champions-League-Triumph 2021 gezeigt, dass er große Titel gewinnen kann. Rüdiger ist flexibel einsetzbar, fühlt sich Dreier- und Viererkette wohl und kann auch auf den Außenverteidigerposition aushelfen.
Sollten die Bayern ernsthaft Interesse an Rüdiger haben, müssten sie beim Gehalt tief in die Tasche greifen. Vor allem PSG spielt da eigentlich in einer anderen Liga.
Transferwahrscheinlichkeit: 60 Prozent.
Andreas Christensen (25/FC Chelsea, Vertrag läuft aus)
Neben Rüdiger der zweite Chelsea-Verteidiger, der noch keinen Vertrag ab Juli 2022 hat. Nach "Bild"-Informationen hat der FC Bayern bereits beim Beraterteam des Dänen angefragt. Neben den Münchner soll vor allem der FC Barcelona um die Dienste des 25-Jährigen buhlen.
Auch Christensen feilscht um einen neuen Vertrag beim FC Chelsea, die Prioritäten des Vereins liegen aber bei Rüdiger. Das erhöht die Chancen für die Konkurrenz. Christensen hat sich in den letzten Jahren zu einem Top-Verteidiger entwickelt und kennt sich wie Rüdiger in der Bundesliga aus. Für den FC Bayern wäre er keine schlechte Lösung, zumal wohl etwas "günstiger" zu haben als Rüdiger.
Transferwahrscheinlichkeit: 50 Prozent.
Matthias Ginter (28/Borussia Mönchengladbach, Vertrag läuft aus)
Die Borussia weiß Bescheid: Ginter wird seinen auslaufenden Vertrag nicht verlängern. Der Nationalverteidiger will den nächsten Karriereschritt machen - führt ihn dieser zum FC Bayern?
Ginter hat sich in Deutschland durchgesetzt und einen sicheren Platz im DFB-Team. Für die Weltklasse reicht es aber (noch) nicht. Der ganz große Sprung nach oben ist dem 28-Jährigen auch nicht mehr unbedingt zuzutrauen.
Mit der Verpflichtung eines ablösefreien Nationalspielers würden die Bayern keinerlei Risiko eingehen. Doch die Zweifel, ob Ginter eine echte Verstärkung für den Rekordmeister darstellt, darf bezweifelt werden.
Transferwahrscheinlichkeit: 30 Prozent.
Nico Schlotterbeck (22/SC Freiburg, Vertrag bis 2023)
Auf den ersten Blick keine Ideallösung als Süle-Nachfolger, wenn er in München sofort Verantwortung in der Innenverteidiger nehmen müsste. Doch Schlotterbeck hat alle Anlagen, in den nächsten Jahren so richtig durchzustarten. Nicht umsonst gehört der Freiburger mittlerweile regelmäßig zum Kader der DFB-Elf, auch wenn er noch auf seinen ersten Länderspieleinsatz warten muss.
Seine Entwicklung bleibt auch einem FC Bayern nicht verborgen. Ein Abschied aus Freiburg im Sommer ist wahrscheinlich. 2023 wäre Schlotterbeck ablösefrei, was den Preis für den 22-Jährigen drücken dürfte. Schlotterbeck könnte er als langfristiges Investment für die Münchner als Glücksfall erweisen.
Transferwahrscheinlichkeit: 25Prozent.
Matthijs de Ligt (22/Juventus Turin, Vertrag bis 2024)
Juventus Turin macht die Coronakrise schwer zu schaffen. Mehrere italienische Medien berichten, dass die Alte Dame einige Stars loswerden will, weil schlicht und ergreifend Geld benötigt wird.
Ein Wechselkandidat soll auch Matthijs de Ligt sein. Bayerns Sportvorstand Hasan Salihamidzic gilt als großer Fan des Niederländers und hatte schon vor de Ligts Wechsel nach Italien vor, den Innenverteidiger nach München zu holen.
Sportlich ist de Ligt über jeden Zweifel erhaben, das große Aber stellt aber die Ablösesumme dar. Unter 50 Millionen Euro wird Juve den 22-Jährigen kaum ziehen lassen - leere Kassen hin oder her.
Transferwahrscheinlichkeit: 5 Prozent.
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Quelle: Perform
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