BVB: Kritik an Anthony Modeste wird immer lauter - Trainer Edin Terzic ist zum Handeln gezwungen
Neun Spiele, ein Tor - das ist die spärliche Ausbeute des Starts von Anthony Modeste bei Borussia Dortmund. Mit der Empfehlung von 20 Treffern für den 1. FC Köln in der vergangenen Spielzeit kurzfristig als Ersatz für den erkrankten Sebastién Haller zum BVB gewechselt, fremdelt der Franzose offensichtlich im neuen Team. Die Kritik wird immer lauter - und Edin Terzic bald zum Handeln gezwungen.
Anthony Modeste vom BVB
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Stürmer werden an Toren gemessen - so war es früher, so ist es heute - und genau deshalb kann das Urteil nach neun Pflichtspielen von Anthony Modeste für Borussia Dortmund eigentlich nicht positiv ausfallen.
Auch nach der 2:3-Niederlage gegen seinen Ex-Klub 1. FC Köln ging der Franzose, der über die volle Spielzeit ran durfte, mit hängendem Kopf vom Rasen. Vorbei an den wartenden Reportern, auf direktem Weg in die Kabine.
Wer will es ihm verdenken, schließlich wird die Kritik an seiner Person mit jedem torlosen Spiel lauter - und auch Trainer Edin Terzic, der Woche für Woche um Geduld für seinen Stürmer wirbt, dürfte genau das immer schwerer fallen.
Zumal mit Youssoufa Moukoko ein hochveranlagtes Eigengewächs in der laufenden Spielzeit schon doppelt so oft netzte und ungeduldig mit den Füßen scharrt.
Harte Kritik an Modeste: BVB spielt "im Moment zu zehnt"
"Er kommt gar nicht mehr in die Räume, um den Ball zu attackieren", kritisierte "Sky"-Experte Dietmar Hamann nach der dritten Dortmunder Pleite der Saison. Der BVB spiele "im Moment zu zehnt", schob Hamann schonungslos hinterher und forderte: "Es dringend an der Zeit, dass Moukoko seine Chance bekommt."
Ein ganz so düsteres Bild zeichnen aber nicht alle Experten. Stefan Effenberg zum Beispiel sieht in Modeste weiterhin "den richtigen Mann für den BVB": "Er braucht so einen Brustlöser, wo er mal ein, zwei Buden in einem Spiel macht und ich glaube, dann ist er wieder frei im Kopf", schreibt der ehemalige Bayern-Kapitän in seiner Kolumne.
Modestes Mannschaftskollege Julian Brandt lieferte zudem eine sportliche Erklärung. So sei das Spiel des BVB eben nicht wie das des 1. FC Köln, für den der 34-Jährige in der vergangenen Spielzeit noch 20 Treffer in der Bundesliga erzielte, auf den Stürmer zugeschnitten.
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Anthony Modeste verliert mit dem BVB in Köln
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Es sei "nicht einfach für ihn, weil sich das Dortmunder Spiel nicht über Flanken definiert hat", erklärte Brandt, auch wenn man am Training mittlerweile längst daran arbeitet, genau dieses Stilmittel vermehrt einzusetzen.
Zum Vergleich: Die meistern Flanken aus dem Spiel schlägt auch in der laufenden Spielzeit der 1. FC Köln in den gegnerischen Strafraum (130). Der BVB liegt in dieser Statistik auf Rang neun, also im Mittelfeld (74). Eine Verbesserung im Vergleich zum vergangenen Jahr, als die Kölner 505 Mal in den Strafraum flankten (Platz 1) und der BVB selbiges lediglich 224 Mal tat (Platz 17).
Der neue Modeste: Hier ist er wertvoller denn je
Es ist also offensichtlich schwer für Modeste, auf die Anzeigetafel zu kommen, ohne qualitativ hochwertig und vor allem hochfrequentiert von seinen Mitspielern eingesetzt zu werden. Die öffentlich laut werdende Kritik an Modeste gilt daher auch seinen Mitspielern.
Zumal Modeste in anderen Bereichen des Spiels durchaus Werbung in eigener Sache machen konnte. Anders als in der Vergangenheit fällt der Franzose in Dortmund vor allem durch gute Aktionen gegen den Ball auf. Im eigenen Strafraum ist er dabei besonders wichtig, denn das Verteidigen gegnerischer Standards war in den vergangenen Jahren eines der großen Probleme der Schwarz-Gelben. Modeste ist mit seiner Kopfballstärke ein echter Gewinn für die Borussia.
Ex-Trainer Peter Stöger ist der "neue" Modeste ebenfalls aufgefallen. "Unabhängig von Statistiken habe ich das Gefühl, dass er mehr für die Mannschaft arbeitet, als er es normalerweise in Köln getan hat. Früher war das Arbeiten nie seine Lieblingsdisziplin. Unter Steffen Baumgart hat er es sich dann mit der Zeit angewöhnt", sagte Ex-Trainer Peter Stöger kürzlich der "WAZ".
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Manuel Akanji (r.) im Zweikampf mit Anthony Modeste
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"Wenn er arbeitet und andere treffen, ist das auch gut", fügte auch Brandt wohlwollend an - so weit, so gut, nur treffen "andere" eben nicht. Ein Torverhältnis von 11:10 Toren nach neun Bundesligaspieltagen legt das Hauptproblem der Borussia derzeit schonungslos offen und zwingt Terzic früher oder später zum Handeln. Mangelndes Engagement, das ist aber auch klar, ist Modeste in keiner Weise vorzuwerfen - im Gegenteil.
Modeste: Im eigenen Strafraum läuft es
Im Topspiel gegen den FC Bayern (Samstag ab 18:30 Uhr im Liveticker) droht Modeste die Bank. Schon vor dem Auswärtsspiel in Köln hatten Fans und Experten Moukoko für die Startelf gefordert.
Der 17-Jährige hatte im Derby gegen Schalke das erlösende 1:0 per Kopf erzielt und war zum Derbyhelden avanciert. Mit zwei Saisontreffern und zwei Assists ist er zudem zusammen mit Kapitän Marco Reus (zwei Tore, zwei Assists) und Brandt (zwei Tore, zwei Assists) Topscorer der Borussen.
Gemessen an bisher eher spärlichen 174 Einsatzminuten, ein mehr als ordentlicher Wert, der eine Aufstellung im Topspiel rechtfertigen würde. Zunächst geht es aber am Mittwoch in der Champions League zum FC Sevilla. Gut möglich, dass Terzic aus Gründen der Belastungssteuerung dort den Stürmer bringt, den er gegen Bayern zunächst auf der Bank lässt.
Es würde also nicht verwundern, sollte Modeste im Estadio Ramón Sánchez Pizjuán seine nächste Chance von Beginn an bekommen.
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Quelle: Perform
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