Das Rätsel ist gelüftet.
Der BVB wird Anthony Modeste vom 1. FC Köln als Ersatz für den mit einer Hodenkrebserkrankung kämpfenden Sébastien Haller verpflichten.
Am Sonntagnachmittag bestätigten beide Klubs eine "grundlegende Einigung" über einen Transfer. Einzig "die Klärung der Vertragsdetails" sowie der Medizincheck, stünden noch aus, wird BVB-Sportdirektor Sebastian Kehl auf der vereinseigenen Homepage zitiert. Deshalb könne man "noch keinen Vollzug melden".
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UPDATE 29/09/2022 UM 14:17 UHR
Am Montag soll dies aber dann passieren, wie es in der Mitteilung der Kölner heißt. Am Sonntag fehlte der in Cannes geborene Stürmer bereits im Kader der Geißböcke, die zum Saisonauftakt den FC Schalke 04 3:1 schlugen.

Modeste: Die logische Wahl auf den ersten Blick

Modeste ist auf den ersten Blick die logischste aller Lösungen, die in den vergangenen Tagen und Wochen seit Bekanntwerden der Haller-Diagnose die Runde machten. Gesucht wurde ein Spieler, der Erfahrung mitbringt, sofort weiterhilft und nach Hallers Gesundung ohne zu Mucken ins zweite Glied rückt.
Modeste kennt die Liga aus dem Effeff, lief für die TSG 1899 Hoffenheim und den 1. FC Kölner in 189 Ligaspielen auf und erzielte dabei insgesamt 83 Tore. Mit 34 Jahren hat er zudem nicht mehr die Ambitionen, beim zweitbesten Klub Deutschlands dauerhaft Stammspieler zu sein - zumal er beim BVB auch keinen langfristigen Vertrag unterschreiben wird.
Modeste und Haller ähneln sich zudem auch als Spielertypen. Modeste misst 1,87 Meter und damit nur drei Zentimeter weniger als Haller (1,90 m). Beide können mit dem Rücken zum Tor als Wandspieler fungieren, wissen, wie man Bälle festmacht und haben einen hervorragenden Abschluss.

Modeste ein starker Kopfballspieler

In Bezug auf das Kopfballspiel darf man Modeste im Vergleich zum ebenfalls kopfballstarken Haller sogar als Upgrade sehen: In der vergangenen Saison erzielte er die Hälfte seiner 20 Saisontore mit dem Kopf und damit mehr als jeder andere Bundesligaspieler.
Überhaupt verpasste er den Rekord für die meisten Kopfballtore in einer Saison nur hauchzart - den haben zwei weitere ehemalige BVB-Stürmer inne. Sergej Barbarez (2000/2001 für den HSV) und Jan Koller (2004/2005 für den BVB) brachten es auf je elf Treffer.
Zudem muss Modeste aufgrund der geografischen Nähe beider Städte für den Transfer nicht einmal den Wohnort wechseln - zwischen Köln und Dortmund liegen lediglich 85 Kilometer der A1.

Das fehlt Anthony Modeste noch immer

Doch alle berechtigte Lobhudelei für Modeste, darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Kölner bei weitem keine 1A-Lösung für den BVB darstellt. Trotz 34 Jahren auf dem Buckel kann er in seiner Vita kein einziges Spiel im Europacup vorweisen.
Weder in der Europa League noch in der Champions League bringt es der Franzose auf Einsatzminuten. Für den BVB wird er aller Voraussicht nach in der Königsklasse debütieren und muss dort dann beweisen, dass er auch gegen Europas Elite zurecht kommt.
Um das zu ermöglichen und Modest bestmöglich zu nutzen, muss Trainer Edin Terzic auch sein Spiel an der einen oder anderen Stelle anpassen. So macht es mit Modeste im Sturmzentrum Sinn, vermehrt hohe Flanken in den Strafraum zu schlagen - ein Mittel, dass in den vergangenen Jahren nur selten gewählt wurde.
Sowohl Erling Haaland, als auch dessen Vorgänger Paco Alcácer und Pierre-Emerick Aubameyang waren keine ausgewiesenen Kopfballspezialisten. Der letzte, den der BVB in seinen Reihen hatte, war tatsächlich Jan Koller Anfang des Jahrtausends.
Es wird also auch auf die Außenspieler Karim Adeyemi, Donyell Malen, Raphaell Guerreiro und Thomas Meunier ankommen, den torhungrigen Abnehmer in der Mitte zu füttern.

BVB-Kommunikation verärgert Kölner Verantwortliche

Funktioniert hat das in der Vergangenheit bei Effzeh bestens und so sorgten die Modeste-Schagzeilen am Sonntag für richtig schlechte Laune in der Domstadt.
"Mich kotzt es an, dass so etwas am Spieltag ausgerechnet rauskommt. Und es kam nicht von uns. Wir kommen damit vier Stunden vor dem Spiel in eine schwierige Situation und ich habe als Trainer die Arschkarte. Es gehört sich einfach, dass man so etwas unter dem Deckel hält und nicht großkotzig damit rumläuft", echauffierte sich Köln-Trainer Steffen Baumgart über die öffentliche Kommunikation der Schwarz-Gelben.
Ähnlich sah das auch Sportdirektor Christian Keller: "Mich ärgert, dass es am Spieltag so Fahrt aufgenommen hat." Allerdings siegten die Kölner auch mit dem Modeste-Störfeuer 3:1 gegen Dortmunds Erzrivalen FC Schalke 04.
Für den BVB kann es derweil nicht schnell genug gehen. Noch ist die Bundesligasaison in der Startphase, neue Spieler können noch nachhaltig installiert werden. Im Fall Modeste soll das schon in der kommenden Woche passieren. Laut "Bild" unterschreibt der Stürmer für ein Jahr und sechs Millionen Euro Gehalt am Borsigplatz.
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