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Der LIGAstheniker: Der BVB nach dem Bremen-Kollaps - ist der Terzic-Effekt schon verpufft?
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Publiziert 22/08/2022 um 14:23 GMT+2 Uhr
Edin Terzic wurde bei Borussia Dortmund als der neue Heilsbringer gefeiert - einer im Geiste von Jürgen Klopp, der den Klub zum Erfolg führen kann. Dann kam die bittere 2:3-Niederlage gegen Werder Bremen und schon wird der Ton beim BVB schärfer. Die Antwort darauf, was Terzic wirklich kann, wird sich auch darin zeigen, wie er mit der Situation zurechtkommt, findet der LIGAstheniker.
Edin Terzic
Fotocredit: Getty Images
Liebe FußballfreundInnen, natürlich müssen wir heute über Edin Terzic reden. Sie wissen schon: Chefcoach von Borussia Dortmund und größter Krakeeler der Liga. Dass ein Trainer seinen Klub, so wörtlich, als "dämlich" diffamiert, ist so in der Bundesliga wohl noch nicht vorgekommen.
Zumindest nicht nach gerade einmal drei Spieltagen. Und man fragt sich unweigerlich, wenn das Erregungsniveau schon jetzt im roten Bereich liegt, wo das noch hinführen soll an den kommenden 31 Spielwochenenden?
Und bitte nicht falsch verstehen: Edin Terzic hat mit allem recht.
Wie der BVB das Spiel gegen Aufsteiger Werder Bremen, trotz 2:0-Führung bis zur 88. Minute, dann noch verlieren konnte, das war entweder böse Harry Potter-Magie oder pure westfälische Dämlichkeit - Sie dürfen sich was aussuchen.
Was kann Edin Terzic?
In den Agenturen war nach dem Spiel vom "Kollaps des BVB" die Rede, von "desolat", "konfus" und "von allen guten Geistern verlassen". Und da man um die grundsätzliche labile mentale Verfassung des BVB weiß, stellt sich nun die Frage, ist da was ins Rutschen gekommen?
War das Bremen-Spiel der vorläufige Endpunkt einer längeren Entwicklung oder gibt es dafür eine natürliche Erklärung?
Wäre es Zweiteres, hätte Terzic wohl nicht so deutlich werden müssen. Ist es Ersteres, wird der Ausbruch des neuen Cheftrainer auf einmal verständlich. So oder so, er trägt die Verantwortung. Was also kann der neue Cheftrainer Edin Terzic?
Verpuffter Aufbruch
Die ganze schöne Anfangseuphorie um ihren neuen Trainer Terzic ist in Dortmund also schon wieder dahin. Nach den ersten drei Siegen gegen Leverkusen, Freiburg und im Pokal war schon vom "Edin-Effekt" die Rede.
Mit seiner klaren Ansprache und seiner mitreißenden Art komme Terzic im Verein extrem gut an, so klang das noch bis zum Bremen-Spiel. Dabei waren die Siege eher schmeichelhaft, die gezeigten Leistungen der Mannschaft durchschnittlich.
Nach dem Bremen-Spiel ist das auf einmal alles anders. Mit seiner "klaren Ansprache" danach ("verdiente Niederlage", "schwache Leistung") hat sich Terzic im Team keine Freunde gemacht. Pünktlich zur sportlichen Dämlichkeit ist von einem ersten Krach die Rede zwischen Terzic und einem Spieler.
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Quelle: Perform
Der belgische Nationalspieler Thomas Meunier will angeblich unbedingt weg aus Dortmund, offenbar, weil er nicht mehr zur Stammelf gehört. Meuniers Dementi ("Propaganda") kam prompt, aber völlig egal was stimmt, die Aufbruchsstimmung beim BVB ist passé – nach mickrigen vier Pflichtspielen.
Ist der Trainer Terzic die Ideallösung?
Dabei roch die Verbindung zwischen Terzic und Borussia nach "echter Liebe"? Zumindest wollte die Vereinsführung die Promotion des langjährigen Co- zum Cheftrainer des BVB genau so verstanden wissen.
Nachdem man in den Jahren seit dem Weggang von Jürgen Klopp immer wieder auf das falsche Pferd gesetzt hatte, zuletzt Marco Rose, davor Lucien Favre, die beide eher zu den harmoniesüchtigen, diplomatischen, will sagen farblosen Zunftvertretern gehörten und dem Abonnement-Vizemeister sportlich keine Impulse geben konnten, wollte man im "charismatischen Deutsch-Kroaten" (Sport.de) endlich die Ideallösung gefunden haben.
Einer mit Stallgeruch, weil er selbst als BVB-Fan auf der Südtribüne sozialisiert wurde; einer mit Expertise, die er als Trainer im Hintergrund wie auch als Interimschef nach dem Favre-Rausschmiss unter Beweis gestellt hat; einer mit Siegermentalität, wie er 2021 mit dem Gewinn des DFB-Pokals zeigte; einer, dem genau das wichtig ist, was Dortmunds Mentalität offensichtlich seit Jahren abgeht, Terzics Lieblingsvokabeln sind "Mut", "Glaube", "Wille". Und jetzt also dieses Bremen-Spiel, wie passt das zusammen?
Bewusstseinsumbau beim BVB
Wenn Edin Terzic das Glück des Tüchtigen hat, ist das Bremen-Spiel der Weckruf, den die ewigen Bremser und Schönredner innerhalb von Mannschaft und Klub gebraucht haben, um zu verstehen, dass sich etwas ändern muss.
Jede Transformation geht mit Phantomschmerzen einher, nach jeder geglückten Operation geht es erstmal schlechter, bevor es deutlich besser wird. Das lässt sich kaum vermeiden.
Mal schauen, ob Watzke & Co. Edin Terzic freie Hand lassen für den dringend nötigen Bewusstseinsumbau des BVB oder ob sie, wie etwa bei Ex-Trainer Thomas Tuchel gesehen, allzu früh und öffentlich signalisieren, dass ihnen ihr Headcoach viel zu weit geht.
Die Antwort auf die Frage, was Edin Terzic wirklich kann, wird darin bestehen, ob es ihm gelingt, Mannschaft und Klub davon zu überzeugen, dass noch kein Deutscher Meister – einfach so - vom Himmel gefallen ist.
Zur Person Thilo Komma-Pöllath:
Der Sportjournalist und Buchautor ("Die Akte Hoeneß") beleuchtet in seinem wöchentlichen Blog "Der LIGAstheniker" das Geschehen in der Fußball-Bundesliga für Eurosport.de. Oft skeptisch, ironisch, kritisch - aber einer muss schließlich den Ball flach halten.
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Quelle: Perform
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