BVB gegen FC Bayern: Wer das Duell der Wackelgiganten verliert, hat Krise - der LIGAstheniker

Der FC Bayern ging beim 4:0 gegen Bayer Leverkusen einen ersten Schritt aus der Krise, Borussia Dortmund blieb der eigenen Inkonstanz treu und fing sich beim 1. FC Köln die dritte Niederlage der Saison ein (2:3). Im "deutschen Clásico" treffen die Wackelgiganten BVB und FC Bayern nun im direkten Duell aufeinander. Der LIGAstheniker prophezeit: Wer verliert, hat Krise!

Julian Nagelsmann (l.) und Edin Terzic

Fotocredit: Imago

Liebe FußballfreundInnen,
selten genug, dass dem Spielplan der Bundesliga etwas Besonderes anhaftet. Ein Spielplan, der weit im Vorfeld festgelegt wurde, kann keine sportliche Aktualität spiegeln, und manchmal, wie am kommenden Wochenende, kann er das ganz zufällig eben doch.
Ausgerechnet am nächsten Samstag (ab 18:30 Uhr im Liveticker) kommt es also genau zu dem Spiel, dass man genau jetzt auch sehen will, auch weil die sportlichen Umstände es verlangen: Dortmund gegen Bayern.
In den letzten zehn, 15 Jahren war es das Spiel der Spiele, der deutsche Clásico, das Gipfelduell der Nummer eins gegen die Nummer zwei im deutschen Klubfußball, diesmal wird es das Duell der krisengeschüttelten Wackelgiganten werden und eines weiß man schon jetzt: Wer verliert wird in eine Krise hineinrutschen, die kein Spitzenklub in einer so frühen Phase der Saison brauchen kann, auch weil die Rufe nach personellen Konsequenzen dann nicht mehr zu überhören sein werden.
Was sie im Grunde schon jetzt kaum noch sind: Teile der fachlichen wie der breiten Öffentlichkeit trauen den beiden Cheftrainern Edin Terzic und Julian Nagelsmann schon jetzt die gewaltigen Aufgaben nicht mehr zu, für die sie geholt wurden.

Bayerns Dilemma

Das deutsche Spitzenspiel als Therapiespiel, für das die Bayern scheinbar etwas besser gerüstet sein könnten, nimmt man das jüngste Spiel gegen Leverkusen zum Maßstab. 4:0 klingt deutlich, doch die Aussagekraft ist gering angesichts eines Gegners, der durch die Liga torkelt wie ein standesgemäßer Oktoberfestbesucher.
Und zu wechselhaft das Auftreten der Bayern in dieser Saison, entweder Kantersieg oder pathologische Torvernagelung, zuletzt vier Spiele ohne Sieg, dafür mit Niederlage, allesamt gegen zum Teil deutlich schwächer eingeschätzte Gegner. Ob die Bayern ihr Spielsystemdilemma bereits gelöst haben ist zumindest in Frage zu stellen.
Gegen Leverkusen wirkte alles eine Spur entspannter und abgeklärter, nicht so aufgedreht wie zuletzt. Selbst der bei den Bayern so gigantische Ballbesitz bewegte sich wieder in einer normalen Dimension (60 Prozent), erlaubt dem Gegner mitzuspielen und den Bayern dynamische Umschaltmomente. Wenn sie die nicht bekommen, werden sie panisch und scheitern.

Dortmunds Neurose

Und der BVB? Ringt nach der 2:3-Pleite in Köln wieder mal ganz grundsätzlich mit sich selbst, so dass man fürchten muss, dass sich der gesamte Klub in eine Klinik für Angstneurosen einweist oder sich vom Spielbetrieb abmeldet. Was ist los mit diesem BVB, das fragt man sich nicht erst seit heute, sondern seit Jahren.
Dann ist oft von der "Mentalität" die Rede, ein Begriff, den die Dortmunder Protagonisten selbst gar nicht mehr aussprechen (dürfen), dafür tun es die Beobachter und Kommentatoren um so häufiger, was zu einer Phrasenschwein-tauglichen Präsenz geführt hat.
picture

Terzic nach Pleite bedient: "Brutal, ärgerlich und bitter"

Quelle: Perform

Es hat tatsächlich etwas Verzweifeltes, wenn BVB-Trainer Edin Terzic nach dem Köln-Spiel erklärt, es sei "wieder mal sichtbar" gewesen, "woran es seit Jahren hapert". Er werde es "wieder" ansprechen, man werde "wieder" versuchen, seine Lehren daraus zu ziehen, man werde "wieder" versuchen, eine Reaktion zu zeigen und "das endlich abstellen". "Wieder" ist also das Wort, das den BVB wie kein anderes beschreibt.

Willkommen in der Mittelmäßigkeit!

Es besagt nichts anderes, als dass die Dortmunder auf der Stelle treten, stagnieren, sonst würden sie nicht immer "wieder" den gleichen Fehler begehen. Worin der Fehler besteht, das freilich, erwähnt der tapfere Terzic mit keinem Wort. Und vielleicht liegt da schon der ganz große Systemfehler des BvB begraben: "Face your fears" sagen die Amerikaner – Wer sich nicht traut, den Finger in die Wunde zu legen, wird die Wunde niemals los.
Das mit dem Finger tat dann ausgerechnet Köln-Trainer Steffen Baumgart. Auf die Frage, was denn der Unterschied zwischen dem Effzeh und dem BVB sei, sagte Baumgart, es gebe für ihn "keinen Unterschied".
Deutlicher kann man Dortmund nicht im Feld der Mittelmäßigen willkommen heißen.

Schicksalsspiel für die Cheftrainer?

Und jetzt also das Wackeldackelduell formerly known as "Deutscher Clásico". Dortmund ist der einzige Klub, von dem man erwarten muss, dass er Bayern Paroli bieten kann. Bayern ist der einzige Klub, von dem man erwarten muss, dass er internationales Niveau kann.
Beide scheitern momentan, aus gänzlichen anderen Gründen, am Druck ihrer Verhältnisse. Am Samstagabend wissen wir, welcher der beiden Cheftrainer die Verhältnisse wieder gerade rücken konnte und welcher erklären muss, warum er womöglich nicht mehr der Richtige ist.

Zur Person Thilo Komma-Pöllath:

Der Sportjournalist und Buchautor ("Die Akte Hoeneß") beleuchtet in seinem wöchentlichen Blog "Der LIGAstheniker" das Geschehen in der Fußball-Bundesliga für Eurosport.de. Oft skeptisch, ironisch, kritisch - aber einer muss schließlich den Ball flach halten.
Das könnte Dich auch interessieren: Haaland stellt unglaublichen Premier-League-Rekord auf
picture

In der Verlängerung: Irres Tor von der Mittellinie

Quelle: SNTV

Mehr als 3 Mio. Sportfans nutzen bereits die App
Bleiben Sie auf dem Laufenden mit den aktuellsten News und Live-Ergebnissen
Download
Diesen Artikel teilen
Werbung
Werbung