Drei Pflichtspiele, drei Siege, das erste Mal ohne Gegentor und die Tabellenführung von Borussia Dortmund zurückerobert - für den FC Bayern gab es am Sonntag einiges zu feiern. Die große Show war es diesmal nicht, aber starke 20 Minuten in der ersten Halbzeit genügten den Münchner für drei weitere ungefährdete Punkte.
"Es war sicher kein rauschendes Fest wie in den letzten beiden Spielen. Wir haben ein bisschen gebraucht, um ins Spiel zu kommen. Die zwei Tore vor der Pause haben uns sehr gut getan und in der zweiten Halbzeit hatten wir schon sehr viel Kontrolle", sagte Thomas Müller bei "DAZN".
Durch den Doppelschlag von Jamal Musiala (33.) und Müller (44.) hat der FC Bayern nun in 83 Bundesligaspielen in Folge getroffen - und erstmal die Tabellenführung bestätigt.
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Drei Dinge, die beim ersten Heimsieg des FC Bayern 2022/23 auffielen.

1. Wolfsburg deckt (mögliche) Schwachstelle des FC Bayern auf

Die ersten zehn Minuten gehörten dem VfL. Die Gäste gingen aggressiv in die Zweikämpfe, liefen die Bayern früh an und kamen zwei, drei Mal gefährlich vor das Tor von Manuel Neuer.
"Wir haben uns nicht versteckt und waren am Anfang richtig gut drin", sagte Kapitän Maximilian Arnold bei "DAZN". Bei eigenem Ballbesitz wurde nicht lange gefackelt, sondern schnell und vor allem hoch nach vorne gespielt. "Wolfsburg hat sehr früh lange Bälle gespielt, sodass wir gar nicht in unser Pressing kamen", konstatierte Müller.
Bevorzugt versuchten die Wölfe diesen Ansatz über die linke Angriffsseite und den schnellen Omar Marmoush, mit dem Bayerns Rechtsverteidiger Benjamin Pavard anfangs große Schwierigkeiten hatte. Der Franzose offenbarte eklatante Geschwindigkeitsnachteile, stand mitunter falsch zum Ball und sah meist nur die Hacken von Marmoush.
Über Pavards Abwehrseite entstand auch die Chance zum frühen Führungstor für die Wolfsburger. Eine Flanke von Mattias Svanberg fand am langen Pfosten den Kopf von Patrick Wimmer, dessen Ablage in die Mitte bugsierte Alphonso Davies mit dem Schienbein gerade noch so an den Außenpfosten.
Mit zunehmender Spieldauer fing sich Pavard, profitierte dabei aber auch von zu viel Passivität der Wölfe. Der VfL zog sich zurück, statt weiter die - zumindest in diesem Spiel - erkannte Schwachstelle des FC Bayern zu bearbeiten.

2. Davies macht die Bayern noch unberechenbarer

Der Stern von Alphonso Davies ging auf den Tag genau vor zwei Jahren auf. Beim 8:2-Sieg des FC Bayern gegen den FC Barcelona im Champions-League-Viertelfinale 2020 spielte der Kanadier halb Barça Knoten in die Beine und wurde quasi über Nacht zum neuen Linksverteidiger-Star.
Nach zwei Jahren mit einigen gesundheitlichen Rückschlägen ist Davies zu Beginn der Saison 2022/23 körperlich wieder in bester Verfassung. Wenn er Gegenspielern Bälle abläuft, obwohl er in der eigentlich deutlich schlechteren Position ist (wie gegen Wolfsburg bei einem Ballgewinn gegen Maxi Arnold), hat das bei Davies immer ein gewisses Maß von Leichtigkeit.
Mit seinem Speed kann Davies ganze Abwehrreihen aufreißen, mit seiner Übersicht bereitet er Torchancen vor. Exakt so geschehen vor dem 2:0 durch Müller, als er auf links durchbrach und den Ball zu Joshua Kimmich passte, dessen Schuss Müller gewinnbringend abfälschte.
Davies hat offensiv aber noch mehr drauf. Er rast nicht nur blind die Linie rauf und runter, sondern sucht immer wieder auch den Weg von links in die Mitte. Verlässt Davies seine Seite, rücken Sadio Mané oder Jamal Musiala auf links. So sind die Bayern im Angriffsspiel für die Gegner noch schwieriger zu greifen.
Das variable Positionsspiel ist ohne Robert Lewandowski zu einem großen Plus des FC Bayern geworden. Ein formstarker Davies macht die Münchner offensiv noch ein Stück unberechenbarer.

Alphonso Davies schnappt Maxi Arnold den Ball weg

Fotocredit: Getty Images

3. Jamal Musiala schon effektiver als der junge Uli Hoeneß

Zwei Tore gegen Frankfurt, eins gegen Wolfsburg - Jamal Musiala grüßt nach zwei Spieltagen von der Spitze der Torjägerliste. Zudem führt der 19-Jährige seit Sonntagabend auch andere Liste an: Musiala ist jetzt der Teenager mit den meisten Bundesligatoren (14) und hat Uli Hoeneß (13) auf Platz zwei gedrängt.
Musialas Treffer war der Dosenöffner für die Münchner, die bis dato so ihre Probleme hatten im Offensivspiel. Mit etwas Glück und Geschick setzte sich Musiala im Fallen gegen zwei Wolfsburger durch, rappelte sich sofort wieder auf und schoss den Ball trocken aus 17 Metern ins linke Eck.
Musiala hatte aber erneut weit mehr drauf als dieses Tor: Ballbehandlung, Ballmitnahme mit dem ersten Kontakt, Übersicht - der Youngster sticht aus einer gut funktionierenden Bayern-Offensive heraus.
"Er spielt derzeit einfach außergewöhnlich", lobte FCB-Vorstandschef Oliver Kahn. "DAZN"-Experte Michael Ballack erfreute sich an Musialas "erfrischendem Stil - er macht Sachen, die man nicht erwartet. Er ist sehr risikofreudig, er scheißt sich nix, auf Deutsch gesagt. Er bringt so viel mit, ist auch im Strafraum unheimlich ruhig, das kannst du nicht lernen."
Gegen Wolfsburg hat Musiala auch wieder etwas dazugelernt. "Manchmal kommt bei seinem Passspiel was Wildes raus, aber das war heute sehr gut", sagte Müller.
Der Gefeierte blieb, wie immer, bescheiden. "Ich versuche immer mein Bestes zu geben. Wenn mich dann jemand zum 'Man of the Match' machen will, ist das eine Ehre für mich", sagte Musiala bei "DAZN". Wird nicht das letzte Mal gewesen sein ...
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