Drei Dinge, die bei FC Bayern München gegen Werder Bremen auffielen: Hansi, das ist deine Flügelzange
VonThomas Gaber
Publiziert 09/11/2022 um 01:01 GMT+1 Uhr
Nächste Gala, nächster Kantersieg. Der FC Bayern München zerlegt auch Werder Bremen, weil die Offensive erneut wie geschmiert funktioniert. Vor allem die deutschen Nationalspieler im Angriff der Bayern drehen knapp zwei Wochen vor Beginn der WM in Katar mächtig auf. Die Gäste wählen den mutigen Ansatz in München, werden allerdings für ihre Naivität gnandenlos bestraft. Drei Dinge, die auffielen.
Das sagt Nagelsmann über die nächste Gnabry-Gala
Quelle: Perform
Ungewöhnlich früh im Jahr verabschieden sich die Bundesligamannschaften von ihren Fans bei Heimspielen. Anfang November ist es schon soweit - die Winter-WM steht vor der Tür.
Der FC Bayern München legte sich zum vorübergehenden Abschied nochmal mächtig ins Zeug und machte nach dem 6:2 gegen Mainz beim 6:1 gegen Werder Bremen erneut das halbe Dutzend voll.
Serge Gnabry traf gleich dreifach (22., 28., 82.), die restlichen Tore schossen Jamal Musiala (6.), Leon Goretzka (26.) und Mathys Tel (84.).
Werder zahlte nach zuletzt zwei Bundesligasiegen in Folge viel Lehrgeld und baute seine Horrorbilanz gegen die Bayern aus. In den letzten 28 Spielen hagelte es 26 Pleiten bei zwei Unentschieden und einem Torverhältnis 19:96.
Drei Dinge, die bei der nächsten Bayern-Gala auffielen.
1.) Bayerns Angriff ist konkurrenzlos - selbst in Europa
Die Zahlen sind schwindelerregend. 47 Tore nach 14 Spieltagen - nur einmal war eine Mannschaft zu diesem Zeitpunkt noch erfolgreicher: der FC Bayern in der Saison 1976/77 mit 48 Toren.
In elf Spielen der laufenden Saison erzielten die Münchner mindestens vier Tore. Insgesamt ließen es die Bayern in 23 Pflichtspielen 80 Mal klingeln (Schnitt 3,48) - absoluter Spitzenwert in den Top5-Ligen Europas. Und das alles ohne Robert Lewandowski... Zum Vergleich: Paris Saint-Germain kommt als erster "Verfolger" auf 57 Tore in 21 Spielen (Schnitt 2,71).
"Wir haben wieder ein schönes Spiel für die Fans abgeliefert. Großes Kompliment an die Mannschaft, die macht das seit Wochen sehr, sehr gut", sagte Bayern-Trainer Julian Nagelsmann bei "Sky".
Nach einem perfekten Start durch Musialas frühes Führungstor glich Werder postwendend aus, zudem verballerte Eric-Maxim Choupo-Moting einen Foulelfmeter. "Das war am Anfang ein schwieriger Spielverlauf mit dem schnellen Ausgleich und dem verschossenen Elfmeter. Aber wir bleiben sehr ruhig, sehr stabil und schießen bis zur Pause noch drei Tore", analysierte Nagelsmann.
Dabei macht es quasi keinen Unterschied, in welcher Formation die Münchner im Angriff aufgestellt sind. Leroy Sané kam wie in Berlin erneut nur von der Bank, Thomas Müller fehlt seit mehreren Wochen. Serge Gnabry war lange im Formtief, dreht aber jetzt brutal auf.
Choupo-Moting trifft praktisch immer (außer gegen Werder), Sadio Mané taut immer mehr auf und Jamal Musiala reitet die Welle eh schon die ganze Saison. Und mit Mathys Tel hat Nagelsmann noch ein Juwel in der Hinterhand, der gegen Bremen sehenswert nach 50 Meter-Solo zu 6:1-Schlusspunkt traf.
"Der FC Bayern ist super aufgestellt, wenn man bedenkt, dass ein Spieler wie Thomas Müller schon länger fehlt", sagte "Sky"-Experte Lothar Matthäus. "So eine Qualität in der Offensive gibt es in Europa nicht oft."
2.) Hansi, deine WM-Offensive steht
Am Donnerstag gibt Bundestrainer Hansi Flick seinen 26-Mann-Kader für die WM in Katar bekannt. Gnabry, Sané und Musiala sind sicher dabei.
Die drei Bayern-Stars sind für Flick Fluch und Segen zugleich. Sie sind seit Wochen dermaßen gut drauf, dass der Bundestrainer an ihnen bei der Planung seiner Startelf für das erste WM-Spiel gegen Japan eigentlich nicht vorbeikommt.
Musiala erzielte gegen Bremen sein neuntes Saisontor - die meisten aller Bundesligaspieler im Teenager-Alter nach 14 Spielen. Er machte bereits zum vierten Mal in dieser Spielzeit das 1:0, abermals mit Ruhe, Übersicht und überragender Technik.
Sané musste zum zweiten Mal in Folge auf die Bank, durfte gegen Bremen aber bereits nach 20 Minuten für den angeschlagenen Mané aufs Feld und war sofort on fire. Sané kurbelte viele Angriffe an, zeigte große Leidenschaft und eine irre Geschwindigkeit mit und ohne Ball.
Besonders auffällig war seine uneigennützige Vorarbeit zu Gnabrys zweitem Tor. "Leroys Querpass auf Serge vor dem 4:1 war eine große Geste. Den muss man jetzt nicht immer spielen, man kann auch am Torwart vorbeigehen. Leroy kann den auch selber machen, um sich zu zeigen und wieder in die Startelf zu kommen. Aber er spielt den Ball quer auf Serge und sie freuen sich gemeinsam", sagte Nagelsmann.
Für den Coach steht diese Szene sinnbildlich für die Stärke der Mannschaft in den letzten Wochen. "Wir haben eine sehr gute Mischung aus Qualität auf dem Platz, Gier und einem guten Geist", sagte er.
Zu guter Letzt schnürte Gnabry den ersten Dreierpack eines Bundesligaspielers in dieser Saison. Der 27-Jährige ist in Topform und mitverantwortlich dafür, dass sich der FC Bayern "in den letzten Wochen in einen Flow gespielt hat", wie es Leon Goretzka ausdrückte.
Es wäre schon eine kleine Überraschung, sollten Musiala, Sané und Gnabry am 23. November gegen Japan nicht in der Startelf des DFB-Teams stehen.
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Geniales Zusammenspiel: Leroy Sané (M.) und Serge Gnabry (l.)
Fotocredit: Getty Images
3.) Werder bezahlt für seine Naivität
Als Aufsteiger spielt Werder Bremen eine starke Saison, nicht nur hinsichtlich der Punkteausbeute. Mit 20 Zählern ist Werder in der oberen Tabellenhälfte. Trainer Ole Werner hat seiner Mannschaft einen mutigen Stil eingeimpft und schreckt auch nicht vor großen Gegnern zurück.
Bremen begann auch in München frech, lief früh aggressiv an und stand mit der letzten Linie sehr hoch. Das frühe Gegentor änderte daran nichts. Werder gelang durch Anthony Jung der schnelle Ausgleich nach einer Traumkombination über mehrere Stationen.
Doch unmittelbar danach brachen in der Defensive alle Dämme. Die Gästen ließen sich gleich mehrmals auskontern und stellten sich vor allem vor dem 1:4 höchst naiv an. "Ich kann meiner Mannschaft nichts vorwerfen, wir haben in der ersten Halbzeit einfach zu viele Fehler gemacht. Da haben wir heute was dazu gelernt", sagte Werner.
Miloš Veljković lobte den mutigen Ansatz, "doch wir haben es den Bayern sehr einfach gemacht, Tore zu schießen." Marco Friedl wurde da schon deutlicher. "Wir haben hier richtig auf die Fresse bekommen. Bayern spielt in einer anderen Liga, aber trotzdem darfst du hier keine sechs Dinger kassieren", so der Österreicher.
Werder wird am Stil nichts verändern, dafür gibt es auch keinen Grund. Und einmal richtig auf die Fresse kriegen kann sich auf die Zukunft auch positiv auswirken.
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"Der Beste der Welt": Neuer-Comeback verzückt Nagelsmann
Quelle: Perform
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