Drei Dinge, die bei VfL Bochum gegen FC Bayern auffielen: Leroy Sané - ein Sinnbild für die "neuen" Münchner
Der FC Bayern fegte am Sonntagabend über den VfL Bochum hinweg und schenkte dem bemitleidenswerten Revierklub sieben Tore ein. Nach dem 7:0 und dem damit verbundenen Rekordstart in die neue Saison ist klar: Der FCB hat noch einmal einen Schritt nach vorne gemacht. Auch, weil offenbar ein anderer Spirit im Team herrscht. Sinnbildlich dafür stand besonders ein Spieler. Drei Dinge, die auffielen.
Nagelsmann erklärt: Sané "will in Ruhe gelassen werden"
Quelle: Perform
Drei Spiele, neun Punkte, ein Torverhältnis von 15:1! So lautet die für den Rest der Bundesliga beängstigende Start-Bilanz des FC Bayern. Satte sieben Treffer schenkte der Dauerdominator dem VfL Bochum am Sonntagabend ein – und sorgte somit für ein Novum im deutschen Oberhaus. Noch nie verbuchte eine Mannschaft nach drei Partie plus 14 Treffer.
An der Castroper Straße zeichneten Leroy Sané (4.), Startelf-Debütant Matthijs de Ligt (24.), Kingsley Coman, Sadio Mané (42., 59./FE) und Serge Gnabry (76.) für die Münchner Tore verantwortlich, zudem unterlief Bochums Cristian Gamboa ein Eigentor (69.).
Die Gründe für die beeindruckende Frühform und die scheinbar lockere Kompensation des Lewandowski-Abgangs sind mannigfaltig, sie alle spiegelten sich gegen den VfL wider. Sinnbildlich für das "neue" Gesicht des FCB stand dabei Sané, der nach drei Pflichtspielen als Reservist seine Chance bekam – und diese prompt nutzte.
Darüber hinaus scheint der Begriff "Eingewöhnungszeit" den beiden namhaftesten Neuankömmlinge nicht geläufig zu sein.
Drei Dinge, die auffielen.
1. Sané als Sinnbild für die "neuen" Bayern
Kaum hatte die Saison begonnen, da wurde im medialen Umfeld der Bayern schon wieder heiß über eine Personalie diskutiert: Leroy Sané. Der deutsche Nationalspieler war in keinem der drei bisherigen Pflichtspiele für die Startelf berücksichtigt worden.
Der Grund: Sanés Konkurrenten Jamal Musiala und Serge Gnabry zeigten überzeugende Leistungen und gaben Trainer Julian Nagelsmann keinen Anlass, Änderungen vorzunehmen. Musiala musste gegen Bochum aber aufgrund einer Adduktorenzerrung passen, Gnabry saß zunächst auf der Bank, weil auch er jüngst mit einer Blessur zu kämpfen hatte (knöcherner Ausriss am Handgelenk).
Die große Chance für Sané. Haftete ihm in der Vergangenheit nicht selten der Ruf des Phlegmatikers an, zeigte der 26-Jährige unweit seiner Heimatstadt Essen, dass Nagelsmann mit ihm rechnen kann. Im Gegensatz zu früheren Auftritten, bei denen sowohl hängende Schulter als auch hängender Kopf bei Sané auszumachen waren, sprühte er gegen Bochum vor Spielfreude.
Nicht mal vier Minuten dauerte es, ehe Sané den Ball im VfL-Kasten unterbrachte. Zwar trug er sich in der Folge kein weiteres Mal in die Torschützenliste ein, dennoch wusste er über die volle Distanz zu gefallen. Niemand schoss häufiger auf des Gegners Tor (5), kein Bayern-Spieler lieferte mehr Torschussvorlagen (4).
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VfL Bochum - FC Bayern
Fotocredit: Imago
Auch in der Defensive machte er einen guten Job. Sané gewann 58,3 Prozent seiner Zweikämpfe und kam auf sieben Balleroberungen (zweitbester Wert nach Joshua Kimmich (10)). Von seinem Coach erhielt er ein Sonderlob: "Seine Leistung war sehr gut", sagte Nagelsmann und schob nach: "Er wurde ja schon wieder kritisiert in den letzten Wochen. Natürlich ist er ein Spieler, der mit seiner Art polarisiert. Aber er ist ein herausragender Fußballer."
Nagelsmann weiter: "Wenn er zu hundert Prozent Bock hat, ist er einer der besten Spieler Europas." Gegen Bochum hatte Sané - anders als in manch anderem Spiel - merklich "Bock". Nagelsmann hofft darauf, dass es so bleibt: "Wir sollten nicht so viel über ich sprechen, auch nicht so viel mit ihm. Man muss ihn einfach machen lassen."
Trotz der Enttäuschung, in den ersten Begegnungen nicht so recht zum Zuge gekommen zu sein, vermittelte Sané den Eindruck, dass er sich reinkniet. Ein Hinweis darauf, dass es innerhalb des Teams insgesamt passt. Nagelsmann ließ zumindest durchblicken, dass der Spirit mittlerweile besser ist als im Vorjahr: "Diese Energie, dass jeder jedem alles gönnt - das gab es in der vergangenen Saison nicht immer so."
Sané stand sinnbildlich für das "neue", noch beängstigendere Gesicht der Bayern.
2. 50 Tore weg - na und?
Mit Lewandowski verließ der absolute Top-Torjäger nach acht Jahren den Klub, derjenige, auf den das gesamte Spiel ausgerichtet war. 50 Treffer steuerte der Pole in der vergangenen Saison in 46 Pflichtspielen bei. Tore, die den Bayern schmerzlich fehlen werden - zumindest in der Theorie.
Wettbewerbsübergreifend (inklusive Super Cup) markierten die Münchner in den vier ersten Partien der neuen Spielzeit 20 Treffer. Durch den Lewy-Abgang und die Ankunft von Mané, so scheint es, sind die Bayern aber keineswegs harmloser geworden.
Ganz im Gegenteil: Die Offensive wirkt deutlich flexibler und weniger ausrechenbar.
Völlig unabhängig, wer spielt. Nachdem zunächst Musiala und Gnabry den Vorzug erhalten hatten, wirbelten diesmal Sané und Kingsley Coman, der die ersten beiden Bundesligaspiele aufgrund einer Rotsperre verpasst hatte. Das Duo reihte sich sofort bestmöglich ein, verinnerlichte die veränderte Philosophie ohne Probleme.
"Wir bewegen uns viel, wir haben viele Möglichkeiten nach vorne. Das ist ein Pluspunkt", fasste Coman, Torschütze zum zwischenzeitlichen 3:0, die Lage im Angriff nüchtern zusammen.
Freilich haben die Bayern mit dem Abgang Lewandowskis an Qualität eingebüßt. Wenn jedoch in derart kurzer Zeit das kompensiert wird, was eigentlich kaum zu kompensieren ist, dann sprich dies sowohl für Trainer als auch für das Team.
3. "Eingewöhnungszeit" ein Fremdwort für Mané und de Ligt
Mané und Matthijs de Ligt waren die prominentesten Namen, die im Sommer an die Isar gewechselt waren. Wer damit gerechnet hatte, dass das Duo zunächst mit Anlaufschwierigkeiten zu kämpfen haben könnte, sieht sich nach wenigen Wochen eines Besseren belehrt.
Während Mané ohnehin in jedem Pflichtspiel startete und in vier Spielen bereits drei Tore markierte, feierte de Ligt in Bochum sein Startelf-Debüt für seinen neuen Arbeitgeber. Der Niederländer, der für rund 70 Millionen Euro aus Turin gekommen war, benötigte - ähnlich wie Mané - keinerlei Eingewöhnungszeit.
Zwar wurde der 23-Jährige vom VfL nicht vor die schwierigsten Aufgaben gestellt, dennoch lief die Premiere als Abwehrchef aus seiner Sicht mehr als erfreulich. Ein Tor selbst erzielt, keines gefangen, die meisten klärenden Aktionen (5).
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Matthijs de Ligt traf erstmals in einem Pflichtspiel für Bayern
Fotocredit: Imago
"Wenn du als Verteidiger in der ersten Halbzeit dein Tor machst, willst du trotzdem bis zum Schluss die Null halten", sagte er im Anschluss der Partie bei "DAZN". Er ergänzte: "Es war wichtig, bis zum Schluss konzentriert zu bleiben. Das haben wir geschafft. Wir haben viel Druck gemacht und am Ende siebenmal getroffen."
Zufrieden zeigte sich auch Nagelsmann: "Er wurde relativ früh darüber informiert, dass er heute spielt, dann hat er sich an der Hand verletzt. Er hat gut gespielt, genau wie die anderen drei in der Viererkette. Er entwickelt sich wirklich gut", so der 35-Jährige.
Bezüglich Mané hatte Nagelsmann unlängst ohnehin ausschließlich lobende Worte gefunden: "Er will nicht strahlen und alle Augen auf sich ziehen. Er fühlt sich wohl, wenn er eine Top-Leistung bringt und nicht immer mit Interviews oder Instagram-Posts vorneweg geht", sagte Nagelsmann. "Deswegen kommt er sehr gut an."
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