Drei Dinge, die beim FC Bayern gegen RB Leipzig auffielen: Die alten Gesetze gelten nicht mehr

Der FC Bayern patzt gegen Leipzig (1:3) erneut und bietet Borussia Dortmund im Meisterschaftskampf eine Steilvorlage. Diese Bayern-Mannschaft gibt ihrem Trainer Thomas Tuchel weiterhin Rätsel auf. Wieder einmal verspielen die Münchner nach einer Führung wichtige Punkte. Emotional sind die Bayern erst nach dem Spiel präsent. Ein RB-Spieler könnte die fehlende Komponente bald nach München bringen.

Thomas Müller (FC Bayern München)

Fotocredit: Imago

Der FC Bayern München steuert zum ersten Mal nach zehn Meisterschaften in Folge auf eine titellose Saison zu.
Gegen RB Leipzig verloren die Münchner zuhause 1:3 (1:0). Serge Gnabry brachte die Bayern zwar nach einer ordentlichen Anfangsphase in Führung (25.), danach ging aber fast nichts mehr. In der zweiten Halbzeit drehten Konrad Laimer (65.) nach einem Konter sowie Christopher Nkunku (76.) und Dominik Szoboszlai (86.) mit Strafstößen die Partie.
Am Sonntag kann Borussia Dortmund mit einem Sieg beim FC Augsburg (17:30 im Liveticker) an den Bayern in der Tabelle vorbeiziehen und mit zwei Zählern Vorsprung als Spitzenreiter in den letzten Spieltag gehen. RB Leipzig hat mit dem ersten Sieg der Vereinsgeschichte in München die Champions-League-Qualifikation gesichert.
Drei Dinge, die bei Bayern gegen RB Leipzig auffielen.

1. Emotional nicht bereit für den Meisterkampf

Die Allianz Arena ist über eine ganze Saison sicherlich nicht das stimmungsvollste Stadion in Deutschland. Aber in den Highlightspielen entfacht die Arena eine für den Gegner durchaus erdrückende Atmosphäre – im Normalfall.
Denn gegen Leipzig sprang dieser Funken von den Rängen nicht auf den Rasen über. Man hatte eher das Gefühl, die Fans wären zu einem gemütlichen Sommerkick am 6. Spieltag gekommen. Um dann fünf bis zehn Minuten vor Schluss nach Hause zu gehen.
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Joshua Kimmich vom FC Bayern

Fotocredit: Getty Images

Noch erstaunlicher aber war, dass sich das Sommerkick-Gefühl auch auf die Spieler auf dem Platz übertragen ließ. Die Bayern spielten zwar eine ordentliche erste halbe Stunde, in der auch die Führung gelang. Aber eine mitreißende Leistung, eine emotionale Titeljagd gelang der Mannschaft von Thomas Tuchel nicht. Der Trainer wollte ein dominantes Spiel seiner Mannschaft sehen, war aber schon früh in der ersten Halbzeit unzufrieden. Immer wieder mahnte er zu mehr Ruhe am Ball und wünschte sich mehr Spielkontrolle.
Aber die Mannschaft war einmal mehr nicht bereit für einen routinierten, souveränen Auftritt. Schon kurz nach seinem Amtsantritt zeigte sich Tuchel erstaunt über die fehlende Widerstandsfähigkeit seiner Mannschaft. Und auch gegen Leipzig brach die Mannschaft mit der ersten Chance des Gegners förmlich ein – ähnlich wie vor zwei Wochen in Mainz. Eine Reaktion auf die Gegentreffer kam nicht mehr.
"Wenn du so weit unter deinem eigenen Level spielst und das Level konstant sinkt, dann tust du dich schwer, Spiele zu gewinnen", sagte Tuchel nach der Partie. "Zweite Halbzeit waren wir nicht mehr da. Ich habe keine Erklärung, wie sowas passieren kann."
Den emotionalsten Eindruck hinterließ dann noch Thomas Müller am "Sky"-Mikrofon, der eine Kampfansage nach Dortmund schickte. "Wir werden unsere Energie nicht mit irgendwelche Diskussionen verbraten“, sagte Müller. „Wir müssen jetzt zusammenstehen. Wenn wir den Sieg in Köln holen, dann will ich Dortmund sehen. Und wenn sie zweimal gewinnen, dann werde ich freundlich gratulieren."
Er habe schon so viele Meisterschaften erlebt, auch als er noch nicht selbst als Spieler auf dem Platz stand: "Also da geht schon noch was."

2. Die 45-Minuten-Bayern

Es ist eine uralte Weisheit in der Bundesliga: Wenn es drauf ankommt, sind die Bayern da. Nun kam es in dieser Saison schon einige Mal drauf an, aber die Bayern waren nur selten da. Dass die Bayern nach Führung kaum zu schlagen sind, ist eigentlich eine ebenso verlässliche Aussage. Eigentlich.
Denn in dieser Saison sind die Bayern auch mit einem oder zwei Toren Vorsprung anfällig.
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Joshua Kimmich (l.) und Thomas Müller (r.)

Fotocredit: Getty Images

Satte acht Mal haben die Münchner nach Führung noch Punkte abgegeben: fünf Unentschieden, drei Niederlagen. In der Rückrunde haben sie so 13 Punkte verspielt – Ligahöchstwert.
In der Bundesliga setzte es die erste Heimniederlage nach Halbzeitführung seit April 2007 – damals gegen den HSV.
Wie das Unheil über Bayern hereinbrach in dieser Partie gegen Leipzig war bezeichnend für diese Saison. "Abgezockt sieht anders aus", sagte Müller. "Wir sind 1:0 vorne, im eigenen Stadion und kassieren so einen Konter."
Müller weiter: "Wenn man sich die zweite Halbzeit reinzieht, wie die drei Tore schießen ... Gerade in der zweiten Halbzeit waren wir mit Ball im Spielaufbau sehr schwach und haben mit eigenen Fehlern RB aufgebaut."
Das 1:1 fiel nach einer Ecke der Bayern, als Leipzig plötzlich mit vier gegen eins aufs Münchner Tor zulief. Der Elfmeter vor dem 1:2 resultierte aus einem Bayern-Einwurf. Und der Strafstoß zum 1:3 war ein unglückliches, aber vielleicht auch ungeschicktes Handspiel.
Trainer Tuchel redete sich ob der Fehler seiner Spieler, vor allem vor dem 1:1, bei "Sky" ziemlich in Rage und vermisste „fehlende Anpassung“ an die Situation. Jamal Musiala und Kingsley Coman hatten in der Entstehung des Konters zweimal verpasst, die Situation zu entschärfen und den Ball verloren.

3. Laimer funktioniert als Leipzigs "Aggressive Leader"

Am Ende musste er sich der Frage stellen. Und er umdribbelte sie ähnlich geschickt, wie kurz zuvor noch seine Gegenspieler auf dem Platz. Spielt Konrad Laimer nächste Saison in München beim FC Bayern?
Der Wechsel gilt in der Branche als offenes Geheimnis und auch Laimer bekundete im Interview seine Zuneigung für München, ohne seinen Transfer offiziell zu bestätigen. Dass der Österreicher nach der Partie ein gefragter Interviewpartner war, hatte aber nicht nur mit seinem möglichen Wechsel im Sommer zu tun, sondern auch mit seiner Leistung in der Allianz Arena.
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Konrad Laimer

Fotocredit: Getty Images

Laimer spulte ein gewohnt hohes Pensum ab, rannte fast zwölf Kilometer und gewann 76 Prozent seiner Zweikämpfe. In München ist für einen Spieler dieser Art einmal der Begriff "Aggressive Leader" geprägt worden. Genau das war Laimer für RB Leipzig in der zweiten Halbzeit.
Mit seiner Laufstärke, mit seiner Zweikampfhärte und mit seinem herausstechenden Willen führte er Leipzig in München auf die Siegerstraße. Beispielhaft unter Beweis gestellt beim Konter zum 1:1, als er den Ball mit großen Schritten weit über den Platz trug, dann auf Umwegen wieder an den Ball kam und das Ding beherzt unters Tordach nagelte.
Diese Gier und Leidenschaft fehlte dem FC Bayern an diesem Tag. Ab kommender Saison wird Laimer diese Eigenschaften aber sehr wahrscheinlich regelmäßig in München einbringen können. Dann im Trikot des FC Bayern.
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Quelle: Perform

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