Kommentar zur Meisterschaft des FC Bayern München: Die schale Schale

Alles war angerichtet: Borussia Dortmund musste nur noch durchs große Tor gehen, stürzte aber kurz vorher böse auf die Schnauze. So fällt dem FC Bayern eine Meisterschaft in die Hände, die er nicht verdient hatte. Der elfte Bayern-Titel in Folge zeigt trotz des spannenden Finales: Die Bundesliga muss sich neu erfinden. Mehr Geld allein ist dabei nicht die Lösung. Ein Kommentar von Florian Bogner.

Thomas Müller

Fotocredit: Getty Images

Geld regiert die Welt und natürlich auch den Fußball.
Die Einführung der Champions League Anfang der Neunziger Jahre war, im Rückblick betrachtet, der Tod für die Spannung der Bundesliga.
In den letzten 30 Jahren wurden neben dem FC Bayern und Borussia Dortmund nur der 1. FC Kaiserslautern (97/98), Werder Bremen (03/04), der VfB Stuttgart (06/07) und der VfL Wolfsburg (08/09) nur je einmal Meister. Blickt man 40 Jahre zurück, kommt kein weiterer Verein dazu.
Spanische Verhältnisse, könnte man sagen, schottische Verhältnisse vielleicht sogar, aber eigentlich heißt die Realität: deutsche Verhältnisse.

Mehr Geld ist nicht die Lösung

Trotz der Spannung im Meisterschaftskampf 2022/23 bleibt ein schaler Nachgeschmack. Aller Anstregungen der Konkurrenz zum Trotz ist nur der FC Bayern in der Meisterschaft immer konkurrenzfähig. Nach dieser Saison muss man sogar sagen: Er kann sich dabei noch so doof anstellen, am Ende fällt ihm die Schale dennoch in die Hand.
Was soll auch ein sportlicher Wettbewerb, in dem ein Wirtschaftsunternehmen mit 835 Millionen Euro Umsatz mit einem anderen konkurriert, das nicht mal fünf Prozent (1. FC Heidenheim, 35,8 Mio. Euro) dieses Umsatzes erwirtschaftet? Wohlgemerkt kommende Saison in derselben Liga.
Einfach mehr Geld in den Umlauf zu bringen, ist dabei nicht die Lösung, wenn es am Ende doch nur bei den eh schon reichen Klubs landet. Das musste auch die DFL diese Woche erfahren, als sich nicht die nötige Zwei-Drittel-Mehrheit unter den Bundesliga-Klubs fand, um einen Investoreneinstieg in die Liga weiter zu forcieren.
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Watzke frustriert: "Das Thema ist beendet"

Quelle: Perform

Die 50+1-Regel aufzuheben, kann ebenfalls nicht die Lösung sein. Erschreckend genug war das Beispiel, das unlängst Hertha BSC abgab. Statt mit Investor Lars Windhorst zum "Big City Club" aufzusteigen, ging's jetzt eine Liga runter.

Im Sinne der Spannung: Die DFL muss handeln

Auch RB Leipzig taugt nicht als Positivbeispiel. Fußballerisch läuft es, aber dennoch bleibt "RaBa" ein künstlich generiertes Projekt, das man einer Region aufgedrückt hat. Das zeigt die nur langsam wachsende Fanbase, die es nicht mal schaffte, einen Charterflieger für ein Champions-League-Achtelfinale voll zu kriegen.
Langsam aber sicher in der Bundesliga-Spitze etablieren sich derweil grundsolide geführte Vereine wie der 1. FC Union Berlin oder der SC Freiburg. Hier herrscht ein angenehmer Dreiklang: Fanbase, sportliche Leistung und Ambitionen sind kongruent. Und doch werden sie in den internationalen Cup-Wettbewerben erstmal nicht konkurrenzfähig sein. Das macht aber auch nichts.
Will die Bundesliga indes einen Wettbewerb, der auch an der Spitze wieder dauerhaft spannend ist und nicht nur zwischen zwei Vereinen ausgetragen wird, muss sie handeln, Geld umverteilen, die kleinen Vereine stärken. Der TV-Vertrags-Schlüssel der Premier League ist ein gutes Beispiel, hier verdient der 20. der Liga immerhin nicht nur einen Bruchteil des Meisters.
Der FC Bayern kann darüber lamentieren und mit dem Ausstieg aus der Liga drohen. Die Super League ist ja noch nicht tot - und trotz allen Beteuerns auch für die Bayern immer noch eine Zukunftsoption. Zum Wohle der Bundesliga vielleicht sogar gar nicht die Schlechteste.
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