FC Bayern München vor dem Endspurt um die deutsche Meisterschaft: Trainer Thomas Tuchel hat Restzweifel
VonThomas Gaber
Publiziert 30/04/2023 um 00:55 GMT+2 Uhr
Ohne eigenes Zutun ist der FC Bayern der elften deutschen Meisterschaft in Folge schon vor dem Spiel gegen Hertha BSC ein großes Stück nähergekommen. Fünf Siege aus den letzten fünf Pflichtspielen in dieser Saison würden dafür genügen, das Restprogramm spricht klar für die Münchner. Die Voraussetzungen für einen echten Befreiungsschlag sind günstig, Trainer Tuchel ist dennoch nicht ganz geheuer.
"Es ist nie zu spät": Tuchel schwört Bayern auf Endspurt ein
Quelle: Perform
Mehmet Scholl hat sich rargemacht in den letzten Jahren. Seit seinem Aus als Experte der "ARD" 2017 ist der ehemalige Nationalspieler freiwillig von der Bildfläche verschwunden und hat sich auch bei seinem langjährigen Arbeitgeber Bayern München nicht mehr blicken lassen.
Vor Kurzem war es mal wieder soweit - Scholl wollte seinem Sohn, der im Nachwuchsbereich des FC Bayern arbeitet, einen Besuch abstatten. Was er dort erlebte, schildert Scholl im Podcast "Einfach mal luppen" der Kroos-Brüder Toni und Felix.
"Es kommt bei Bayern nichts mehr raus, nichts mehr rein. Es war ausgestorben, wie Fort Knox", sagte der 52-Jährige. James-Bond-Bösewicht Goldfinger hätte seine wahre Freude an dieser Aussage gehabt, war er doch im gleichnamigen 007-Streifen ganz erpicht, das hermetisch abgeriegelte Gold-Reservoir der USA zu stürmen. Für Scholls Ex-Klub ist das hingegen nicht besonders schmeichelhaft.
Leblos waren vor allem die Auftritte der Profimannschaft in den letzten Wochen. Gepaart mit dem bisweilen verheerenden Krisenmanagement der Führungsetage lassen sie den ganzen Verein in einem schlechten Licht dastehen.
FC Bayern: Steilvorlage aus Bochum - Heimspiel gegen den Tabellenletzten
Die Saison ist durch das erneut frühe Ausscheiden in den Pokalwettbewerben und den vielen Nebengeräuschen inklusive Trainerentlassung schon jetzt eher Murks. Dass die Tür zur deutschen Meisterschaft wieder deutlich offener steht, haben die Münchner dem VfL Bochum zu verdanken, der dem BVB zuhause einen Punkt abringen konnte.
Um die erste titellose Spielzeit seit elf Jahren zu verhindern, braucht es "nur" noch fünf Siege aus den letzten fünf Bundesligaspielen. Für den FC Bayern normalerweise business as usual.
Doch die Ansprüche vor dem Duell am Sonntag mit der Hertha (15:30 Uhr im Liveticker) sind so gar nicht Bayern-like. "Wenn es einen Vorteil aus den beiden letzten Ergebnisse gibt, dann den, dass die Situation sonnenklar ist. Auch die Haltung, die wir uns gegenüber haben müssen. Wir müssen die Erwartungshaltung zurückschrauben und nicht mehr zu viel von uns erwarten", sagte Trainer Thomas Tuchel.
Steilvorlage aus Bochum, spielfrei unter der Woche, Heimspiel gegen den Tabellenletzten - die Voraussetzungen für einen echten Befreiungsschlag sind günstig wie selten. Der Coach macht dennoch lieber auf Understatement. Da muss schon viel im Argen liegen beim FC Bayern.
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Tuchel schützt Tel: Kein "Rucksack" für den Youngster
Quelle: Perform
Thomas Tuchel: Wir müssen uns reinbeißen
Die Münchner haben sich jede Menge Fehltritte geleistet in dieser Saison und insbesondere in den letzten drei Wochen. Es ist an der Zeit endlich zu liefern, das weiß auch Tuchel. "Wir müssen in allen Bereichen eine Schippe drauflegen. Es ist nie zu spät, eine Reaktion zu zeigen. Und ich habe das Gefühl, dass wir dazu bereit sind", sagte er.
Trotz einer "sehr guten Trainingswoche" fehlt Tuchel nach wie vor das totale Vertrauen in sein Starensemble. "Egal, wie schwer es uns fällt: Es muss durchdringen, dass wir uns reinbeißen müssen, Schritt für Schritt, Minute für Minute. Wir müssen es uns selber beweisen. Es geht mehr denn je nur noch um uns."
Erst hinterher könne man bewerten, ob die Mannschaft standesgemäß abgeliefert habe, so Tuchel. Seine Devise: malochen statt glänzen. Ohne Champions League und DFB-Pokal gibt es keine Ausreden mehr für missglückte Spiele, Siege sind mehr denn je alternativlos. Zumal das Restprogramm den Münchnern in die Karten spielt: Heimspiele gegen Hertha BSC, Schalke und RB Leipzig, Gastauftritte in Bremen und Köln.
Offensivspieler besonders gefragt
Damit ja nicht jemand auf die Idee kommt, die Zügel schleifen zu lassen, schärft Tuchel vorsichtshalber noch mal die Sinne der Spieler: "Der Standard bei Bayern München ist so hoch, dass du immer immer immer Topleistung bringen musst. Und wen Du nur fünf Minuten bekommst, musst du eben in diesen fünf Minuten liefern."
Das haben seine Spieler im Kollektiv zuletzt nicht ansatzweise hinbekommen, allen voran die Offensivakteure. Ohne den erneut verletzten Eric Maxime Choupo-Moting liegt der Fokus auf Thomas Müller, Serge Gnabry, Kingsley Coman, Jamal Musiala, Leroy Sané und Sadio Mané. Verdammt viel Qualität für fünf Siege bis 27. Mai.
Noch ist es nicht zu spät, dem ganzen Verein wieder Leben einzuhauchen.
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