FC Bayern - Oliver Kahn und Hasan Salihamidzic begründen Aus von Julian Nagelsmann: Feuerwerk der Widersprüche

Einen Tag nach der überraschenden Freistellung von Trainer Julian Nagelsmann haben die beiden Bosse des FC Bayern, Oliver Kahn und Hasan Salihamidzic, am Samstagmittag in der Allianz Arena Stellung bezogen und begründeten ihre Entscheidung. Viel Licht ins Dunkle brachten die beiden allerdings nicht, stattdessen verstrickten sie sich in Widersprüche und wichen immer wieder Reporterfragen aus.

Oliver Kahn (l.) und Hasan Salihamidzic - FC Bayern München

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Aus der Allianz Arena berichtet Dennis Melzer
Oliver Kahn und Hasan Salihamidzic waren merklich aufgewühlt, als sie am Samstagmittag im Presseraum der Münchner Allianz Arena ihre Plätze einnahmen, um das zu erklären, was sich viele Experten und Fans kaum erklären konnten: die Freistellung von Trainer Julian Nagelsmann tags zuvor.
Mit versteinerter Miene leitete Kahn die Pressekonferenz ein, ließ seinen Blick durch die Reihen schweifen, machte immer wieder bedeutungsschwangere Redepausen. "Ich glaube, die letzten Tage waren für uns alle schwierig. Gehen Sie davon aus, dass es die eine oder andere Nacht gab, in der ich nicht wirklich gut geschlafen habe. Das sind die Seiten des Jobs, die nicht besonders viel Spaß machen", sagte er.
Nagelsmann sei ein exzellenter Trainer, auch menschlich habe man sich während der gemeinsamen Zusammenarbeit, die sich über einen Zeitraum von 18 Monaten erstreckte, immer gut verstanden. Warum der 35-Jährige trotz veritabler Chancen auf eine titelreiche Saison am Freitag seinen Hut nehmen musste?
"Wir haben einen der besten Kader in Europa. Trotzdem ist die Leistungskontinuität nicht besser geworden. Mit Beginn der Rückrunde können wir mit den Resultaten und häufig gezeigten Leistungen nicht zufrieden sein", sagte Kahn und bezog sich damit auf den Umstand, dass der deutsche Rekordmeister seit Jahresbeginn nur fünf der zehn absolvierten Bundesligaspiele gewann (bei drei Unentschieden und zwei Niederlagen, d. Red.). Kahn weiter: "Das ist nicht unser Anspruch."

Kahn sah "Ziele gefährdet"

Der Vorstandschef ergänzte: "Natürlich hätten wir uns es einfach machen und das Ganze weiterlaufen lassen können. Wir hätten hoffen können, dass wir endlich die Konstanz bringen, die wir uns wünschen. Gegen Paris Saint-Germain hat die Mannschaft gezeigt, was sie kann. Aber wir sahen unsere Ziele für diese und die nächste Saison als gefährdet angesehen. Deshalb sind wir zu dem Entschluss gekommen, dass wir Julian freistellen."
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Julian Nagelsmann wurde beim FC Bayern München entlassen

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Die Entscheidung sei "wohlüberlegt" und mitnichten eine "emotionale Reaktion" auf die jüngste 1:2-Pleite bei Bayer Leverkusen gewesen. Hasan Salihamidzic, der in einem trauerschwarzen Anzug erschienen war, pflichtete seinem Vorredner bei, nachdem er die vertrauensvolle Zusammenarbeit mit Nagelsmann noch einmal hervorgehoben hatte: "Ich weiß, dass es keine populäre Entscheidung ist. Man kann sie verstehen oder eben nicht. Aber wir haben uns das - wie Oliver gesagt hat - wohlüberlegt."
Seit "März vergangenen Jahres" habe es immer wieder "wellenartige Leistungskurven" gegeben, meinte der Bosnier. "Wir haben uverständlicherweise Spiele aus der Hand gegeben. Im September hatten wir wieder solch eine Phase", so Salihamidzic. Er schob nach: "Vor der WM haben wir es gut gemacht, aber wenn man sich den zweiten Saisonpart anschaut, muss man sagen, dass es keine Phase mehr ist."

Nagelsmann: Von wegen "Langzeitprojekt"

So weit, so trivial. Das, was jedoch ganz Fußball-Deutschland in den vergangenen Tagen umgetrieben hatte, war neben den Gründen für das plötzliche Nagelsmann-Aus eine andere Gegebenheit: Warum hatten die Verantwortlichen, namentlich Salihamidzic und Präsident Herbert Hainer, Nagelsmann noch vor wenigen Tagen ganz offensiv den Rücken ("Langzeitprojekt", "Julian macht es sehr gut", d. Red.) gestärkt, wenn im Hintergrund schon deutliche Zweifel an der Arbeit des Coaches aufgekommen waren?
Als Kahn und Salihamidzic mit ebenjener Frage konfrontiert wurden, begann das Lavieren, das Duo verstrickte sich mehr und mehr in Widersprüche. "Wir haben von der ersten bis zur letzten Minute, bis zum Sonntagabend um 23:00 Uhr an Julian und sein Trainerteam geglaubt. Wir haben ihn unterstützt", sagte Salihamidzic. Ab 23:01 Uhr schwand dann offenbar der Glaube.
Worthülsen, die nur bedingt nach "wohlüberlegt" klingen und tatsächlich auf eine Panikreaktion schließen lassen. Obwohl Kahn deutlich machte, dass das Leverkusen-Spiel nicht der Grund war, obwohl Salihamidzic auf die Leistungsschwankungen seit März vergangenen Jahres verwies, ging es während der Pressekonferenz fast ausschließlich um das Duell mit der Werkself. "Wir waren in der ersten Halbzeit überhaupt nicht da. Wir haben keine Zweikämpfe geführt und wurden vorgeführt", sagte Salihamidzic.
Der Bosnier, der immer wieder auf die Bezeichnung "Konstellation" zurückgriff und ständig wiederholte, dass diese zwischen Mannschaft und Trainer nicht mehr gepasst hatte, ließ eine griffige Erklärung vermissen. Stattdessen flüchtete er sich in eine schwammige Ausführung.

Kahn und Salihamidzic weichen aus

"Das Abbild von allem sieht man auf dem Platz. Wir schaffen es nicht, eine homogene Leistung zu bringen. Wir bringen die Energie nur punktuell auf den Platz. Wenn eine Mannschaft und ein Trainer eigentlich 2 ergeben müssten und unsere Mannschaft 0,5 ist, dann kommen wir in der Analyse zu dem Ergebnis, dass wir reagieren müssen. Die Konstellation hat nicht mehr gestimmt", sagte er.
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Hasan Salihamidzic erklärt die Trennung von Julian Nagelsmann

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Erneuten Nachfrage, was denn mit Konstellation gemeint sei, wich Salihamidzic aus: "Wir haben ehrliche Spieler. Das sind super Jungs. Aber leider sieht man, dass sie ihre Topform nicht auf den Platz bringen. Darüber haben wir oft gesprochen. Es gibt Situationen, in denen man nicht erklären kann, warum das so ist. Julian ist ein Top-Trainer, aber die Konstellation hat nicht gestimmt."
Aussagen, die Raum für Interpretationen boten und vermittelten, dass Nagelsmann - zumindest bei Bayern - doch kein Top-Trainer war.
Auch Kahn übte subtil Kritik an Nagelsmann, auch er wand sich dabei. "Es ist gewollt, dass auch ich immer wieder versuche, mit den Spielern zu sprechen und Einfluss zu nehmen. Das ist uns gut gelungen. Wir hatten zu jeder Zeit ein klares Bild davon, wie die Spieler denken und wie sie fühlen."

Bayern-Bosse vermeiden Selbstkritik

Ein klareres Bild hätten sich wohl auch die Anwesenden von den beiden Bossen erhofft. Sonderlich einleuchtend wurde nämlich nicht dargelegt, welche entscheidenden Fehler dem frisch geschassten Nagelsmann beispielsweise im Umgang mit der Mannschaft unterlaufen waren. Es passte zur Kommunikation der vergangenen Tage.
Dass Nagelsmann im Ski-Urlaub über die Presse von seiner Kündigung erfuhr und der Verein erst rund 20 Stunden danach über dessen Freistellung informierte, warf kein gutes Licht auf die Führungsetage.
Doch von Selbstkritik keine Spur: "Als Julian das mitbekommen hat, war es für ihn schwer. Als Thomas Tuchel zugesagt hatte, haben wir als Erstes Julian angerufen. Wir konnten nichts dafür, dass es von einer dritten Person geleakt wurde", sagte Salihamidzic, der insgesamt die Meinung vertrat, dass der Verein sich "sehr korrekt und fair verhalten" habe.
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