FC Bayern siegt gegen den BVB souverän unsouverän - Trainer Thomas Tuchel mahnt nach wildem 4:2

Thomas Tuchel feiert beim FC Bayern München mit dem 4:2 (3:0) gegen Borussia Dortmund einen Einstand nach Maß, hält sich selbst dabei aber merklich im Hintergrund. Der Rekordmeister erobert die Tabellenführung der Bundesliga zurück, irritiert aber durch Störgeräusche. Die Entlassung von Julian Nagelsmann hallt in den Katakomben der Allianz Arena nämlich immer noch nach.

Tuchel nach Traumstart erleichtert: "War sehr nervös"

Quelle: SID

Alle Laufwege stimmen logischerweise noch nicht.
Weit nach Abpfiff, als alles gesagt war, irrte Thomas Tuchel ein wenig verloren durch die Katakomben der Allianz Arena. Raus auf den Parkplatz oder doch noch hoch in den VIP-Bereich? Freundliche Ordner halfen, dass der neue Trainer des FC Bayern München doch noch seinen Weg fand.
Zuvor hatte die Allianz Arena eines ihrer rauschenden Feste erlebt. Überraschend war der 4:2 (3:0)-Sieg der Bayern gegen Borussia Dortmund vor 75.000 Zuschauern freilich nicht, eher "business as usual" - es war der neunte Liga-Heimsieg der Bayern gegen den BVB in Folge, mit insgesamt 37:8 Toren.
"Die Situation hat eigentlich nichts anderes zugelassen, als dass wir ein super Spiel abreißen", meinte Thomas Müller und erklärte: "Wir standen mit dem Rücken zur Wand und haben in dieser Drucksituation geliefert - egal, wer da jetzt Trainer gewesen wäre. An die Grenze zu gehen, 90 Minuten fleißig sein - das hätten wir sowieso machen müssen. Das war völlig klar und entsprechend auch nichts Besonderes, dass wir diese Leistung rausbekommen haben."

Tuchel will nicht im Mittelpunkt stehen

So hätte es wahrscheinlich auch Tuchel unterschrieben, der sich in seinem ersten Spiel als Bayern-Coach merkbar zurückhielt. Der Ex-Dortmund-, Ex-PSG- und Ex-Chelsea-Trainer, dort überall eher überraschend und eher nach Dissonanzen mit Vereinsverantwortlichen ausgeschieden, vermied es am Samstagabend tunlichst, zu viel Aufheben über seine Person zu veranstalten.
Mit schwarzem Trainingsanzug und Käppi als Arbeitstier getarnt schritt er beinahe schüchtern in die Arena, ließ sich während des Spiels nur selten in seiner Coaching Zone blicken und nahm auch bei den vier Bayern-Toren eher die Beobachterrolle ein - bewusst, wie er hinterher verriet.
"Es war nicht der Moment für mich, im Mittelpunkt zu stehen - und das wird vielleicht auch nie so sein", erklärte er: "Ich bin froh, wenn meine Spieler glänzen und ihr Potenzial zeigen und mehr als happy, wenn sie vor den Fans feiern können."
Er selbst versuche nur, dabei zu helfen, "sie zu beeinflussen und eine gute Atmosphäre zu schaffen, in der jeder gerne zur Arbeit kommt. Bei allem anderen halte ich mich gerne raus."
picture

Nach Gala gegen den BVB: Tuchel äußert sich zu Sané

Quelle: Perform

Tuchel bemängelt fehlende Dominanz

Mit dem 4:2-Sieg seiner Mannschaft zeigte sich Tuchel prinzipiell natürlich sehr zufrieden; nach nervösem Start brachte BVB-Keeper Gregor Kobel die Bayern mit seinem Eigentor auf die Siegerstraße (13.), Thomas Müller legte schnell mit einem Doppelpack nach (18./23.), da war die Sache eigentlich schon gelaufen.
Was sich nach dem 4:0 durch Kingsley Coman (50.) jedoch in den letzten Minuten des Spiels abspielte, als der BVB durch einen Elfmeter von Emre Can (73.) und einen platzierten Schuss von Donyell Malen (90.) noch zur schmeichelhaften Ergebniskosmetik kamen, fand Tuchel unsouverän.
"Nach dem 4:0 hätte ich mir mehr Dominanz gewünscht und weniger Fehler", sagte der 49-Jährige. "Wild" und "hektisch" hätten die Bayern-Spieler phasenweise agiert, die zwei Gegentore zum Schluss bezeichnete er als "Stimmungsdämpfer".
"Es gab ganz viele positive Sachen, aber gleichzeitig auch noch richtig viel Luft nach oben. In der zweiten Halbzeit war es zu schlampig, was es mit zu vielen einfachen Ballverlusten eigentlich das ganze Spiel über war", meinte er. Fazit: "Wir sind erleichtert, aber nicht euphorisch. Es gibt schon noch was zu tun."

Kahn und Matthäus zoffen sich

Zum unsouveränen Eindruck gehörte auch der Zank zwischen Vorstandsboss Oliver Kahn und "Sky"-Experte Lothar Matthäus vor dem Spiel. Dort wurde Kahn, auf die Entlassung von Julian Nagelsmann angesprochen, ordentlich in die Mangel genommen, wand sich, versuchte zu erklären - und verstrickte sich derart in Widersprüche, dass ihn Matthäus später der "Lüge" bezichtigte.
Der Streitpunkt: Wann hatte Bayern eigentlich Nagelsmann über dessen Beurlaubung informiert und wie "stillos" sei das alles abgelaufen? Kahn vertrat die Meinung, richtig und Nagelsmann gegenüber auch transparent agiert zu haben, sein ehemaliger Mitspieler Matthäus sah das anders - wie auch Nagelsmanns Beratungsagentur "Sports360", die sich am Abend zu Wort meldete.
"Es gab keinen Kontakt und keinen Kontaktversuch der Bayern. Das Management von Julian Nagelsmann hat selbst nach den diversen Gerüchten in den Medien bei Hasan Salihamidzic angerufen", hieß es in einer Mitteilung.

Sommer: Nagelsmann hat die Kabine nicht verloren

Die von eben jenem Sport-Vorstand Salihamidzic vertretene Meinung, Nagelsmann habe zuletzt die Mannschaft gegen sich aufgebracht, wollte nach dem Dortmund-Spiel auch kein Bayern-Akteur bestätigen. "Ich hatte nie das Gefühl, dass Julian Nagelsmann die Kabine verloren hat, überhaupt nicht", sagte Yann Sommer.
Müller hielt sich dagegen eher ans Protokoll. "Selbst, wenn ich dazu eine Meinung hätte, würde ich sie hier nicht breittreten", sagte das Urgestein der Bayern.
Die Entlassung habe zwar auch ihn überrascht, letztlich mache das aber keinen Unterschied. "Unabhängig davon, welche Argumente man vertritt, ob dafür oder dagegen, geht es für uns Spieler jetzt darum, die nächsten Wochen so erfolgreich wie möglich zu sein. Der Rest ist Vergangenheit. Das Geschäft ist da schon sehr schnelllebig", schloss er.
Schließlich irrt ja jetzt auch schon Thomas Tuchel durch die Allianz Arena.
picture

Terzic enttäuscht: "Fahren mit einer Portion Wut nach Hause"

Quelle: Perform

Mehr als 3 Mio. Sportfans nutzen bereits die App
Bleiben Sie auf dem Laufenden mit den aktuellsten News und Live-Ergebnissen
Download
Diesen Artikel teilen
Werbung
Werbung