FC Bayern München: Start ins neue Jahr "verschlafen" - Warum der Motor des FCB in der Bundesliga noch stockt

Die erste Fußball-Party vor heimischer Kulisse im neuen Jahr fiel für den FC Bayern flach. Nachdem die Münchner zum Bundesliga-Restart bei RB Leipzig nicht über ein 1:1-Remis hinausgekommen waren, stand gegen den 1. FC Köln in der Allianz Arena erneut ein 1:1 zu Buche. Aus Julian Nagelsmanns Sicht "zu wenig". Doch nicht nur die mäßige Punkteausbeute macht dem FCB zu schaffen.

Gnabry in der Kritik: Bayern-Trainer Nagelsmann nimmt Stellung

Quelle: Perform

Hasan Salihamidzic brachte den Start ins neue Jahr aus Sicht des FC Bayern auf den Punkt. "Ich würde sagen, wir haben den Wiederbeginn der Saison klassisch verschlafen. Wir sind einfach nicht gut aus der Winterpause gekommen", sagte der Sportvorstand im Anschluss an das zweite Unentschieden im zweiten Spiel nach dem Bundesliga-Restart.
Brazzo ergänzte: "Es ist höchste Zeit, dass wir umschalten und begreifen, dass es um die Meisterschaft geht." Er habe das Gefühl, dass dies noch nicht bei allen Spielern angekommen sei. Die Kritik an Serge Gnabry legte nahe, dass der Nationalspieler einer derjenigen ist, dessen Fokus aus Salihamidzics Sicht derzeit noch nicht auf dem Wesentlichen liegt.
Gnabry hatte seinen freien Sonntag für einen privaten Kurzausflug nach Paris genutzt, um der Fashion Week beizuwohnen. Seinen Besuch hatte der modebewusste Offensivmann auf seinen Social-Media-Kanälen dokumentiert – und damit vor allem den Boulevard auf den Plan gerufen.
Schon vor dem Duell mit dem Effzeh wurde Trainer Julian Nagelsmann mit dem Paris-Abstecher seines Schützlings konfrontiert. "Ich habe die Überzeugung, dass ein Spieler in seiner Freizeit machen kann, was er möchte. Generell kannst du als normaler Arbeitgeber deinem Arbeitnehmer nicht vorschreiben, dass er sonntags um 10 Uhr in die Kirche geht, um 12 Uhr Mittagessen muss und um 14 Uhr einen Mittagsschlaf machen soll", erklärte der 35-Jährige.

Gnabry zur Halbzeit ausgewechselt

Allerdings müsse Nagelsmann "gewisse freie Tage" wie nach dem 1:1 bei RB Leipzig vor seinen Chefs rechtfertigen. "Da geht mir dann irgendwann die Argumentationskette flöten, wenn die sozialen Kanäle voll mit irgendwelchen Shootings sind." Der FCB-Coach weiter: "Wichtig ist, dass die richtige Antwort auf dem Platz kommt. Wenn die am Dienstag passt, ist es okay für mich. Wenn die nicht passt, dann ist es nicht okay."
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Serge Gnabry (M.) wurde zur Pause ausgewechselt

Fotocredit: Imago

Vollumfänglich gepasst hatte Gnabrys Leistung gegen Köln offenbar nicht, Nagelsmann nahm ihn in der Halbzeit für Kingsley Coman runter. Auf entsprechende Nachfrage antwortete er: "Ich bin niemand, der diese Boulevard-Themen bewertet. Ich bewerte das, was ich auf dem Feld sehe." Gnabrys Fashion-Week-Intermezzo habe nicht den Ausschlag gegeben. "Ich habe das Gefühl gehabt, dass wir nochmal frischen Wind brauchen", begründete der gebürtige Landsberger den Wechsel.

Salihamidzic sauer: "Das ist amateurhaft"

Salihamidzic wurde in den Katakomben der Arena mit Blick auf die Paris-Reise des Bayern-Stars weitaus deutlicher. "Das ist amateurhaft. Genau das, was ich nicht mag. Das ist nicht Bayern München. Irgendwo rumzuturnen, wenn man frei hat", schoss er in Gnabrys Richtung. Er schob nach: "Ein freier Tag ist dazu da, sich auszuruhen, um dann beim nächsten Spiel Gas geben zu können." Salihamidzic kündigte zudem eine Aussprache mit Gnabry an.
Doch Gnabrys Trip war vor und nach der Partie nicht das eigene Nebengeräusch. Nachdem der deutsche Rekordmeister die wochenlangen Spekulationen um die Vertretung des verletzten Kapitäns Manuel Neuer am vergangenen Donnerstag mit der Verpflichtung von Gladbach-Keeper Yann Sommer beendete, sorgte die Freistellung des langjährigen Torwart-Trainers Toni Tapalovic für mächtig Wirbel.

Tapalovic-Aus wird zum Politikum

Eine derartige Entlassung hätte bei anderen Vereinen medial wohl kaum Erwähnung gefunden, im Falle der Bayern wurde die Geschichte allerdings zu einer politischen Angelegenheit. Tapalovic ist seit vielen Jahren eng mit Neuer befreundet, gilt als Mentor des mehrmaligen Welttorhüters. Sein Aus an der Säbener Straße wird dementsprechend auch als eine deutliche Schwächung Neuers bewertet.
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Toni Tapalovic (l.) und Julian Nagelsmann

Fotocredit: Getty Images

Wenig überraschend versuchten die Verantwortlichen unisono, das Ende der Tapalovic-Ära nicht mit Neuers Stellung in Verbindung zu bringen. "Das ist keine Entscheidung gegen Manuel Neuer – das ist wichtig", sagte Nagelsmann. Salihamidzic bekräftigte: "Das hat mit Manu überhaupt nichts zu tun, sondern damit, dass wir uns auf der Position neu orientieren wollten."
Dennoch hatte das Ganze einen Beigeschmack. Zumal der Rauswurf angeblich vor allem auf interne Differenzen zwischen Nagelsmann und Tapalovic zurückzuführen war. Wie "Sport1" berichtete, habe Nagelsmann missfallen, dass Tapalovic Interna aus der Trainerkabine an Neuer herantrug.

Nagelsmann: "Miteinander nie so entstanden"

"Alle Verantwortlichen haben die Entscheidung getroffen, aufgrund von Dingen, die in der Vergangenheit passiert sind. Ganz alltägliche Dinge", gab Nagelsmann bei "Sky" kryptisch zu Protokoll. Er führte aus: "Ich bin keiner, der mit dem Finger auf andere zeigt, es haben immer mehrere Parteien eine tragende Rolle. Dieses Miteinander ist nie so entstanden, wie wir uns das vorgestellt haben. Deswegen haben wir den Schritt vollzogen."
Neuer reagierte emotional auf besagten Schritt: "Mit dir verlässt nach 11,5 Jahren nicht nur ein absoluter Pionier des modernen Torwartspiels, sondern vor allem ein großartiger Mensch den Klub", schrieb er in einem Post bei Instagram, den er mit einem gemeinsamen Foto versah. Der 36 Jahre alte Schlussmann abschließend: "Ich werde Dich vermissen."
Die Querelen abseits des Feldes schienen sich gegen Köln auch auf das Team ausgewirkt zu haben. Besonders in der ersten Halbzeit wirkten die favorisierten Hausherren fahrig, nach vier Minuten hatte es im Anschluss an eine Ecke im Kasten von Neu-Torhüter Sommer bereits geklingelt.

Kimmich wird deutlich: "Müssen wir abstellen"

Joshua Kimmich, der die Bayern mit einem herrlichen Fernschuss-Tor in der letzten Spielminute vor einer Niederlage bewahrt hatte, fand im Nachgang kritische Worte für die Leistung in den ersten 45 Minuten. "Wir müssen über die erste Halbzeit sprechen, gerade was unsere Herangehensweise, Bereitschaft und Einstellung angeht", monierte er.
"Wir kriegen wieder ein Tor nach einem Standard. Wir haben schon in der Hinrunde das eine oder andere Tor nach einem Standard bekommen. Das müssen wir schleunigst abstellen", forderte der Mittelfeldmann und hatte auch gleich einen Plan parat: "Das ist relativ einfach zu ändern. Es ist keine Sache von Taktik, Technik oder Fitness. Es geht einfach um die Bereitschaft. Und ich erwarte, dass wir das relativ schnell geändert bekommen."

FC Bayern vor den Wochen der Wahrheit

Tatsächlich sollten die Bayern ihre Baustellen zeitnah beheben. Am Samstagabend gastiert die formstarke Eintracht aus Frankfurt in der Allianz Arena (18:30 Uhr im Liveticker). Sollte die SGE am Mittwoch drei Zähler aus Freiburg entführen, besteht die Möglichkeit, punktetechnisch mit den Münchnern gleichzuziehen.
Danach stehen mit den Auswärtsspielen in Mainz (DFB-Pokal-Achtelfinale) und Wolfsburg zwei weitere Härteprüfungen auf dem Programm. Mitte Februar steigt dann der erste Part des zweiteiligen Champions-League-Krachers gegen Paris Saint-Germain. Wenn Gnabry dann in der französischen Hauptstadt aufschlägt, hat die Fashion Week längst für die Wochen der Wahrheit Platz gemacht.
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Nagelsmann zu Tapalovic-Trennung: "Keine Entscheidung gegen Manu"

Quelle: Perform

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