Karim Adeyemi ist Borussia Dortmunds Trumpf im Titelkampf mit dem FC Bayern München
Karim Adeyemi kam als europaweit gefeierter Shootingstar zum BVB, brauchte aber gut ein halbes Jahr Anlaufzeit, um durchzustarten. Inzwischen ist er nicht nur Leistungsträger bei Schwarz-Gelb, sondern zählt zu den besten Flügelspielern der Bundesliga. Im Meisterschaftskampf mit dem FC Bayern München ist er längst zum X-Faktor avanciert. Nicht nur aufgrund der herausragenden Quote in der Rückrunde.
Terzic gerät bei Adeyemi ins Schwärmen: "Herausragend"
Quelle: Perform
Für einen kleinen Moment fühlte man sich am frühen Sonntagabend in Dortmund an die Hinrunde erinnert.
In der 65. Minute kniet Karim Adeyemi fassungslos im gegnerischen Strafraum, das Gesicht tief in die eigenen Hände vergraben. Sekunden zuvor hatte er einen Elfmeter fast schon kläglich über den Kasten des VfL Wolfsburg gejagt.
Ein Fehlschuss, den der Jungnationalspieler auch bei seiner Auswechslung knapp fünf Minuten später noch nicht verarbeitet hatte. Mit hängendem Kopf klatschte er erst mit Giovanni Reyna an der Seitenlinie ab und musste dann von Trainer Edin Terzic getröstet werden.
Dass dieser dabei über beide Ohren strahlte, machte deutlich: Folgenschwer war Adeyemis Fauxpas keineswegs, denn der BVB führte nach 59 Minuten bereits 5:0 (Endstand 6:0).
Anders als in der Hinrunde, als dem 30-Millionen-Euro-Mann aus Salzburg fasst nichts gelang, trübte einzig und allein die Enttäuschung über den verpassten ersten Dreierpack in der Bundesliga die Laune des 21-Jährigen.
Karim Adeyemi: Eine Hochgeschwindigkeits-Waffe
"Am Schluss tut es sehr, sehr weh", gab Doppelpacker Adeyemi nach Spielende am "DAZN"-Mikrofon zu und haderte: "Ich habe mich für mich selber sehr geärgert, dass ich hier nicht die drei Tore machen konnte." Fast schon beschämt fügte der gebürtige Münchner an, dass er den Elfmeter lieber seinem eingewechselten Kapitän Marco Reus hätte überlassen sollen.
Mit schelmischem Blick befand auch Trainer Terzic auf der anschließenden Pressekonferenz, dass Adeyemi "vielleicht ein bisschen zu viel" wollte. "Die anderen Aktionen, die er hatte, waren außergewöhnlich. Nicht nur die Tore, sondern auch seine Beschleunigung im Eins-gegen Eins" seien "schwer zu verteidigen", lobte der Coach vielschichtig.
Wie kompliziert es ist, Adeyemi aufzuhalten, bekommen seine Gegenspieler seit Jahresbeginn im Wochentakt zu spüren. Blieb er in der Hinrunde noch gänzlich ohne Ligator, erzielte er in der Rückrunde bereits deren sechs. Zudem bereitete er seit dem Jahreswechsel fünf Treffer vor - dies gelang keinem anderen Bundesligaspieler in diesem Zeitraum.
Stellvertretend für den Höhenflug steht sein 1:0-Siegtreffer im Achtelfinal-Hinspiel der Champions League gegen den FC Chelsea. Adeyemi nahm einen hohen Ball auf Höhe der Mittellinie perfekt herunter, entwischte im Vollsprint allen Verfolgern und umkurvte nach einem 50-Meter-Solo Keeper Kepa.
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Adeyemi trifft nach Traumsolo gegen Chelsea
Fotocredit: Getty Images
"Es ist immer eine Waffe, 36,5 km/h auf dem Platz zu haben", weiß Terzic. "So stellen wir uns das vor und dann verzeihen wir ihm auch, dass er mal einen Elfmeter über das Tor jagt."
Khedira: Adeyemi bester Außenspieler der Liga
Adeyemis Repertoire beschränkt sich jedoch längst nicht nur auf Highspeed-Dribblings. Zuletzt bewies er auch, dass er mit einer sensationellen Sprungkraft gesegnet ist und so seine vergleichbar geringe Körpergröße (1,80 Meter) wettmachen kann.
Im Heimspiel gegen Eintracht Frankfurt (4:0) bereitete er enorm hoch in der Luft stehend Donyell Malens 2:0 per Kopf vor, gegen Wolfsburg übersprang er vor seinem 1:0 den acht Zentimeter größeren (1,88 Meter) Joshua Guilavogui.
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Karim Adeyemi steigt höher als Joshua Guilavogui und erzielt das 1:0 für den BVB gegen den VfL Wolfsburg
Fotocredit: Getty Images
Für die Borussia wird der pfeilschnelle Offensivmann von Woche zu Woche wichtiger. Zusammen mit Malen, der bereits 2021 von der PSV Eindhoven für rund 30 Millionen Euro zum BVB wechselte, bildet Adeyemi die derzeit formstärkste Flügelzange der Bundesliga. Für "DAZN"-Experte Sami Khedira ist Adeyemi sogar der aktuell beste Außenspieler der Bundesliga und ganz klar ein Mann für die Heim-EM 2024.
Eine Argumentation, der dieser Tage nicht schwer zu folgen ist - auch wenn Spieler und Verein gut daran tun, sich auf kurzfristigere Ziele als das Großevent im kommenden Jahr zu konzentrieren.
Adeyemi ist Trumpf im Meisterrennen
Gemeint ist natürlich der Titelkampf mit dem FC Bayern. Drei Spieltage vor Schluss liegt der Rekordmeister einen Zähler vor der Borussia, die in den letzten Wochen in Stuttgart (3:3) und Bochum (1:1) entscheidende Punkte liegen ließ und nun auf einen weiteren Patzer der Münchner hoffen muss.
"Wir haben es leider nicht in der eigenen Hand. Aber wir haben Lust und ich bin überzeugt, dass wir die nächsten Spiele auch gewinnen", sagt Adeyemi selbstbewusst. Borussia Mönchengladbach und der FSV Mainz 05 sind noch in Dortmund zu Gast. Zudem wartet ein letztes Auswärtsspiel am vorletzten Spieltag in Augsburg. Die Münchner bekommen es zuhause noch mit Schalke und Leipzig sowie auswärts mit dem 1. FC Köln zu tun.
Adeyemis Frustration nach dem verschossenen Elfer gegen die Wölfe steht sinnbildlich für das, was der BVB im Saisonendspurt braucht: Gier.
Denn wenn die Westfalen ihre Hausaufgaben ohne weiteren Ausrutscher erledigen, ist das letzte Wort in Sachen Meisterschaft noch nicht gesprochen.
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Terzic nach BVB-Schützenfest: "Diese Saison wirkt sehr verrückt"
Quelle: Perform
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