VAR-Reform, bitte! Video-Schiedsrichter nach Skandal im Top-Spiel zwischen Frankfurt und dem BVB am Pranger

Im Topspiel zwischen Borussia Dortmund und Eintracht Frankfurt kam es zum großen Knall. Eine klare Fehlentscheidung brachte die SGE wohl um einen möglichen Punktgewinn und die deutsche Fußball-Welt zur Weißglut. Der LIGAstheniker meint: Der umstrittene Videoschiedsrichter braucht unbedingt eine Reform - sonst ist der VAR tot. Ein Kommentar von Thilo Komma-Pöllath.

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Quelle: Perform

Liebe FußballfreundInnen,
ich weiß nicht, ob Ihnen das bewusst geworden ist, aber mit der Einführung des Videoschiedsrichters, kurz VAR, hat sich die Zahl der offiziellen Bundesligaspiele pro Saison verdoppelt.
Es gibt das Spiel auf dem grünen Rasen, für das der Schiedsrichter Verantwortung trägt. Und es gibt das Spiel im inzwischen berüchtigten "Kölner Keller", für das der Videoschiedsrichter Verantwortung trägt.
Erst die Summe aus beidem ergibt am Ende das offizielle Spielergebnis, das objektiv richtig und gerecht sein soll.

Sündenfall in Frankfurt

Ein enges und wichtiges Spiel wurde am Ende auch durch eine Lüge entschieden, die jeder gesehen hat - nur die beiden Verantwortungsträger nicht: die Schiedsrichter.
Seit Einführung des VAR in der Saison 2017/18 habe man jedes Jahr - nachweisbar - bis zu einhundert Fehlentscheidungen und mehr korrigieren können, sagen die Verfechter des Systems bei der DFL.
Andererseits hat es zahlreiche Entscheidungen gegeben, mit denen gerade der Videoassistent das Spiel und damit die sportliche Chancengleichheit verzerrt hat. Das, was am Wochenende in Frankfurt passiert ist, ist ein Sündenfall, den sich die Bundesliga nicht länger leisten kann.

Glaubwürdigkeit des VAR im Keller

Gruseliger noch als die eigentliche Fehlentscheidung waren die Erklärungen, die das Versagen hinterher nachvollziehbar machen sollten. Eine nachvollziehbare Argumentation wäre wichtig für die Glaubwürdigkeit des ganzen VAR-Systems gewesen. Aber das, was dann kam, dürfte den Fan eher noch mehr verunsichert haben.
Noch mal kurz aufgedröselt: Kurz vor der Pause schubste Dortmunds Karim Adeyemi Frankfurts Jesper Lindström im Fünfmeterraum unmittelbar vor einem möglichen Torschuss. Statt Elfmeter für Frankfurt, gibt es Freistoß für Dortmund.
Schiedsrichter Sascha Stegemann hatte das Foul nicht gesehen, wohl aber, dass Lindström mit der Hand auf den Ball fiel. Das kann so immer passieren!
Der VAR griff aber nicht ein, obwohl während der Live-Übertragung alle Zuschauer sehen konnten, dass es ein Foul war. Das darf wiederum nicht passieren! Warum hat der VAR nicht eingegriffen? War er kurz austreten? Hatte er eine Ohnmacht? Ist er Dortmund-Anhänger? Stromausfall? Irgendeine natürliche Begründung?
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Sascha Stegemann erklärte die Fehlentscheidung im Topspiel zwischen Frankfurt und Dortmund

Fotocredit: Imago

TV-Zuschauer sieht mehr als Videoschiedsrichter

Der völlig geständige und ob seiner Fehlentscheidung niedergeschlagene Schiedsrichter Stegemann erklärte hinterher eine Fehlerkette, bei der man sich im sechsten VAR-Jahr Augen und Ohren reiben musste.
Der Videoassistent, so Stegemann, habe nur auf vier Standard-Kameras geschaut, auf denen das Vergehen nicht zu sehen gewesen sein soll. Für die Fernsehzuschauer reichten zwei Blickwinkel, um zu erkennen, dass es sich um ein Dortmunder Foulspiel handelte - nur der Profi im Keller erkannte bei vieren nichts?
Hat er das ganze Spiel auf diesen vier Standardkameras (Welche Perspektiven zeigen die eigentlich?) verfolgt, tut er das immer so und verpasst womöglich regelmäßig Spielentscheidendes?
Stegemann beklagte zudem die viel zu langen Entscheidungsprozesse im Kölner Keller, offensichtlich eine generelles und kein explizites Problem, weshalb der eigentliche Rasenschiedsrichter in der Luft hängt und verunsichert wird. So musste man das verstehen. Das also ist die Ideallösung VAR?

Videoassistent überfordert mit Instantsport Fußball

Der Fußball ist wie jeder Livesport ein Instantereignis, das im Moment entschieden werden muss. Das Spiel läuft zu jeder Sekunde fort. Nur ein Videoassistent, der nichts sieht und sich nicht sicher ist und deshalb unter Zeitdruck Fehler macht, hebelt diese Logik aus.
Ist der VAR also noch das richtige System? Abschaffen, wie Frankfurts Sportvorstand Markus Krösche fordert oder doch beibehalten, wie Dortmunds Profiteur Sebastian Kehl erklärte? Eines ist seit Frankfurt jedenfalls klar: Ohne grundsätzliche Reformen wird dieser VAR nicht überleben.
Vielleicht ist das ganze VAR-System auch falsch aufgehängt. Wenn der Videoassistent mit der Vielzahl der Situationen, Blickwinkel und Bildschirme und mit dem Druck, sofort reagieren zu müssen, überfordert ist - warum die systemische Logik nicht umdrehen?
Der Rasenschiedsrichter entscheidet per se das Spiel auf dem Rasen. Pro Halbzeit bekommt jedes Team eine Option, kritische Entscheidungen vom VAR überprüfen zu lassen, für die er wiederum ausreichend Zeit bekommt, alle Blickwinkel und Kameras überprüfen zu können. Nicht, dass das andere Sportarten wie Hockey oder Tennis längst mit großem Erfolg vorgemacht haben.
Dieser VAR simuliert für den Fußball einen Anspruch auf vollkommene Gerechtigkeit, den es im wahren Leben so nie gibt und der deshalb auch im Fußball scheitern muss. Die Wahrheit liegt auf dem Platz, heißt einer der ältesten Mythen des Spiels. Von einer Wahrheit aus dem Keller ist nichts überliefert.

Zur Person Thilo Komma-Pöllath:

Der Sportjournalist und Buchautor ("Die Akte Hoeneß") beleuchtet in seinem wöchentlichen Blog "Der LIGAstheniker" das Geschehen in der Fußball-Bundesliga für Eurosport.de. Oft skeptisch, ironisch, kritisch - aber einer muss schließlich den Ball flach halten.
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Glasner-Klartext zur Elfer-Szene: "Schiri wurde im Stich gelassen"

Quelle: Perform

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