VAR-Desaster im Spiel Eintracht Frankfurt gegen Borussia Dortmund: So ist der Videoschiedsrichter völlig nutzlos
VonThomas Gaber
Publiziert 30/10/2022 um 00:12 GMT+2 Uhr
Borussia Dortmund gewinnt am 12. Spieltag der Bundesliga mit Glück und dank der Paraden von Torhüter Gregor Kobel 2:1 bei Eintracht Frankfurt. In erster Linie holt der BVB die drei Punkte aber aufgrund des Versagens des Videoschiedsrichters. Der nicht gegebene Elfmeter für Frankfurt nach einem klaren Foul von Karim Adeyemi an Jesper Lindström führt die Sinnhaftigkeit des VAR ad absurdum.
Glasner-Klartext zur Elfer-Szene: "Schiri wurde im Stich gelassen"
Quelle: Perform
Oliver Glasner hatte irgendwann keine Lust mehr. "Lasst uns lieber über unsere tolle Leistung sprechen", bat der Trainer von Eintracht Frankfurt im "Sky"-Interview.
Es ehrt den Österreicher, dass er den Fokus auf das Sportliche lenken wollte, doch die zugegebenermaßen starke Vorstellung der Eintracht beim unglücklichen 1:2 gegen den BVB war bei der Analyse des Bundesliga-Topspiels am Samstagabend Nebensache.
In der 43. Minute hatte sich nämlich der bis dato größte VAR-Skandal der Saison ereignet. Dortmunds Karim Adeyemi brachte den Frankfurter Jesper Lindström mit einem vorsätzlichen Schubser im Strafraum eindeutig zu Fall, als der Stürmer gerade aufs Tor schießen wollte.
Schiedsrichter Sascha Stegemann verweigerte den fälligen Elfmeter und ließ weiterlaufen. Aber es gibt da ja noch den VAR, der genau für solche Situationen eingeführt wurde: Macht der Schiedsrichter einen klaren Fehler, schaltet sich der Videoschiedsrichter ein.
Markus Krösche geht an die Decke
Warum er das in dieser Szene nicht getan hat, bleibt sein Geheimnis. Eine Erklärung können sich die Herren im Kölner Keller eigentlich auch sparen - es gibt schlichtweg keinen plausiblen Grund für das fehlende Einschreiten. Bei der Ansicht der TV-Bilder kann es keine zwei Meinungen geben.
"Das ist ein glasklarer Elfmeter. Ich frage mich, warum wir das Ding haben, wenn wir es nicht nutzen", polterte Frankfurts Sportdirektor Markus Krösche und nahm Schiedsrichter Stegemann in die Mangel: "Das ist eine Schlüsselszene in einem engen Spiel. Wenn der Schiedsrichter eine falsche Entscheidung trifft - ok. Aber wir haben den Assistenten - dann melde dich halt! Wenn du ihn nicht nutzt, mein Gott, dann lass es sein. Dann stampf den Keller ein. Wenn der Schiedsrichter es nicht sieht, muss er nachfragen. Ich weiß nicht, ob er es gemacht hat, aber das sind Sachen, die mir tierisch auf den Sack gehen. Das ist ein Witz."
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Quelle: Perform
Stegemann konnte Krösches Verdacht der fehlenden Kommunikation zwischen Schiedsrichter und VAR nach dem Spiel entkräften. "Auf dem Spielfeld stellte sich die Situation für mich so dar, dass es zu einem normalen Körperkontakt kam zwischen den Spielern. Ich konnte keinen klaren Impuls für ein Foul erkennen. Das habe ich so entsprechend zum VAR nach Köln transportiert", sagte Stegemann bei "Sky".
Der VAR habe die Situation infolgedessen gecheckt und "als nicht klar und offensichtlich falsch eingestuft", so der Referee. "Daher lief das Spiel weiter. Der VAR hat mich auch nicht darauf hingewiesen, mir die Szene noch einmal anzuschauen."
Oliver Glasner nimmt Schiedsrichter in Schutz
Dass Stegemann falsch entschieden hat, kann passieren. Die TV-Bilder zeigen, dass er einen ungünstigen Blick auf die Szene hatte. Er wäre in diesem Fall auf die Hilfe des VAR angewiesen, doch der interpretierte die Szene völlig falsch.
Das sieht auch Stegemann so. "Wenn ich jetzt die Bilder sehe mit den entsprechenden Kameraperspektiven, muss man klar konstatieren, dass es hier einen Strafstoß für Eintracht Frankfurt hätte geben müssen", sagte er.
Rückendeckung bekam Stegemann von Glasner. "Der Schiedsrichter sind die Ärmsten. Er wartet auf das Zeichen von oben und das kommt nicht", sagte der Eintracht-Coach und ließ einen zynischen Kommentar folgen: "Das ist ein klarer Elfmeter und auch eine Rote Karte. Aber es ändert nichts, wir werden den Elfmeter nicht mehr bekommen. Zumindest glaube ich das nicht."
Wenn der VAR bei derart klaren Fehlentscheidungen eines Schiedsrichters nicht eingreift, obwohl er sich die Szenen aus mehreren Blickwinkeln anschauen kann, ist er nicht zu gebrauchen. Szenen wie jene in der 43. Minute von Frankfurt führen die Sinnhaftigkeit des Videoassistenten ad absurdum.
Ex-Schiedsrichter Manuel Gräfe greift den DFB an
Markus Krösche kann mit dem VAR schon lange nichts mehr anfangen und wurde am Samstagabend bestätigt. "Wir haben die Diskussionen um den Videoassistenten die ganze Zeit. Ich habe 840 Mal darüber diskutiert, auch mit dem Klubs und den Schiedsrichtern. Ich weiß nicht, was sie machen und wie sie ihn einsetzen. So brauchen wir es jedenfalls nicht machen. Dann sage ich lieber, der Schiedsrichter macht einen Fehler. Das ist menschlich und kein Problem", sagte er.
Das Dilemma mit dem VAR bekommt zusätzlichen Zündstoff durch einen Tweet des ehemaligen FIFA-Schiedsrichters Markus Gräfe.
"Die Jungs scheinen z.T. völlig von der Rolle bzw. orientierungslos. Bin gespannt, wann sie beim DFB ihrer Obhutspflicht den SR + dem Fußball ggü. nachkommen", schrieb Gräfe mit dem Hinweis auf drei Szenen an diesem Bundesliga-Samstag. Auch in den Spielen zwischen Stuttgart und Augsburg bzw. dem FC Bayern und Mainz gab es Fehlentscheidungen, doch keine war annähernd so gravierend wie die in Frankfurt.
Wenn der VAR so gehandhabt wird, hat er keine Daseinsberechtigung mehr.
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