Marco Rose erlebt mit RB Leipzig bittere Rückkehr nach Mönchengladbach - Sachsen suchen ihr Selbstverständnis
Publiziert 18/09/2022 um 13:11 GMT+2 Uhr
So hatte sich Marco Rose seine Rückkehr in den Borussia-Park sicher nicht vorgestellt: Neben Gladbacher Pfiffen und Schmähplakaten gegen RB und ihn, gab es für den neuen Leipzig-Coach auch noch eine deftige 0:3-Klatsche. Die Euphorie nach dem 3:0 vergangene Woche gegen den BVB scheint direkt wieder verflogen. Stattdessen befinden sich die Sachsen weiter auf einem beschwerlichen Selbstfindungstrip.
Marco Rose verlor mit RB Leipzig bei Borussia Mönchengladbach 0:3
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Aus Mönchengladbach berichtet Andreas Morbach
Die Ratlosigkeit stand Yussuf Poulsen ins Gesicht geschrieben, als er im Kellergeschoss des Borussia-Parks nach Erklärungen für die nächste deftige Pleite der Leipziger suchte. 0:4 in Frankfurt und 1:4 in der Champions League gegen Donezk hatten sie unter Domenico Tedesco in dieser Saison schon verloren. Mit Marco Rose ist seit eineinhalb Wochen deshalb jetzt ein neuer Übungsleiter vor Ort. Und der begab sich nach dem 0:3 an seinem früheren Arbeitsplatz im Rücken von Poulsen gerade auf eine kleine Zeitreise.
Während der eingewechselte RB-Angreifer, in Badeschlappen und mit gebeugtem Oberkörper an ein Geländer gestützt, irgendwann mit klarem Sinn analysierte, dass sich die Leipziger Spieler "gegenseitig im Stich lassen", drückte Rose eine Mitarbeiterin der Gladbacher fest an sich. Danach wechselte er ein paar freundliche Worte mit den örtlichen Aufpassern und herzte der Reihe nach die Borussen-Kicker, die zum Auslaufen zurück ins Stadion trabten.
In dessen Nordkurve hatten die Fans des Rautenklubs nach einer halben Stunde kurz hintereinander bereits zwei böse Transparente, unter anderen gegen Borussias langjährigen Sportdirektor Max Eberl, dessen Wechsel zu RB demnächst verkündet werden dürfte, platziert.
Doch als sie in der 41. Minute ihre dritte Botschaft ("Ein Hurensohnverein stellt nur Hurensöhne ein") ausbreiteten, ließ Schiedsrichter Patrick Ittrich via Stadionsprecher ausrichten, er werde die Partie unterbrechen, sollte das Plakat nicht abgehängt werden.
Rose erhält Zuspruch von Kramer
In der 43. Minute war das Spruchband, das neben Eberl auch Rose übel attackierte nahm, wieder verschwunden. Ein Teil der Gladbacher Anhängerschaft hat dem gebürtigen Leipziger nie verziehen, dass er das mit Eberl erfolgreich begonnene Projekt am Niederrhein nach nur zwei Jahren mit seinem drei Monate vor Saisonende verkündeten Wechsel nach Dortmund gestoppt hatte. "Sie haben von Anfang an jedes Maß und jede Sachlichkeit vermissen lassen", retournierte Rose nun – und meinte lakonisch: "Deshalb muss ich das wohl so hinnehmen."
Zuspruch gab es immerhin von seinen früheren Spielern, die den Sachsen mit ihrer besten Saisonleistung zwischenzeitlich kaum Luft zum Atmen ließen.
Christoph Kramer, der zum ersten Mal seit dem WM-Finale 2014 auf der Zehner-Position spielte und diese exzellent interpretierte, bezeichnete die Botschaften auf den Plakaten als "absolute Sauerei" und betonte: "Marco Rose ist als Trainer und Mensch überragend. Ich mag ihn unheimlich gern."
RB-Boss Mintzlaff ernüchtert
Unheimlich ernüchtert vom dritten Leipziger Auftritt unter der Leitung des 46-jährigen Rose war dagegen erst einmal Oliver Mintzlaff. Der versteinerte Blick, mit dem der RB-Boss die Gladbacher Treffer durch den Doppeltorschützen Jonas Hofmann sowie Linksverteidiger Ramy Bensebaini und den matten Auftritt des eigenen Teams auf der Tribüne verfolgte, sprach Bände.
Der starke Start unter Rose gegen Dortmund (3:0) und das gute, wenn auch 0:2 verlorene Champions-League-Spiel bei Real Madrid hatten bereits Hoffnungen auf einen zügigen Umschwung allein durch den Übungsleitertausch aufkeimen lassen.
"Man kann vom Trainer nicht erwarten, dass über Nacht plötzlich alles funktioniert", sagte Mintzlaff nun. Zugleich gab er bei nur drei Punkten Vorsprung auf einen direkten Abstiegsplatz zu bedenken: "Mit der Länderspielpause und den Englischen Wochen, die folgen, wird das natürlich schwierig."
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Yussuf Poulsen im Duell mit dem Gladbacher Nico Elvedi
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RB Leipzig sucht das eigene Selbstverständnis
Das ahnt nach den Eindrücken vom Samstagabend auch Marco Rose. Denn während der Gladbacher Kollege Daniel Farke den Erfolg seines "unpressbaren" Teams in dem "Leuchtturm- und Highlightspiel" gegen die eigentlich als Pressing-Mannschaft bekannten Leipziger genoss, dämmerte dem neuen Coach der Rasenballsportler, wie viel Arbeit tatsächlich vor ihm liegt.
Auf seiner Mängelliste führte Rose fehlende Gier und Klarheit auf dem Weg Richtung gegnerisches Tor, falsche Entscheidungen bei der Defensivarbeit sowie eine ausbaufähige Körpersprache an.
"Uns fehlt ein Stück weit das Selbstverständnis, das merkt man schon", brachte der 46-Jährige die Lage in Leipzig auf den Punkt.
Der ratlose Yussuf Poulsen mahnte an: "Wir wollen es einfach nicht genug, können uns nicht aufeinander verlassen." Und: "Das gab es leider schon häufiger in dieser Saison. Das geht so nicht, das müssen wir ganz schnell ändern."
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