Mario Götze überzeugt bei Eintracht Frankfurt in Pokal in Magdeburg: Mehr als das fehlende Puzzleteil

Mario Götze lieferte beim 4:0-Sieg im DFB-Pokal in Magdeburg ein starkes Pflichtspiel-Debüt für Eintracht Frankfurt ab. Der 30-Jährige überzeugte mit viel Spielwitz und großer Laufbereitschaft. Götzes Fähigkeit zu "allerhöchster Kunst" (Trainer Oliver Glasner) könnte den Europa-League-Sieger einen wichtigen Schritt nach vorne bringen - zumal Götze auch mental einen sehr guten Eindruck macht.

Mario Götze

Fotocredit: Imago

Oliver Glasner hatte Redebedarf. Großen Redebedarf am Ende einer weitgehend souveränen Vorstellung seiner Mannschaft im ersten Pflichtspiel der neuen Saison.
Der Trainer von Eintracht Frankfurt schnappte sich gleich mehrere Spieler einzeln hintereinander, um mit ihnen Dinge zu besprechen, "die mir nicht gefallen haben. Und davon gab es ein paar", wie Glasner nach dem 4:0 bei Zweitliga-Aufsteiger FC Magdeburg in der "ARD" sagte.
Konkret ging es dem Österreicher um eine schlampige Schlussphase und generell um einfache Ballverluste in der Vorwärtsbewegung.
Auch Mario Götze nahm sich Glasner zur Brust. "Wir haben noch mal allgemein über das Spiel gesprochen. Darüber, dass wir die Bälle nach der Balleroberung zu schnell wieder hergegeben haben. Es ist wichtig, dass wir das auch gleich ansprechen, nur so können wir uns als Mannschaft verbessern", sagte Götze.

Eintracht Frankfurt und die großen M-Festtage

Dabei sah das insgesamt schon sehr vernünftig aus, was die Eintracht am Montagabend ablieferte zu Beginn der M-Festtage. Pokal in Magdeburg, Bundesligastart gegen München und Supercup gegen Madrid - alles live zur besten Sendezeit im Free-TV. Das Los eines Europa-League-Siegers, der in der Saison 2022/23 ganz besonders im Fokus der Öffentlichkeit stehen wird.
Das hat nicht zuletzt mit der Verpflichtung von Mario Götze zu tun. Nach zwei Jahren bei der PSV Eindhoven ist der Weltmeistertorschütze von 2014 in die Bundesliga zurückgekehrt. Dort, wo Anfang der 2010er Götzes Stern bei Borussia Dortmund aufging und er zum größten Versprechen des deutschen Fußballs glorifiziert wurde.
Aber auch dort, wo seine Karriere in Dortmund und beim FC Bayern ins Stocken geriet und er keinen anderen Ausweg sah, als in der im internationalen Vergleich zweitklassigen Eredivisie einen Neuanfang zu starten.

Mario Götze Dreh- und Angelpunkt bei Eintracht Frankfurt

Diesen unternimmt er jetzt auch wieder in Deutschland. Bis zu seiner Auswechlsung in der 79. Minute durfte sich Götze in Magdeburg den deutschen Fußball-Fans präsentieren. Er konnte zeigen, wie viel noch ihm steckt mit 30 Jahren. Eindeutige Erkenntnis: jede Menge.
Götze war auf seiner Position im linken Halbraum hinter Sturmspitze Rafael Borré Dreh- und Angelpunkt der Frankfurter Angriffe, belieferte seine Mitspieler mit chirurgisch genauen Pässen und zeigte eine große Laufbereitschaft.
"Hervorragend", beurteilte Glasner Götzes Leistung. "Er hat sich super zwischen den Linien bewegt, kam oft mit dem ersten Kontakt am Gegner vorbei und hat die Spitzen glänzend einsetzt."
Das Führungstor von Daichi Kamada (4.) leitete Götze mit einem Chipball auf den auf der linken Außenbahn startenden Filip Kostic ein, der Treffer zum 0:2 durch Jesper Lindström (32.) hatte seinen Ursprung in einem genialen hohen Pass von Götze aus der eigenen Hälfte über drei Magdeburg-Verteidiger hinweg in den Lauf von Ansgar Knauff.

Oliver Glasner lobt Götze: "Allerhöchste Kunst"

Insbesondere das Zuspiel auf Knauff hatte es Glasner angetan. "Dieser weiträumige Blick, wenn der Gegner presst und dann die Lösung parat zu haben, das ist allerhöchste Kunst", lobte der Coach.
Dass Götzes Vorstellung nach dem Spiel auch im Fokus der Journalisten stand, nahm Glasner lächelnd zur Kenntnis.
"Ich amüsiere mich ein bisschen, dass mich jeder nach Mario fragt, obwohl Daichi Kamada zwei Tore geschossen hat", sagte er. "Normalerweise wird immer nach dem Torschützen gefragt oder nach dem Torhüter, der einen Elfmeter hält. Das zeigt einfach, welchen Stellenwert Mario in Deutschland immer noch genießt. Und er hat das heute eindrucksvoll bewiesen."
An Götzes fußballerischen Fähigkeiten hat auch während seiner schwierigen Phasen in München und Dortmund nie jemand gezweifelt. Es war eher die Frage, inwieweit der Kopf nach immer wiederkehrenden gesundheitlichen Rückschlägen noch mitmacht. Götze hinterließ in Magdeburg einen körperlich und mental sehr stabilen Eindruck.
"Mir geht es sehr gut. Ich habe schon in der Vorbereitung gemerkt, dass ich mit Eintracht Frankfurt die richtige Entscheidung getroffen. Trainer, Mannschaft, Fans, die Stadt - das Komplettpaket war einfach gut", sagte Götze.
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Auf einer Wellenlänge: Oliver Glasner (l.) und Mario Götze

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Mario Götze: "Ich kann das Puzzleteil sein"

In intensiven Gesprächen mit Glasner habe er gemerkt, dass beide die gleiche Vorstellung hätten, wie Götze in Frankfurt funktionieren kann. "Der Trainer lässt mir natürlich auch die Freiheiten. Ich glaube, ich kann vielleicht das Puzzleteil in dem System sein", sagte Götze bei "Sky".
Frankfurts großer Erfolg in der letzten Saison auf internationalem Terrain basierte auf dem Kollektiv. Starke Individualisten wie Kostic spielen schon länger für die Eintracht, mit Götze hat die Mannschaft jetzt auch einen Spieler, der in besonderen Momenten besondere Dinge machen kann.
Bei aller Euphorie über den Europapokal-Triumph war den Entscheidern in Frankfurt klar, dass sich eine Bundesligasaison mit Tabellenplatz elf in der Endabrechnung nicht mehr wiederholen darf. Eintracht Frankfurt will den nächsten Schritt machen und dazu gehört in erster Linie die Verbesserung des Kaders.
"Wir haben sehr viele Spiele bis zur Winter-WM und wollten den Kader in der Breite verbessern. Ich bin froh, dass die Jungs alle schon zu Beginn der Vorbereitung da waren. Das hat vieles erleichtert", sagte Glasner.

München und Madrid - die ganz große Bühne wartet

Besonders hoch hängen wollte Glasner den gelungenen Pflichtspielauftakt dennoch nicht: "Die Jungs sind noch nicht fertig und können alle noch besser werden. Wir haben noch viel Arbeit vor uns."
Das sah Sportvorstand Markus Krösche ähnlich: "Wir haben nach vorne Torgefahr entwickelt und uns fußballerisch aus dem Pressing lösen können. Aber wir noch viele Themen. Wir müssen an der Konsequenz arbeiten und haben zu viele Torchancen zugelassen." Und Götze habe das gemacht, "was wir von ihm erwartet haben", sagte Krösche.
Die nächsten beiden M-Gegner werden der Mannschaft mehr abverlangen als die tapferen Magdeburger. Bayern München und Real Madrid - Eintracht Frankfurt darf gleich zu Beginn der Saison auf der ganz großen Bühne vorspielen. Für die große Bühne braucht es große Könner.
Mario Götze gehört definitiv noch immer dazu.
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