Sadio Mané wurde in einem knallroten Audi vom Münchner Flughafen in den Stadtteil Nymphenburg chauffiert, vor dem Krankenhaus Barmherzige Brüder stieg der Neuzugang des FC Bayern aus.
Im schlichten blauen Gewand und mit einem Lächeln auf den Lippen betrat Mané die Klinik, in der er den ersten Teil seines obligatorischen Medizinchecks absolvierte, nach rund einer Stunde verließ er das Gebäude - mittlerweile in ein Bayern-Shirt gehüllt.
Die Ankunft des 30-Jährigen wurde akribisch dokumentiert, jeder Schritt Manés in seiner neuen Wahlheimat mit Kameras festgehalten.
Bundesliga
Mané äußert sich zu Transfer: Darum gehe ich zum FC Bayern
21/06/2022 AM 11:04
Es war eine kleine Mané-Mania, die in München zu beobachten war. Eine Szenerie, die vermittelte: Hier kommt kein "handelsüblicher", sondern ein ganz besonderer Spieler zum deutschen Rekordmeister.

"Wir saßen in meinem Garten ..." So kam der Mané-Deal ins Rollen

Das zeigte sich auch tags darauf bei der offiziellen Vorstellung. Eine Stunde lang prasselten die Fragen der Presse auf Mané, Oliver Kahn, Hasan Salihamidzic und Herbert Hainer nieder. Es ging um Sportliches, um die Rückennummer, um die Familie des Neuzugangs.

Nagelsmann staunt über Mané: "Das erlebt man selten"

Dabei ist zumindest Mané nicht unbedingt scharf auf derlei Trubel, vielmehr gilt der Offensivspezialist als bescheiden, der große Glamour liegt ihm fern.
"Ich bin ein Spieler, der daran glaubt, dass das Team das Wichtigste ist", betonte der Angreifer. Eine Phrase, sicher - aber eine, die bei ihm nicht hohl ist. Das bewies Mané während seiner sechs Jahre in Liverpool.
Und so erlebte ihn auch Julian Nagelsmann. "Sadio hat gleich im ersten Gespräch einen sehr, sehr selbstlosen Eindruck gemacht. Das ist außergewöhnlich bei einem Spieler mit einem so großen Namen", berichtete der Bayern-Coach im Interview auf der Vereinshomepage. Mané habe ihm "ganz zurückhaltend" versichert, dass er sich jede Position vorstellen könne. "Das erlebt man selten in einem ersten Gespräch, dass sich ein Spieler total in den Dienst des Vereins und dem Trainer zur Verfügung stellt."

Sadio Mané vor dem Logo des FC Bayern

Fotocredit: Imago

Sadio Mané: "Ich habe gehungert"

Geboren wurde der Fußballprofi in einem kleinen Dorf namens Bambali im Süden des Senegal. Die finanziellen Mittel seiner Familie waren quasi nicht existent, der kleine Sadio sah sich in seiner Kindheit und frühen Jugend mit einem Leben in Armut konfrontiert. "Ich habe gehungert, ich habe in den Feldern gearbeitet, ich habe barfuß gespielt, ich bin nicht zur Schule gegangen."
Das Fußballspielen lernte er auf der staubigen Straße, gespielt wurde zumeist nicht mit richtigen Bällen, sondern mit Obst. "Manchmal haben wir Grapefruits gepflückt, um damit zu spielen", sagte er in der Dokumentation "Made in Senegal", die im vergangenen Jahr ausgestrahlt wurde. Mané ergänzte: "Es war nicht einfach. Das Leben dort war hart."

Sadio Mané

Fotocredit: Getty Images

Schon als Kind gab es für Mané ausschließlich den Fußball, er sollte das Ticket aus der Armut sein. Seine Familie sah ein anderes Leben für den talentierten Kicker vor, glaubte nicht daran, dass Mané eines Tages Geld mit dem Sport verdienen würde. "Wo ich geboren bin, bedeutet es, alles dafür opfern zu müssen, um Fußballer zu werden", verriet er bei "Made in Senegal".

Mané opferte alles - und floh in die Hauptstadt

Mané opferte alles. Eines Tages stieg er in einen Bus und schlug sich bis zur senegalesischen Hauptstadt Dakar durch, wo er in der Fußballakademie Generation Foot anheuern wollte. Ein Vorhaben, das sich zunächst schwierig gestaltete.
"Als ich damals am Probetraining teilnehmen wollte, schaute mich ein älterer Mann an", ließ Mané seine ersten Momente in Dakar revue passieren. "Der Mann fragte: 'Bist du hier für den Test?' Ich sagte: 'Ja.' Er fragte mich: 'Mit diesen Schuhen? Schau sie dir doch mal an, wie kannst du damit spielen? Und diese Hosen - hast du keine richtigen Fußballhosen?'"

Salihamidzic lobt "Mentalitätsmonster" Mané: "Das brauchen wir"

Mané habe dem Mann erklärt, dass es sich bei der Kleidung um seine "besten Sachen" handelt. "Ich wollte einfach nur spielen. Als ich dann auf dem Platz stand, war er überrascht. In meinem ersten Spiel habe ich vier Tore geschossen." Ein Bewerbungsschreiben, das fruchtete: "Der Mann kam danach zu mir und sagte: 'Dich nehme ich sofort! Du spielst in meiner Mannschaft.' So bin ich in die Akademie gekommen."

Metz-Scout über Mané: "Es war wie in einem Videospiel"

Während seiner Zeit bei Generation Foot traf Mané auf Oliver Perrin, einen Talentscout des französischen Klubs FC Metz. "Sadio fing den Ball am Elfmeterpunkt ab und rannte über das ganze Feld, bis er den entscheidenden Pass zum Torschützen spielte. Es war wie in einem Videospiel", sagte Perrin mit Blick auf seine ersten Eindrücke von Mané.
Kurz danach ging es für den pfeilschnellen Dribbler tatsächlich nach Metz. Nach anfänglichen Schwierigkeiten, die auch von einer Verletzung rührten, fing sich der damals 19-Jährige beim Zweitligisten und avancierte schnell zum Stammspieler.
Die Leistungen blieben nicht unbeobachtet, ein Jahr nach seiner Ankunft in Europa buhlte Red Bull Salzburg um Manés Dienste - und zahlte schließlich satte vier Millionen Euro für den Youngster. Eine Investition, die der Angreifer mit hervorragenden Darbietungen zurückzahlte.
Eingefleischten Bayern-Fans dürfte ein Mané-Auftritt im Dress der Mozartstädter noch in ganz besonderer Erinnerung geblieben sein.

Mané überragte im Test gegen die Bayern

Im Januar 2014 trafen die Roten Bullen in einem Freundschaftsspiel auf die Münchner und siegten schließlich 3:0. Besonders auffällig: Mané, der den Treffer zum zwischenzeitlichen 1:0 für Salzburg erzielt hatte. Schon damals hatte der eine oder andere damit gerechnet, dass der FCB den Stürmer ins Visier nehmen könnte.
Statt nach München wechselte Mané einige Monate später für 23 Millionen Euro zum FC Southampton. Bei den Saints hielt es ihn ebenfalls nur zwei Jahre, ehe der FC Liverpool anklopfte und 41 Millionen Euro auf den Tisch legte.

Jürgen Klopp und Sadio Mane

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Dass sich Mané unter Trainer Jürgen Klopp zu einem Weltklasse-Angreifer entwickelte, jahrelang zu den unumstrittenen Leistungsträgern zählte und somit erheblichen Anteil an den Reds-Erfolgen hatte, dürfte längst jedem Fußballfan geläufig sein.
Allerdings ist Mané der Erfolg nicht zu Kopf gestiegen. Ganz im Gegenteil. "Sadio Mané ist sehr zurückhaltend, sehr bodenständig", verriet sein ehemaliger Mitspieler Loris Karius jüngst im Gespräch mit "Sky". Statt in teuren Autos zu posen oder mit extravaganter Kleidung in Erscheinung zu treten, greift Mané seinem Heimatdorf Bambali finanziell unter die Arme.

Schulen und Krankenhäuser: Mané investiert in sein Heimatdorf

300.000 Euro stellte er 2019 für den Bau einer Schule bereit, im vergangenen Jahr investierte er rund 600.000 Euro für ein neues Krankenhaus. "Ich erinnere mich, dass meine Schwester zuhause geboren wurde, weil es in unserem Dorf kein Krankenhaus gab. Ich wollte eines bauen, um den Menschen Hoffnung zu geben", begründete Mané sein Engagement.

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Doch damit nicht genug, Mané liefert regelmäßig Kleidung und Nahrung in seine Heimat, zudem überweist er jeder Familie in Bambali 70 Euro monatlich und plant den Ausbau eines 4G-Netzes sowie einer Tankstelle und eines Postamts.
All das erfüllt Mané offensichtlich deutlich mehr als sich in Protzereien zu verlieren. "Wofür will ich zehn Ferraris, 20 Uhren mit Diamanten und zwei Flugzeuge?" sagte er im Interview mit "TeleDakar". Mané weiter: "Inwiefern würde das der Welt weiterhelfen?"
Ein Satz, der tief blicken lässt, eine Reflexion, die Mané tatsächlich zu einem ganz besonderen Spieler macht. Obwohl er das eigentlich gar nicht möchte.
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