Union Berlin bezwingt RB Leipzig dank starker erster Halbzeit - Pokalsieger muss weiter auf ersten Sieg warten

RB Leipzig kommt in der neuen Bundesliga-Saison nicht richtig in Tritt. Der Pokalsieger unterlag am 3. Spieltag bei Union Berlin 1:2 (0:2) und muss damit weiter auf den ersten Sieg warten. Die Eisernen schoben sich dagegen mit ihrem Erfolg in der Tabelle auf Platz zwei (sieben Punkte) vor. Jordan Siebatcheu (32.) und Sheraldo Becker (38.) trafen für Union. Willi Orban konnte nur verkürzen (84.).

Jordan Siebatcheu - Union Berlin

Fotocredit: Imago

Eines vorweg: Wo "Topspiel" drauf stand, war auch "Topspiel" drin. Die Begegnung zwischen Union Berlin und Leipzig brauchte nicht lange, um auf Betriebstemperatur zu kommen.
Die Gäste aus Leipzig kamen besser in die Partie und waren das aktivere Team, die erste gute Möglichkeit hatten allerdings die Hausherren. Julian Ryersons Schuss aus dem Rückraum konnte Mohamed Simakan gerade noch für seinen geschlagenen Keeper Janis Blaswich klären, der den verletzten Kapitän Peter Gulacsi vertrat (15.) und sein erstes Bundesligaspiel absolvierte.
Kurz zuvor hatte es noch eine kniffelige Szene im Union-Strafraum gegeben. Christopher Trimmel verfolgte Timo Werner und brachte den Stürmer sowohl durch einen Griff an die Schulter als auch durch eine Berührung am Fuß zu Fall - Deniz Aytekin ließ weiterlaufen. (12.). Eine mindestens diskutable Aktion. Dies gab auch Trimmel nach dem Spiel zu.
Knappe vier Minuten später hatten die Hausherren dann Glück, als Werner nach feinem Zuspiel von Kevin Kampl Union-Keeper Frederick Rönnow aus fünf Metern überlupfte aber nur den Pfosten traf (19.).
In einem temporeichen Spiel, das immer wieder durch Fouls unterbrochen wurde, häufte Leipzig phasenweise Ballbesitzanteile von über 70% an. Union verteidigte leidenschaftlich und lauerte auf Konter - und die Gelegenheiten sollten kommen.
Nach rund einer halben Stunde entwickelte sich aus einem RB-Angriff ein mustergültiger Tempogegenstoß. Ein öffnender Pass auf Sheraldo Becker leitete die Chance ein. Der Niederländer nahm Tempo auf, machte ein paar Meter und spielte den Ball nach links zu Joran Siebatcheu. Der Neuzugang aus Bern blieb cool, erwischte Blaswich auf dem falschen Fuß und traf trocken ins untere linke Eck zur Führung für Union (32.).
Damit aber noch nicht genug. Nur kurze Zeit später konterte Union erneut. Diesmal ließ Becker Gegenspieler Josko Gvardiol mit einem Haken nach innen im Strafraum alt aussehen und traf wunderschön ins obere linke Eck (38.).
Kurz vor der Pause ließ Becker den Kroaten erneut stehen, verpasste aus spitzem Winkel aber knapp das 3:0 (44.). Dann war Halbzeit.
Nach dem Seitenwechsel bot sich ein ähnliches Bild, wenngleich Union nach vorne nicht mehr viel gelang. Sie mussten aber auch nicht den Weg nach vorne suchen – Leipzig war in der Bringschuld.
Die Sachsen waren bemüht, machten Druck und erarbeiteten sich Ecke um Ecke. Am Ende der Partie sollten es 13 sein. Die erste gefährliche Szene nach dem Seitenwechsel verbuchten aber wieder die Hausherren. Siebatcheu verpasste nach einem Zusammenspiel mit Becker das 3:0 und schoss das Leder knapp links vorbei (59.).
In der 67. Minute hatte Union dann Glück, dass Ryerson nach einer Ecke für seinen geschlagenen Keeper gegen Marcel Halstenbergs Schuss auf der Linie klärte (67.).
Eine Viertelstunde später zappelte das Spielgerät dann aber doch nach einer Ecke im Netz. Willi Orban wuchtete aus zentraler Position und kurzer Distanz seinen Kopfball ins Tor. Rönnow war noch dran, konnte den Einschlag aber nicht verhindern (83.).
In den Schlussminuten warfen sich die Unioner dann in jeden Schussversuch und sicherten sich die nächsten drei Punkte. Damit klettert Union vorrübergehend auf Platz zwei, während Leipzig bereits jetzt in einer sportlichen Krise steckt.

Die Stimmen:

Domenico Tedesco (Trainer RB Leipzig): "Die Ballverluste vor den Toren waren die Knackpunkte im Spiel. Wir wollten viel verlagern, immer wieder über die Flügel kommen und nicht in der roten Zone spielen, weil wir wissen, dass Union super umschalten kann. Das haben wir 20 Minuten nicht gemacht. Das ist echt bitter, weil wir die ersten 20 Minuten gut im Spiel waren. Timo trifft dann ja auch noch den Pfosten. Wir hätten die Dynamik aus den Union-Kontern nehmen müssen. Das haben wir nicht geschafft und dann ist es schwer, gegen solche Stürmer zu verteidigen."
Robin Knoche (Union Berlin): "Wir haben uns vorgenommen eklig und aggressiv zu verteidigen und die Umschaltmomente zu nutzen. Das ist uns sehr gut gelungen, daher ist der Sieg nicht unverdient. Bei uns weiß jeder was er zu tun hat. Wir kennen unsere Qualitäten – das macht uns aus. Den Moment dürfen wir genießen, natürlich würden wir gerne da oben bleiben."

Der Tweet zum Spiel:

Die Szene zwischen Trimmel und Werner, beim Stand von 0:0, sorgte in der 12. Minute für ordentlich Diskussion – sowohl auf dem Feld als auch im Netz. Hätte Aytekin hier Elfer gepfiffen, wäre das Spiel eventuell in eine andere Richtung gelaufen.

Das fiel auf: Nkunku unsichtbar - Werner erst im Pech, dann schwach

Union vertraute auf die bisher sichere Defensive (ein Gegentor in zwei Spielen), zog sich weit zurück und lauerte auf schnelle Gegenstöße. Durch das tiefe Verteidigen bekam Leipzig kein Tempo ins eigene Offensivspiel. Die Geschwindigkeit von Werner und Nkunku waren somit neutralisiert und kein Faktor. Der Neuzugang vom FC Chelsea, der bei jedem Ballkontakt ausgebuht wurde, erwischte eine rabenschwarze erste Hälfte: Erst traf er nur den Pfosten, dann verlor er im weiteren Spielverlauf alle seine neun Zweikämpfe. Union glänzte aber nicht nur durch Zweikampfstärke sondern auch durch ein überragendes Umschaltspiel.
Nach dem Seitenwechsel bot sich ein ähnliches Bild. Union zog sich zurück und lauerte aus einer sattelfesten Defensive auf Nadelstiche nach vorn. Mit einer eigentlich katastrophalen Passquote von zwischenzeitlich 68% überstand Union den zweiten Durchgang trotzdem unbeschadet. Auch aus den insgesamt 13 Ecken machte Leipzig unterm Strich zu wenig, wenngleich die elfte zum Tor führte.

Die Statistik: 12 und 13

Dass Union kontern kann war schon vor dem Spiel bekannt. Dass die Köpenicker in den ersten 45 Minuten aber gleich zwei mustergültige Konter fahren konnte, war gegen einen Gegner wie RB Leipzig umso beachtlicher. Während beim ersten Treffer noch 13 Sekunden zwischen Ballgewinn und Torerfolg lagen, waren es beim 2:0 sogar nur zwölf Sekunden. Becker stellte darüber hinaus noch eine ligaweite Saison-Bestmarke in puncto Speed auf: 34,67 km/h wurden gemessen - unglaublich!
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Quelle: Perform

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