Union Berlin im Taktik-Check: Urs Fischer formt seine Wundermaschine - Liga zerbricht an den Eisernen

Mit einem Sieg gegen Mainz 05 kann Union Berlin die Tabellenführung erobern - zumindest für eine Nacht. Dass die erfolgreiche letzte Saison keine Eintagsfliege gewesen ist, zeigt die Mannschaft von Urs Fischer nun schon über einen längeren Zeitraum auf eindrucksvolle Art und Weise. Eurosport.de erklärt im Taktik-Check, was Union auszeichnet und warum sie ein ernstzunehmender Bayern-Jäger sind.

Union Berlin setzt zum großen Wurf an

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"Es ist aktuell leichter in München zu spielen als in Berlin." Niko Kovac sollte Recht behalten.
Seine Wolfsburger Mannschaft unterlag im Achtelfinale des DFB Pokals Union Berlin (1:2).
Es war der vierte Sieg im vierten Pflichtspiel im neuen Kalenderjahr für die Eisernen - und plötzlich ist man Bayernjäger Nr. 1 mit Aussicht auf eine Tabellenführung über Nacht.
Mit einer starken Defensive, schnörkellosem Spiel mit dem Ball und brandgefährlichen Standardsituationen hat sich Union Berlin zu einem Topteam entwickelt.

Eisernes Zentrum: Warum Union defensiv so wenig zulässt

Gegen den Ball steht die Mannschaft von Urs Fischer in einem kompakten 5-3-2. Hohes Pressing sieht man eher selten, meistens wartet Union im Mittelfeld auf den passenden Moment zum Attackieren. Mit Staubsauger Rani Khedira auf der Sechs und drei Innenverteidigern dahinter ist das Zentrum besonders stark verdichtet. Der Gegner wird nach außen gelenkt, wo die beiden Achter den Außenverteidigern bei Bedarf helfen.
Kein Team in der Bundesliga läuft bei gegnerischem Ballbesitz mehr als Union, insgesamt gesehen hält nur der 1. FC Köln bei einer knapp höheren Laufleistung.
Weil der Gegner weitestgehend vom Zentrum ferngehalten wird, kommen meistens Abschlüsse aus schwierigen Positionen (z.B. spitzer Winkel) und Situationen (z.B. nach Flanke im Kopfball unter Bedrängnis) auf das Tor: Der Wert der expected goals gegen Union liegt gerade einmal bei 18,8 - nur Bayern hat noch weniger zugelassen (17,2). Dass Union die zweitbeste Defensive stellt, ist also kein Zufall.
Aus der stabilen Abwehr schaltet Union immer wieder schnell und zielstrebig um. Der erste Pass nach Ballgewinn geht in der Regel nach vorne. Entweder suchen sie Jordan Siebatcheu als Zielspieler, der den Ball mit seiner physischen Präsenz festmacht oder sie schicken den pfeilschnellen Sheraldo Becker.
Letzterer steht mit einer bisherigen Spitzengeschwindigkeit von 36 km/h auf dem dritten Platz der schnellsten Bundesligaspieler in der laufenden Saison.
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Union Berlins Höhenflug ist kein Zufall

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Hoch und weit mit Sicherheit - Unions zielstrebiges Angriffsspiel

Union macht das Spiel jedoch nicht nur beim Kontern schnell: Auch in normalen Ballbesitzphasen geht es zügig nach vorne. Über die Dreierkette und Khedira wird der Ball so lange laufen gelassen, bis einer der vier defensiven Spieler genug Raum und Zeit hat, das Mittelfeld mit einem kontrollierten langen Pass zu überspielen.
Zielspieler sind dabei die beiden Stürmer, die sich in der Luft behaupten oder aber die Achter, die hinter die gegnerische Abwehrkette sprinten.
Durch diese Laufwege aus dem Mittelfeld wird in der Regel die komplette Abwehrreihe beschäftigt. Die Folge: Außen werden größere Räume frei, in welche die offensiven Außenverteidiger der Berliner Fünferkette stoßen können und von dort Flanke um Flanke hereinbringen.
Mit zwei Stürmern und zwei Achtern ist der Strafraum hervorragend besetzt, zudem schaltet sich auch der ballferne Außenverteidiger immer wieder mit ein. Weil fast gar nicht flach durchs Mittelfeld aufgebaut wird, gibt es hier auch so gut wie keine Ballverluste - gegnerische Kontergefahr findet de facto nicht statt.
Mit dem schnörkellosen und risikoarmen Ballbesitzspiel kommen die Eisernen schnell in den gefährlichen Bereich und lassen dort nur sehr wenig liegen.
Wie effizient Union vor dem gegnerischen Tor agiert, zeigt ein Blick auf die expected goals. Die statistisch aus den Torchancen der Berliner zu erwartenden Treffer liegen bei 22,7 - nur Schalke, Bochum und Augsburg haben sich einen geringeren Wert erspielt. Daraus erzielte Union jedoch 31 Tore und steht damit unangefochten auf dem ersten Rang bei den verwerteten Chancen.

Union Berlin: Standards als Waffe

Die Achter, die hinter die Kette sprinten, holen in ihren Laufduellen viele Ecken heraus, auch die vielen Flanken der offensiven Außenverteidiger provozieren immer wieder Eckbälle. Die ruhenden Bälle sind zu Unions großer Spezialität geworden. Mit Christopher Trimmel, Niko Gießelmann und auch Neuzugang Josip Juranovic hat Union gleich drei begnadete Standardschützen in seinen Reihen.
Die drei großen Innenverteidiger sowie die beiden Stürmer stellen für jedes gegnerische Team eine schwer zu lösende Aufgabe beim Verteidigen von Standards dar. Schon fünfmal jubelte Union nach einem Eckball - nur Borussia Möchengladbach traf genauso oft in derselben Spielsituation.
Egal ob Ecke, Freistoß oder Flanke aus dem Spiel heraus: Union erzielte bereits zwölf Kopfballtore und sucht damit ligaweit seinesgleichen (Bundesligaschnitt 4,6!).
Eurosport-Check:
Mit einer schwer zu knackenden Defensive, einem komplett risikoarmen Offensivspiel mit hoher Effizienz sowie brandgefährlichen Standardsituationen hat sich Union Berlin mit vermeintlich einfachen Mitteln zu einem Spitzenteam gemausert. Der körperbetonten Spielweise mit einer klaren Dominanz in der Luft kann sich kein Gegner entziehen. Somit wird Union auch weiterhin oben dranbleiben und Woche für Woche den Druck auf die etablierten Topteams erhöhen.
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Quelle: Perform

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