Borussia Dortmund gewinnt beim 1. FC Köln: Diskussion zwischen Jadon Sancho und Niclas Füllkrug
Publiziert 20/01/2024 um 22:56 GMT+1 Uhr
Nicht überzeugt, aber erneut relativ souverän gewonnen. Wie schon beim 3:0 in Darmstadt riss Borussia Dortmund niemanden vom Hocker, doch die Punkte nahm man gerne mit. Mit der Verpflichtung von Jadon Sancho und Ian Maatsen scheint der BVB jeweils ein goldenes Händchen gehabt zu haben. Eine unnötige Aktion von Sancho sorgte allerdings für Diskussionen. Bleibt die Frage: Ist der FC noch zu retten?
Niclas Füllkrug (r.) und Jadon Sancho diskutieren am Elfmeterpunkt
Fotocredit: Imago
Nach dem 3:0 bei Aufsteiger Darmstadt zum Einstieg ins neue Jahr gewinnt Dortmund auch seine zweite Partie bei einem abstiegsgefährdeten Gegner deutlich.
Beim 4:0 (1:0) in Köln kommen die Schwarz-Gelben vor allem nach der Pause ins Rollen, so dass Cheftrainer Edin Terzic am Ende mit genießerischem Realitätssinn feststellen konnte: „Wir wissen, der Weg für uns ist noch weit. Aber es ist schön, dass wir vier Tore geschossen haben. Und noch wichtiger ist es, dass wir wieder zu null gespielt haben."
Am kommenden Sonntag darf der BVB erstmals in 2024 auch zu Hause antreten, Reviernachbar Bochum ist dann in Dortmund zu Gast.
Drei Dinge, die beim BVB-Sieg in Köln auffielen:
1. Dortmunder Lernprozess am Elfmeterpunkt
Auf das Gesicht von Niclas Füllkrug legte sich ein breites Grinsen, als er an die 58. Minute zurückdachte. Der BVB führte 1:0, nach einem leichten Halten von FC-Verteidiger Rasmus Carstensen gegen Jadon Sancho hatte Schiedsrichter Daniel Schlager auf Strafstoß entschieden. Das Urteil hielt dem VAR stand, und nun wollte der Gefoulte selbst zur Ausführung vom Kreidepunkt schreiten. Doch da spielte Füllkrug nicht mit.
"Jadon wollte auch schießen - aber am Ende habe ich geschossen. Und das war auch richtig so", erklärte Dortmunds Mittelstürmer und nannte noch ein paar Details zum Dialog zwischen ihm und Sancho: "Er hat nur gefragt, ob es okay ist, wenn er schießt. Da habe ich gesagt: 'Nein, heute mach' ich das.' Darauf hat er sich dann auch gleich eingelassen und gesagt: "'Alles klar, dann hau‘ ihn rein, Fülle.'"
Der Nationalstürmer erfüllte den Auftrag, erhöhte auf dem Weg zum späteren 4:0-Erfolg des Vizemeisters auf 2:0 und trug damit ein Stück zur Dortmunder Vergangenheitsbewältigung bei. "Wir haben da einen klaren Ablauf", verwies Cheftrainer Edin Terzic auf ein fixes Ranking unter den potenziellen Elfmeterschützen und fügte hinzu: "Wir wollten auch ein bisschen aus der Vergangenheit lernen. Ihr wisst wahrscheinlich, worauf ich hinaus möchte."
Terzic spielte auf den letzten Spieltag der Vorsaison an, als Kapitän Emre Can als eigentlich vorgesehener Elfmeterschütze Sébastien Haller den Vortritt ließ. Prompt vergab Haller die Chance zum 1:1 gegen Mainz. Beim 2:2 gegen die Rheinhessen war das der Anfang vom Ende der dramatisch vergebenen Meisterschaft der Dortmunder.
2. Leihspieler-Doppel des BVB schon in Fahrt
Ganz bescheiden stand Ian Maatsen nach dem Spiel in der Interviewzone des Kölner Stadions. "Ich lerne meine Mitspieler immer besser kennen", sagte der 21-jährige Linksverteidiger mit leiser Stimme. "Vier Tore geschossen, ein gutes Spiel von uns - in der zweiten Halbzeit mehr als in der ersten. Ich bin glücklich, hier zu sein."
Glücklich schätzen sich auch die Dortmunder, den niederländischen Nachwuchsnationalspieler in der Winterpause vom FC Chelsea ausgeliehen zu haben. Schon nach dem 3:0 in Darmstadt sprach Trainer Terzic dem flinken, aufmerksamen und offensivstarken Maatsen ein Sonderlob aus. Und dieses Urteil weitete der 41-Jährige nun auf Sancho aus, als er betonte: "Die beiden haben ein tolles Spiel gezeigt."
Wie Maatsen ist auch Sancho aktuell als Leihspieler für die Schwarz-Gelben aktiv. Der BVB-Rückkehrer kam von Manchester United zu den Westfalen. Auf seiner linken Offensivseite narrte er die Kölner Verteidiger von Beginn an. Das bahnbrechende 2:0 durch Füllkrugs verwandelten Strafstoß wurde erst möglich, weil Sancho zuvor am Ende eines kleinen Solos vom Dänen Carstensen zu Fall gebracht worden war.
Ein indirekte Torvorbereitung für den Engländer, ein echter Assist ging derweil auf das Konto von Maatsen - der das 3:0 durch Donyell Malen nach einer starken Balleroberung am eigenen Strafraum mit einem weiten Pass in die gegnerische Hälfte einleitete.
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Ian Maatsen (r.) hinterlässt bislang einen guten Eindruck im BVB-Trikot
Fotocredit: Getty Images
3. Köln tritt auf der Stelle - Trost von Terzic
Bei der Pressekonferenz nach der Partie wandte sich Terzic direkt an seinen Kölner Trainerkollegen Timo Schultz. Der gebürtige Ostfriese hat den extrem herausfordernden Job am Geißbockheim erst Anfang Januar als Nachfolger von Steffen Baumgart aufgenommen.
Einem wenig erhellenden 1:1 gegen Aufsteiger Heidenheim folgte nun die sportliche Ohrfeige gegen den BVB - woraufhin Terzic sich an den Mann links von ihm auf dem Podium wandte und anteilnehmend raunte: "Ich drücke dir in dieser schweren Phase die Daumen, Timo. Ihr gehört in die Bundesliga."
Sehr fraglich ist allerdings, ob diese grundsätzliche Ansicht auch Mitte Mai noch Bestand hat. Kein anderer Erstligist schleppt schließlich solch einen schweren Rucksack mit sich herum wie die Rheinländer: Im vergangenen Sommer verpasste es die sportliche Leitung des FC, Ersatz für die Leistungsträger Jonas Hector (Karriereende) und Ellyes Skhiri (nach Frankfurt) in den Kölner Grüngürtel zu holen.
Dazu lastet die einjährige Transfersperre durch die Fifa schwer auf dem FC, ebenso wie die jüngsten Verletzungen der Offensivkräfte Davie Selke, Luca Waldschmidt und Mark Uth.
Mit elf Treffern stellen Kölner den mit Abstand schwächsten Angriff der Liga - und ihren schlechten Ruf machten sie auch gegen Dortmund alle Ehre: 16 Torschüsse führten zu null Treffern, der BVB (elf) machte aus jedem dritten Schuss aufs gegnerische Tor ein Erfolgserlebnis. Oder wie es der getröstete Übungsleiter Schultz formulierte: "Das war natürlich ein verdienter Sieg für Dortmund - vor allem in der Kernkompetenz Effektivität."
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Quelle: Perform
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