Drei Dinge, die bei FC Bayern München - RB Leipzig auffielen: In Phasen wieder Bayern-like
Publiziert 24/02/2024 um 22:38 GMT+1 Uhr
Nach der Ankündigung von Thomas Tuchels Abschied zum Saisonende zeigt seine Mannschaft die erhoffte Reaktion. Beim 2:1-Sieg über RB Leipzig fanden die Münchner verloren geglaubte Qualitäten wieder. Harry Kane bewies indes einmal mehr, dass er der Unterschiedsspieler im Kader ist. Der späte Siegtreffer war auch ein Zeichen von Widerstandsfähigkeit, die zuletzt fehlte. Drei Dinge, die uns auffielen.
Auf "gepacktem Koffer" gesessen? Tuchel kontert Frage süffisant
Quelle: Perform
Der FC Bayern München hat nach wettbewerbsübergreifend drei Niederlagen in Folge wieder in Erfolgsspur zurückgefunden. Beim 2:1 (0:0)-Sieg gegen RB Leipzig erzielte Harry Kane beide Treffer für die Münchner (56., 90.+1), für Leipzig hatte Benjamin Sesko zwischenzeitlich ausgeglichen (70.).
Durch den Dreier in seinem 1000. Bundesliga-Heimspiel bleibt der FC Bayern acht Punkte hinter Spitzenreiter Bayer Leverkusen. RB Leipzig droht dagegen den Anschluss an die Champions-League-Plätze zu verlieren.
Der Triumph über die Sachsen darf den Münchnern jedenfalls Mut für die kommenden Herausforderungen machen - so manch verloren geglaubte Qualität ist nämlich wieder zurückgekehrt.
Drei Dinge, die uns auffielen.
1.) Ein paar alte Bayern-Tugenden
Wie reagiert die Mannschaft des FC Bayern auf die zum Saisonende angekündigte Trennung von Trainer Thomas Tuchel? Diese Frage stand über allem an diesem Abend in der Münchner Allianz Arena.
Der Trainer selbst nahm in der Aufstellung ein paar bemerkenswerte Änderungen vor: Joshua Kimmich startete als Rechtsverteidiger, im Zentrum spielte Aleksandar Pavlovic an der Seite von Leon Goretzka und in der Innenverteidigung bildeten Eric Dier und Matthijs de Ligt ein Duo.
Alle Maßnahmen funktionierten. Kimmich verteidigte rechts hinten solide und war offensiv immer wieder gefährlich, Pavlovic war der Herr im Zentrum und die Innenverteidiger bildeten eine zweikampfstarke, stabile Mitte.
"Sky"-Experte Lothar Matthäus attestierte den Bayern schon zur Halbzeit eine deutliche Leistungssteigerung. Tuchel nannte den Auftritt der ersten Halbzeit "konzentriert und griffig".
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Matthijs de Ligt vom FC Bayern
Fotocredit: Getty Images
Die Münchner waren kompakt in der Defensive, ließen nichts zu, leisteten sich weniger Fehler als zuletzt und hatten vorne auch gute Möglichkeiten. Nur das erlösende Führungstor fehlte.
Das fiel nach der Pause in die bis dato beste Phase der Leipziger hinein. Eine Qualität, die auch frühere Bayern-Mannschaften schon auszeichnete: Dem Gegner im richtigen Moment mit einem Tor den Wind aus den Segeln nehmen.
Das funktionierte allerdings nicht ganz, weil Leipzig weiter am Drücker blieb, aber Neuer machte wieder mal Neuer-Sachen und vereitelte eine Großchance von Benjamin Sesko herausragend. Es war ein weiterer Moment, in dem man sich an bessere Bayern-Zeiten erinnert fühlte.
Und dann war da noch die Schlussphase. Es war kein Anrennen der Münchner, keine Belagerung des Leipziger Strafraums, aber es gab halt noch diese eine Szene, die Harry Kane zum Siegtreffer nutzte. Bayern-Dusel sagen die einen, Widerstandsfähigkeit und Siegeswille die anderen. Auch das waren Attribute, die zuletzt in München verzweifelt gesucht wurden.
Dieser emotionale Sieg kurz vor Schluss tue den Spielern gut, meinte Tuchel. "Leverkusen hat genug Spiele spät gewonnen, jetzt waren wir mal dran. Aber müssen nachlegen und nachlegen."
2.) Kane findet den Touch wieder
Die 2:3-Niederlage beim VfL Bochum in der vergangenen Woche war auch stark mit dem Namen Harry Kane verbunden. In der starken Münchner Anfangsphase ließ er die Chance zum 2:0 leichtfertig liegen. In der Schlussphase vergab er dann die Chance zum Ausgleich ebenfalls erstaunlich kläglich.
Bis zum Spiel gegen RB hatte Kane in sieben Spielen nach der Winterpause vier Tore erzielt. Eine solide Quote für einen normalen Bundesligastürmer. Aber Kane ist kein normaler Stürmer, er hat in der Vorrunde gezeigt, dass er der Stürmer sein kann, der den 41-Tore-Rekord von Robert Lewandowski brechen kann.
Zudem waren drei seiner vier Treffer einfache Abstauber. Klar, da muss ein Stürmer erstmal stehen, aber Kane hat eben schon bewiesen, dass er das Toreschießen in seiner ganzen Bandbreite beherrscht.
Wie in der gesamten Mannschaft lief es auch beim Kapitän der englischen Nationalmannschaft nicht rund. Gegen RBL hatte er vor den Augen seines Nationaltrainers Gareth Southgate nach fünf Minuten das 1:0 auf dem Kopf. Seinen Kopfball lenkte Torhüter Janis Blaswich mit den Fingerspitzen an den Pfosten. Natürlich sprang der Ball so zurück, dass der Abpraller nicht bei Kane, sondern beim Keeper landete.
In den Minuten vor der Pause wurde das ganze Schlamassel dann in zwei Szenen sichtbar. Erst legte sich Kane bei einem Fallrückzieher gut in die Luft, traf den Ball aber nicht richtig. Vermutlich wäre eine Ballkontrolle und Ablage auf Leon Goretzka die bessere Lösung gewesen.
Dann wurde es richtig kurios: In der 43. Minute hatte er den Ball an den Strafraumkante genau da, wo er ihn haben will. Sein Schlenzer Richtung langes Eck blieb am Hintern von Leroy Sané hängen.
Aber Kane ließ sich davon nicht beirren, er machte einfach weiter und war nach der Pause wieder voll in seinem Element. Beide Tore erzielte er mit einem sauberen Abschluss, beide Male mit dem linken Fuß. Gerade noch rechtzeitig hatte er seinen Touch wiedergefunden.
Der von Tuchel so hoch geschätzte Kane war einmal mehr die Lebensversicherung der Münchner.
3.) Xavi und Olmo: Versteckte Magie
Während die Bayern mit dem Sieg ihr Ziel Meisterschaft zumindest theoretisch noch nicht abschreiben müssen, hat es Leipzig verpasst, bis auf sieben Punkte an die Münchner heranzurücken und im Kampf um die Champions-League-Plätze ein Statement zu setzen.
Die Niederlage in München war bereits die vierte im siebten Spiel nach der Winterpause. Bei einem Sieg der Dortmunder am Sonntag gegen die TSG Hoffenheim (17:30 Uhr im Liveticker) beträgt der Rückstand auf den BVB vier Punkte. Zu wenig für die Leipziger Ansprüche. Zu wenig auch die Leistung beim FC Bayern. "Wir haben über 90 Minuten nicht genug getan, um das Spiel zu gewinnen", resümierte Trainer Marco Rose.
RB hatte Glück, dass die Bayern ihre Chancen in der ersten Halbzeit nicht nutzten und die Leipziger somit im Spiel blieben. Nach vorne blieben die Gäste die ersten 45 Minuten extrem harmlos. Das lag vor allem daran, dass sie ihre Kreativspieler Xavi Simons und Dani Olmo überhaupt nicht ins Spiel brachten.
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Dani Olmo und Co. zogen in München den Kürzeren
Fotocredit: Getty Images
Welch großen Respekt die Münchner vor diesen Spieler haben, machte Thomas Müller im Nachgang deutlich, als er die Defensivleistung seiner Mannschaft herausstellte und meinte, Xavi und Olmo seien Spieler "mit Magie, mit Fantasie". Doch diese war in der Münchner Defensive gut versteckt.
Erst als sie sich im zweiten Durchgang von ihren Gegenspielern Kimmich und Guerreiro befreien konnten und mehr im Zentrum agierten, wurde das Leipziger Spiel besser. Aus der Mitte leiteten sie die gefährlichen Spielzüge ihrer Mannschaft ein und Olmo bereitete dann auch das 1:1 durch Sesko vor.
Mit der Auswechslung von Xavi in der 87. Minute beraubte sich Rose aber selbst um 50 Prozent seiner Offensivgefahr. Die Konsequenz war eine bittere. Die Bayern kamen noch einmal in den Angriff und hatten den Lucky Punch auf ihrer Seite.
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Quelle: Perform
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