Drei Dinge, die beim Bayern-Sieg gegen Borussia Dortmund auffielen: Münchner Wut ist Trumpf

Kann eine Reaktion auf aufkommendes Krisengerede eindrucksvoller ausfallen? Der FC Bayern München watscht den BVB in dessen Stadion ab und gibt auf die Pokal-Blamage in Saarbrücken die richtige und unmissverständliche Antwort. In Dortmund wird deutlich, welchen Stellenwert Harry Kane nach so kurzer Zeit schon hat. Der BVB wird von der Bedeutung des Spiels erdrückt. Drei Dinge, die auffielen.

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Quelle: Perform

Der FC Bayern München hat seine Super-Serie gegen Borussia Dortmund ausgebaut. Am 10. Spieltag gewannen die Münchner dank eines überragenden Harry Kane mit 4:0 (2:0) und sind damit seit elf Pflichtspielen gegen den BVB unbesiegt (zehn Siege, ein Remis).
Die Borussia wartet dagegen seit November 2018 auf einen Sieg gegen die Münchner und hat in der Bundesliga erstmal den Anschluss an die Spitze verloren. Dortmund liegt mit 21 Zählern fünf Punkte hinter dem FCB und sieben hinter Tabellenführer Bayer Leverkusen.
Der nach seiner Muskelverletzung kurzfristig zurückgekehrte Dayot Upamecano brachte die Bayern nach einer Ecke per Kopf früh in Führung (4.), ehe Kane mit einem Dreierpack auch einen in der Höhe verdienten Sieg der Bayern heraus schoss (9., 72., 90.+3).
Drei Dinge, die beim 4:0 des FC Bayern bei Borussia Dortmund auffielen.

1.) Der FCB ist eine Harry-Kane-Mannschaft

Beim sensationellen Pokal-Aus in Saarbrücken hatte Bayern-Trainer Thomas Tuchel noch auf Harry Kane verzichtet. Der englische Nationalstürmer habe - O-Ton Tuchel - "seinen Hamstring" gespürt, also ein Zwicken im hinteren Oberschenkel.
Wie sehr der FC Bayern seit seiner Verpflichtung schon zu einer Kane-Mannschaft geworden ist, zeigte sich auch einmal mehr in Dortmund. Mit dem Kapitän der englischen Nationalelf auf dem Platz verändert sich die komplette Statik des Spiels der Münchner. Kane zeigte auch im Topspiel sein ganzes Repertoire.
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Er ist eben nicht nur ein echter Mittelstürmer wie es seine Vorgänger Robert Lewandowski, Mario Gomez oder Roy Makaay waren, er taucht in den Sechser-, Achter- und Zehnerräumen auf und verteilt von dort aus die Bälle sicher an seine Mitspieler. Dazu hat er als 30-jähriger in der Premier League gestählter Kicker eine enorme Abgebrühtheit in seinem Spiel. Er schützt die Bälle, zieht Fouls und schließt Räume.
Nicht umsonst lobte Tuchel seinen Stürmerstar schon in den ersten Wochen über den grünen Klee und das nicht nur wegen seiner spielerischen Klasse. "Das ist absolute Weltklasse, das ist Talent, Können, Ausstrahlung plus Persönlichkeit, plus Bescheidenheit, plus die Liebe und Hingabe für das Spiel."
Es sind die kleinen Dinge, auch in der Defensivarbeit, die diese Hingabe unterstreichen. Beispiel 52. Minute: Kane machte nach dem schlecht ausgespielten Konter den Weg nach hinten, stellte erst Reus zu, übernahm dann die Position auf der Sechs und absolvierte dann sogar noch einen tiefen Lauf nach links hinten.
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Ach ja, seine Offensivqualitäten machten sich in Dortmund auch auf der Anzeigetafel und in Kanes Ball-kammer bemerkbar. Denn nach seinem erneuten Dreierpack schnappte sich Kane wie gewohnt das Spielgerät.
Und auch bei der Entstehung des ersten Treffers hatte er seine Füße im Spiel. Vor der zum Tor führenden Ecke spielte er einen wunderbaren Ball in die Tiefe auf Jamal Musiala.

2.) Die gelbe Wand als Belastung

BVB-Trainer Edin Terzic erwartete die Bayern nach der Pokal-Blamage mit einer gehörigen Portion Wut. Er sagte vor der Partie bei "Sky" aber auch: "Wenn sie wütend sind, müssen wir hungriger sein."
In der ersten Halbzeit war von Hunger oder Gier der BVB-Spieler aber nichts zu sehen, dafür legten sich mal wieder Ängstlichkeit und Passivität über das Dortmunder Spiel.
War vor der Partie noch viel über die Entwicklung der Spielweise bei beiden Mannschaften die Rede, wähnten sie sich in Dortmund auf dem richtigen Weg. Weniger Spektakel, dafür mehr Stabilität. Die vielen 1:0-Siege sollten als Beleg dafür gelten.
Und mit der Pleite der Bayern im Pokal und den Personaldebatten schien auch alles angerichtet für ein Duell auf Augenhöhe. Aber die BVB-Spieler schienen ob der Bedeutung der Partie überwältigt - ähnlich wie am letzten Spieltag der Vorsaison, als der BVB zuhause gegen Mainz die Meisterschaft verspielte.
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Terzic-Abrechnung nach Pleite: "In allen Bereichen verdient"

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Für Spieler wie Nico Schlotterbeck, der vor Beginn der Partie im Spielertunnel noch bei "You’ll never walk alone" mitsang und vor dem 0:1 noch mit Torschütze Dayot Upamecano scherzte, scheint die Atmosphäre im Signal-Iduna-Park dann mehr als Belastung als Push.
Die Verunsicherung übertrug sich im Laufe des Spiels vom Platz auch auf die Ränge. Nach 25 Minuten gab es nach einem Fehlpass erstes Geraune, kurz vor der Halbzeit nach einem Rückpass Pfiffe und zur Halbzeit wurde die Mannschaft ebenfalls mit einem Pfeifkonzert verabschiedet.
Erst in der zweiten Halbzeit, als der BVB ins Risiko ging und die Bayern die Dortmunder trotz einer Vielzahl an Großchancen leben ließen, schienen die Dortmunder bereit für das Spitzenspiel und das Publikum war wieder da. An diesem Tag aber nur ein kurzes Aufflackern. In der 80. Minute gingen die ersten Fans nach Hause.

3.) Tuchel lebt Angriffslust vor - Team zieht nach

Wer Thomas Tuchel vor dem Spiel im Interview bei "Sky" erlebte, konnte schon ahnen, was in den kommenden 90 Minuten abgehen wird. Der Trainer war im Kampfmodus, konnte sich einen Seitenhieb gegen die Experten nicht verkneifen. Er brannte richtig auf das Spiel.
Seine Spieler setzten diese Energie von der ersten Minute auf dem Platz fort. "Das Selbstverständnis war heute ein ganz anderes", sagte Manuel Neuer mit Blick auf das Pokalspiel in Saarbrücken und lobte auch die gute Aufteilung seiner Kollegen auf dem Platz. Vor allem in der Offensive kamen Leroy Sané, Jamal Musiala und Kingsley Coman mit ihrem Tempo immer wieder in die Tiefe und an ihren Gegenspielern im Eins-gegen-eins vorbei.
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"Wir haben sehr schnelle Leute in der Offensive, mit denen wir den Dortmundern heute sehr weh tun konnten", sagte Neuer.
Erstaunlich, dass der BVB trotz der guten Ergebnisse der vergangenen Wochen mit der Aggressivität der Bayern nicht mitgehen konnte. Dortmund brachte seine Geschwindigkeit bis zur Einwechslung Karim Adeyemis überhaupt nicht auf den Platz.
Torhüter Gregor Kobels Aussagen kamen einem von den letzten Spielen gegen die Bayern recht bekannt vor. "Die Bayern kamen aggressiver aus der Kabine. Wir müssen diese Kämpfe annehmen. Da müssen wir als Mannschaft ready sein und dagegenhalten."
Auch Edin Terzic haderte mit dem Verhalten seiner Mannschaft in allen Situationen des Spiels: Eins-gegen-eins-Duelle, Balleroberungen, Ballkontrolle, zweite Bälle. "Das darf dir auf dem Niveau nicht passieren, wenn du gegen die Bayern was holen willst", sagte der BVB-Trainer. "Wir haben es nicht geschafft, mit dem Tempo und der Ballsicherheit Schritt zu halten."
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