FC Bayern - Thomas Tuchels Trendwende mit Eric Dier und Matthijs de Ligt: Halbbrüder statt Lieblinge
Der FC Bayern hatte in dieser Saison immer wieder mit enormen Verletzungsproblemen zu kämpfen. Aktuell hat Trainer Thomas Tuchel zumindest in der Innenverteidigung aber ein echtes Luxus-Problem: Gleich vier gestandene Akteure stehen fürs Abwehrzentrum zur Verfügung – Tuchel baut im Moment aber ausgerechnet auf ein Duo, das lange als unwahrscheinlichste Lösung galt. Der Erfolg gibt dem Coach recht.
Torrekord? Tuchel: "Traue Kane alles zu"
Quelle: Perform
Ob Eric Diers Kopfball in der 70. Minute über Robin Zentners Pranke tatsächlich den Ball ins Tor gefunden hätte? Harry Kane hatte offenbar seine Zweifel, der Engländer drückte die Bogenlampe kurzerhand per Kopf zum zwischenzeitlichen 7:1 (Endstand 8:1) an diesem Samstagnachmittag gegen den bemitleidenswerten FSV Mainz 05 über die Linie. Sicher ist eben sicher.
Dass der Engländer damit womöglich Diers Torpremiere verhinderte und gleichzeitig seinen vierten Hattrick in der laufenden Saison festgezurrt hatte, sollte das gute Verhältnisse der beiden Kumpels aber keineswegs belasten. "Ich war nah dran, aber Harry hat mir das Tor geklaut", scherzte Dier im Nachgang gegenüber "T-Online": "Ich gönne ihm das von ganzem Herzen und ich bin sehr glücklich, dass er damit seinen Hattrick perfekt gemacht hat."
Glücklich dürfte Dier aktuell nicht nur über Kanes Treffsicherheit, sondern besonders über die eigenen Leistungen sein. Seit seinem Wechsel im Winter hat sich der ehemalige Tottenham-Profi nämlich überraschend als Stammspieler beim FC Bayern etabliert – und das, obwohl er eigentlich nur als Ergänzung für die Kaderbreite und Quasi-Notnagel verpflichtet worden war. An seiner Seite verteidigt mittlerweile Matthijs de Ligt, was mit Blick auf den bisherigen Saisonverlauf ebenso überraschend anmutet.
De Ligt, der zweimal aufgrund von Verletzungen ausgebremst wurde, war unter Trainer Tuchel lange nicht erste Wahl, in der Hinrunde setzte der Coach auf das Innenverteidiger-Duo Dayot Upamecano und 50-Millionen-Neuzugang Min-Jae Kim. De Ligt galt aufgrund der Entwicklung bisweilen gar als Verkaufskandidat.
Tuchels Lieblinge müssen auf die Bank
Während Upamecano sich aufgrund von zwei Platzverweisen binnen kurzer Zeit (gegen Bochum und Lazio) selbst ein wenig ins Abseits manövriert hat, "leidet" Kim noch an den Auswirkungen seiner Asien-Cup-Teilnahme mit Südkorea.
Seit seiner Rückkehr Anfang Februar stand der 27-Jährige zwar viermal über die volle Distanz auf dem Rasen, allerdings gelang den Münchnern kein einziger Sieg. Auf das bittere 0:3 bei Bayer Leverkusen folgte ein 0:1 im Achtelfinal-Hinspiel der Champions League gegen Lazio Rom und ein 2:3 in Bochum. Letztmals von Beginn an durfte Kim beim 2:2 gegen den SC Freiburg ran. Es sei eine "harte Entscheidung gegen Min-Jae" gewesen, beteuerte Tuchel nach dem zweiten Duell mit Lazio, in dem er auf Kim verzichtet hatte.
Das Ergebnis gab Tuchel allerdings recht. Mit einem souveränen 3:0 hatten die Bayern das Ticket für die nächste Runde gelöst, Dier und de Ligt machten während der 90 Minuten einen enorm sattelfesten Eindruck. "Eric und Matthijs verstehen sich ganz gut, die beiden Halbgeschwister", sagte Teamkollege Joshua Kimmich im Anschluss in der Mixed Zone der Allianz Arena und spielte damit auf das äußere Erscheinungsbild der beiden Abwehrrecken an.
De Ligt mit Lob für "Halbbruder" Dier
Dier und de Ligt sind ähnlich stabil gebaut, beide haben blonde, kurze Haare. Mit Kimmichs Aussage konfrontiert musste de Ligt erst einmal lachen. Es gebe bei aller Ähnlichkeit immerhin einen Unterschied, erklärte der Niederländer: Im Gegensatz zu ihm spiele Dier nämlich mit einem Langarm-Trikot. Doch auch mit Blick auf die Zusammenarbeit bezog de Ligt Stellung: "Es geht gut, wir reden viel zusammen. Wir verstehen uns gut", lobte er. De Ligt ergänzte: "Die letzten vier Spiele, die wir gemacht haben, haben wir gewonnen."
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Eric Dier spielt seit Januar 2024 für den FC Bayern München
Fotocredit: Getty Images
Der Kantersieg gegen Mainz war Nummer fünf für das neue Erfolgsduo. Dier bestätigte de Ligts Ausführungen: "Es klappt wirklich sehr gut mit ihm. Wir verstehen uns bestens, genießen es, zusammenzuspielen und machen es ganz gut."
Dier weiter: "Schon als wir das erste Mal zusammengespielt haben, hatten wir eine schöne Verbindung zueinander." Die Statistik zeigt also, dass Dier und de Ligt aktuell berechtigterweise die A-Lösung in Tuchels Abwehrpuzzle sind.
Dier bleibt länger bei Bayern
Apropos Statistik: Dier ist der einzige Feldspieler in der Bundesliga, der mehr als 500 Spielminuten bestritt und noch kein einziges Mal ausgedribbelt wurde. Der große Gewinner der bisherigen Rückrunde wird dem deutschen Rekordmeister übrigens über den Sommer hinaus erhalten bleiben. Weil er mehr als sechsmal zum Einsatz kam, verlängert sich sein Vertrag automatisch um eine weitere Spielzeit.
Dann läuft auch sein Arbeitspapier bei Tottenham aus. Sprich: Die Bayern könnten Dier sogar als vertragslosen Spieler aufnehmen und somit noch länger an sich binden.
"Ich habe mich wirklich gut eingelebt. Der Verein, die Stadt, die Fans haben mich alle so aufgenommen, dass er mir leichtgefallen ist", verriet er unlängst: "Es macht wirklich Spaß, für diesen Verein zu spielen." Und vielleicht klappt es ja schon bald mit dem ersten Tor – wenn Harry Kane nicht dazwischenfunkt.
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