Drei Dinge, die bei RB Leipzig - FC Bayern auffielen: Sven Ulreich macht unsichere Münchner noch nervöser
Publiziert 30/09/2023 um 23:58 GMT+2 Uhr
Der FC Bayern München hat sich gegen den potenziellen Meisterschaftskonkurrenten RB Leipzig lange schwergetan. Nach einer schwachen ersten Halbzeit mit einem zwischenzeitlichen 0:2-Rückstand konnten die Münchner mit dem 2:2 aber zumindest Schadensbegrenzung betreiben. Das lag auch an Joker Raphaël Guerreiro. Sven Ulreich erlebte dagegen einen Tag zum Vergessen. Drei Dinge, die auffielen.
Tuchel: Haben unseren Plan "nicht mit Leben füllen können"
Quelle: Perform
Die erste Bundesliga-Niederlage der Saison lag für den FC Bayern München am Samstagabend in der Luft.
Loïs Openda (20.) und Castello Lukeba (26.) brachten Leipzig früh mit 2:0 in Führung. Vieles deutete darauf hin, dass die Bullen aus Leipzig auch das dritte Duell mit dem deutschen Rekordmeister im Jahr 2023 für sich entscheiden könnten.
Doch mit einer deutlichen Leistungssteigerung und einem Kraftakt machten Harry Kane (57./HE) und Leroy Sané (70.) den Rückstand wett und bescherten den Münchnern beim 2:2 zumindest einen Punkt.
Drei Dinge, die uns in Leipzig auffielen.
1.) Ulreich und Bayerns Hintermannschaft von der Rolle
Die Defensive des FC Bayern strahlte keine Sicherheit aus. Beim Gegentreffer zum 0:1 sah vor allem Innenverteidiger Min-Jae Kim ganz schlecht aus, weil er den Torschützen Openda zum Tor ziehen ließ und nicht mehr stoppen konnte. Auch Rechtsverteidiger Konrad Laimer war eher ein Unsicherheitsfaktor, ließ sich zu einfach ausspielen und duckte sich bei der Entstehung des 0:2 unglücklich weg.
Noch schwächer war die Vorstellung von Torwart Sven Ulreich. Früh im Spiel hätte ein misslungener Klärungsversuch fast zum Gegentor geführt, hätte Emil Forsberg aus der Distanz das Tor nicht knapp verfehlt. Beim Gegentor zum 0:2 durch Lukeba schätzte er einen Eckball falsch ein und sprang praktisch untendurch.
"Ein klarer Torwartfehler", befand auch "Sky"-Experte Lothar Matthäus: "Er wirkt in zwei, drei Situationen verunsichert. Das stärkt nicht gerade die Psyche von Bayerns Defensiv-Spielern und überträgt sich auf das ganze Spiel."
"Wir haben das, was wir uns vorgenommen haben, nicht mit Leben gefüllt", sagte Trainer Thomas Tuchel in Summe über die schwache erste Halbzeit: "Wir waren zu langsam, zu fehlerhaft im Spielaufbau, wir waren nicht mutig genug. Wir haben keine Spielkontrolle reingekriegt und dann auch noch fehlerhaft verteidigt."
Auch Sportdirektor Christoph Freund fand auf Nachfrage von Eurosport klare Worte: "Es gibt immer wieder Phasen im Spiel, in denen wir die Spielkontrolle verlieren. Und dann gibt es wieder Phasen, in denen wir es richtig gut machen. Das zieht sich bereits seit ein paar Wochen so durch. Gegen Bochum haben wir es mal das ganze Spiel über gut gemacht, ansonsten ist es ein Auf und Ab. Wir arbeiten aber daran, dass die guten Phasen länger werden."
2.) Joker Guerreiro bringt die Spielkontrolle zurück
Dass der FC Bayern in der zweiten Halbzeit zur Spielkontrolle zurückfand, hing nicht zuletzt mit den Einwechslungen zusammen. Trainer Tuchel brachte mit Mathys Tel und Raphaël Guerreiro zwei neue Kräfte. Vor allem Guerreiro, der nach seiner langwierigen Verletzung nun erst sein zweites Pflichtspiel absolvierte, hatte einen großen Einfluss auf das Spiel.
Tuchel lobte: "Ich weiß natürlich, dass Rapha ein Selbstvertrauen hat, das von seinem Spielverständnis genährt ist. Das tut uns gut, weil er einfach schlau in den Zwischenräumen ist. Er will jeden Ball haben und vertraut sich im wahrsten Sinne des Wortes selber. Er vertraut seinen Fähigkeiten."
Auch Jamal Musiala lobte Bayerns "Qualität von der Bank": "Das kann uns als Team pushen."
Der Trainer weiß, dass seine Mannschaft in der vergangenen Saison möglicherweise nicht mehr zurück ins Spiel gefunden hätte und daher in der Entwicklung einen Schritt nach vorne gemacht hat: "Wir haben uns nicht geschlagen gegeben. Und das ist im Moment, glaube ich, der große Unterschied zur letzten Saison, dass uns die Spiele nicht komplett entgleiten."
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Quelle: Perform
3.) Bayern-Schreck Leipzig belohnt sich diesmal nicht
RB Leipzig hat bereits in der jüngeren Vergangenheit bewiesen, mit dem FC Bayern München mindestens auf Augenhöhe spielen zu können. Nachdem in diesem Kalenderjahr bereits zwei Siege gelangen, lagen sie nun immerhin mit 2:0 in Führung und nahmen schlussendlich einen Punkt mit.
Gerade in Halbzeit eins ging Marco Roses Plan perfekt auf. Im Zentrum ließ man Bayerns Kreativ-Zentrale um Joshua Kimmich, Leon Goretzka und Musiala überhaupt nicht ins Spiel kommen. Xaver Schlager und Kevin Kampl standen den Bayern-Stars permanent auf den Füßen und sorgten mit schnellen Ballgewinnen immer wieder für gefährliche Umschaltsituationen.
"Wir haben sehr gut und fleißig verteidigt und haben wenig zugelassen. Wir haben gut umgeschaltet und vorne unsere Tore gemacht", lobte Trainer Rose. Im zweiten Durchgang sei der FC Bayern zwar stärker gewesen, "aber wir haben uns auch gut gewehrt." Einzig belohnen konnten sich die Sachsen nicht. Kane per Handelfmeter und Sané besorgten den Ausgleich.
Joker Benjamin Sesko hatte zwar in der fünten Minute der Nachspielzeit noch die große Chance auf den Siegtreffer, blieb jedoch beim Versuch, Bayern-Keeper Ulreich zu umkurven, hängen.
Dennoch muss folgende Frage nach zwei Siegen und einem Unentschieden in den vergangenen drei direkten Duellen erlaubt sein: Ist RB Leipzig nun ein echter Meisterschaftskonkurrent für den FC Bayern?
"Ich finde es klasse, wie wir es heute gemacht haben. Wer mich kennt, der weiß, dass ich jedes Spiel gewinnen will", antwortete Rose auf Nachfrage von Eurosport:
"Trotzdem bin ich mega realistisch. Ich weiß, was wir im Moment können. Es freut mich, wie stabil wir sind. Aber der Vergleich hinkt nach wie vor. Dafür ist im Sommer zu viel passiert (viele Abgänge, Anm.d.Red.). Uns fehlt momentan auch noch der Kapitän (Willi Orban, Anm. d. Red.), uns fehlt Dani Olmo. Ich bin aber trotzdem froh, dass wir das leisten, was wir momentan leisten können."
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