Harry Kane verzückt den FC Bayern mit Toren und Hingabe: Wer war nochmal Robert Lewandowski?
Harry Kane fügt sich beim FC Bayern München immer besser ein. Bei der 4:0-Gala bei Borussia Dortmund erzielte der Stürmer seinen zweiten Dreierpack in Folge, stellte damit den Startrekord von Gerd Müller ein - und lässt Robert Lewandowski mehr und mehr vergessen. "Wir sind so froh, dass wir ihn in der Mannschaft haben", schmachtete Bayern-Kapitän Manuel Neuer. Weil Kane auch anders kann.
Bayern-Matchwinner Kane: Darum war das dritte Tor so wichtig
Quelle: Perform
Es gab da diese eine Szene in der 52. Minute, die beschreibt Harry Kane ganz gut.
Die Bayern hatten gerade einen verheißungsvollen Konter mit Vier gegen Drei leichtfertig verdaddelt. Dortmund eroberte den Ball zurück und startete den Gegenangriff.
Statt sich gestenreich über den Leichtsinn der Kollegen zu echauffieren, machte Kane, der 100-Millionen-Euro-Mann etwas völlig Langweiliges: Er rannte zurück, übernahm die vakante Position links im defensiven Mittelfeld, deckte Marco Reus und lief dann noch, als Reus nicht angespielt werden konnte, eine Lücke links hinten zu. Dann war die Situation auch wieder bereinigt.
Manchmal sind's die kleinen Dinge.
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Goretzka schwärmt nach Sieg: "Schönstes Auswärtsspiel"
Quelle: Perform
Harry Kane trifft und trifft und trifft
Am Ende des Abends überstrahlte natürlich Kanes Dreierpack beim 4:0-Sieg des FC Bayern bei Borussia Dortmund alles.
Der Mittelstürmer kam im BVB-Strafraum eindrucksvoll seinen Pflichten nach: Von Leroy Sané (9.), Kingsley Coman (72.) und Aleksandar Pavlovic (90.+3) in Szene gesetzt, ließ er Gregor Kobel im BVB-Tor dreimal keine Chance - schon sein dritter Dreierpack für Bayern. "Über Konter haben wir sie plattgemacht", frohlockte Leon Goretzka, der Ex-Schalker, nach dem "geilsten Auswärtsspiel". Und befand: "Hier macht es einfach Spaß".
Könnte auch Kane sagen, der mit Tottenham Hotspur schon gerne gegen den BVB spielte und nach fünf Duellen mit Dortmund nun schon bei sieben Treffern steht. "Wir sind so froh, dass wir ihn in der Mannschaft haben", schmachtete Bayern-Kapitän Manuel Neuer am Samstagabend: "Es ist einfach die Erfahrung. Die Abläufe und Aktionen, die er in seiner Karriere erlebt hat, die hat er nicht in England gelassen. Das hat er unter höchster Bravour gezeigt, seitdem er das rot-weiße Trikot trägt."
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Manuel Neuer mit Harry Kane (r.) - Borussia Dortmund vs. FC Bayern München
Fotocredit: Getty Images
Kane "einfach fantastisch"
15 Tore in zehn Spielen waren Kane aber auch in der Premier League nie gelungen.
Der letzte Bayer, der in zwei aufeinanderfolgenden Spielen insgesamt sechs Tore erzielte, war Mario Gomez 2011. Für die Bundesliga bedeuten Kanes 15 Treffer ein Startrekord, für einen Novizen sowieso, aber auch insgesamt stellte die Bestmarke eines gewissen Gerd Müller aus der Saison 1968/69 ein. Mit zwei Toren mehr hätte er schon die Top-Torjäger der vergangenen Saison überboten (Niclas Füllkrug und Christopher Nkunku/beide 16).
"Einfach fantastisch", frohlockte auch der Vorstandsvorsitzende Jan-Christian Dreesen, der Kane nach München gelotst hatte: "Du freust dich als jemand, der mitverantwortlich war für diesen Transfer, wenn es schnell so gut läuft. Ich hoffe, es geht so weiter."
Vergleiche mit Lewandowski
Dass Bayern die beste Tordifferenz (+31) der Ligageschichte nach zehn Spieltagen hat, ist zu großen Teilen Kanes Verdienst. Knipst er exakt weiter so, stünde er am Saisonende bei aberwitzigen 51 Treffern, was einer Pulverisierung der Bestmarken von Müller (40) und Robert Lewandowski (41) gleichkäme.
Überhaupt lässt der 30-Jährige inzwischen Lewandowski, der in seiner Debütsaison für Bayern 2014/15 nach zehn Spielen erst fünf Tore und zum Saisonende "nur" 17 auf der Habenseite hatte, mehr und mehr vergessen. Weil er mannschaftsdienlich spielt und zusätzlich Tore schießt. Sich einbringt, aber nie negativ auffällt. Lieber langweilig ist, als schillernd scheitert.
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Spieler des FC Bayern München (u.a. Thomas Müller, 2.v.r.) jubeln mit Torschütze Harry Kane (r.) - Borussia Dortmund vs. FC Bayern München
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Klar - an Lewandowskis totale Zahlen wird Kane vermutlich nie rankommen: Der Pole erzielte in acht Jahren Bayern 238 Treffer in 253 Bundesliga-Spielen, gewann alle Titel, wurde zweimal FIFA-Weltfußballer des Jahres (2020, 2021). Kane ist in seinem 13. Profi-Jahr immer noch ohne Trophäe.
Kane sammelt Spielbälle
Dass Bayern im DFB-Pokal gegen Saarbrücken ausschied (1:2), lag mutmaßlich auch an Kane - weil er nicht spielte. Der Angreifer hatte vorher "seinen Hamstring gespürt" (O-Ton Tuchel) und sah deswegen 96 Minuten lang von draußen zu. Tuchel wollte ihn in der Verlängerung bringen, dazu kam es nach dem Last-Minute-Treffer des krassen Außenseiters aber nicht mehr. Pech gehabt.
In der Bundesliga sammelt Kane dafür weiter fleißig Spielbälle. Wie im internationalen Fußball Usus, sicherte sich der Engländer nach seinem Dreierpack in Dortmund den nächsten Ball und nahm ihn mit nach Hause. Wobei das mit dem "Zuhause" noch so ein Thema ist.
"Der muss langsam das Hotelzimmer wechseln", meinte Thomas Müller, auf Kanes bislang noch erfolglose Suche nach einer festen Bleibe Bezug nehmend: "Oder endlich ein Haus finden, das dazu passt, dass er die ganzen Hattrick-Bälle gut unterbringt."
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Tuchel ätzt nach Bayern-Sieg gegen Hamann und Matthäus
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