Konrad Laimer überzeugt beim 4:0-Sieg des FC Bayern bei Borussia Dortmund: Uli Hoeneß hatte recht

Konrad Laimer war kein Transfer von Thomas Tuchel. Das bekam der Österreicher, der von Julian Nagelsmann nach München gelotst worden war, anfangs auch zu spüren. Erst saß Laimer auf der Bank, dann musste er als Rechtsverteidiger aushelfen. Auf seiner Paradeposition kam er mangels Alternativen erst in Dortmund zum Einsatz - und machte ein herausragendes Spiel. Gerät Tuchel jetzt in die Bredouille?

"Extrem schwer hier!" Tuchel lobt Bayern-Stars

Quelle: Perform

Erst Declan Rice, später João Palhinha - Thomas Tuchel legte sich in der Saisonvorbereitung des FC Bayern mächtig ins Zeug, um die seiner Meinung fehlende "Qualität und Persönlichkeit" (Tuchel) im Kader auf der Sechserposition zu erhöhen.
Letztlich war Tuchel erfolglos. Rice ging zum FC Arsenal, der Transfer von Palhinha platzte in letzter Minute. Tuchel reagierte seinerzeit griesgrämig, sprach öffentlich von einem "dünnen Kader". Bei den Klubchefs kam das nicht gut an. Vorstandsboss Jan-Christian Dreesen forderte vom Trainer "Kreativität" ein, während Aufsichtsratsmitglied Uli Hoeneß die Notwendigkeit einer neuen "Holding Six" von Anfang an nicht nachvollziehen konnte.
"Die Diskussion um die Sechs stellt sich mir gar nicht, weil ich glaube, dass Konrad Laimer ein Transfer ist, an dem wir sehr, sehr, sehr viel Spaß haben werden", sagte Hoeneß.
Doch Laimer hatte zu Beginn einen schweren Stand bei Tuchel. Das intensive Werben um einen Sechser suggerierte geringes Vertrauen seitens des Trainers in Laimers Fähigkeiten. Nach einer schwachen ersten Halbzeit im Supercup gegen RB Leipzig (0:3) flog Laimer aus der Mannschaft und stand erst am 4. Spieltag gegen Leverkusen in der Startelf - nicht als Mittelfeldspieler, sondern als Rechtsverteidiger.

Konrad Laimer bringt dem FC Bayern defensive Stabilität

Dort machte er seine Sache gut und hatte laut Tuchel "die Nase vorn" im Duell mit Noussair Mazraoui. Laimer kam zugute, dass er flexibel einsetzbar ist und Tuchel kam zugute, dass Laimer keine Ansprüche auf eine bestimmte Position stellt. Der Österreicher ist pflegeleicht, jemand, der sich bedingungslos dem Teamgedanken unterordnet und die jeweiligen Aufträge des Trainers ohne Murren abarbeitet.
Das hat ihm in seiner ersten Saison in München bislang viele Spielminuten eingebracht. Laimer kam in allen 16 Pflichtspielen zum Einsatz. Nach dem feststehenden Ausfall des rotgesperrten Joshua Kimmich für den Klassiker bei Borussia Dortmund wurde Laimer "notgedrungen" von Tuchel auf die Sechserposition beordert.
An der Seite des offensiveren Leon Goretzka machte Laimer im zentralen Mittelfeld ein überragendes Spiel, weil er sich auf das besann, was wichtig war: defensive Stabilität.
Laimer bildete ein Dreieck mit den beiden Innenverteidigern Min-jae Kim und Dayot Upamecano und erstickte als Wellenbrecher viele Dortmunder Angriffe im Keim. Er gewann über 60 Prozent seiner Zweikämpfe und hatte mit 92 Prozent die beste Passquote aller Bayernspieler. Laimer war einem keinen Torschuss beteiligt, was seine Positionstreue unterstreicht. Er hatte ohne Tamtam einen Job zu erledigen und tat dies mit Bravour.
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Konrad Laimer vom FC Bayern

Fotocredit: Imago

Viel Lob für Laimer: Ein ziemlich perfekter Sechser

"Er ist ein echter Fighter. Seine Energie und seine Aggressivität tun unserer Mannschaft gut", sagte Bayerns Sportdirektor Christoph Freund.
"Laimer läuft viel mehr Räume zu, wo man gar nicht so genau hinschaut", analysierte "Sky"-Moderator Yannick Erkenbrecher in der Sendung "Sky90". "Er ist ein super Staubsauger, ein super Balleroberer, unglaublich mannschaftsdienlich. Laimer ist eigentlich ein ziemlich perfekter Sechser und hat für mich über das Dortmund-Spiel hinaus die totale Berechtigung, dieses defensives Dreieck zu bilden. Das schafft bei Bayern Kompaktheit."
Laimers starke Vorstellung in Verbindung mit dem ebenfalls überzeugenden Goretzka, der mit Laimer im Rücken in der Lage war, seine Qualitäten als "Box-to-Box-Spieler" zu zeigen, wirft unweigerlich die Frage auf, was mit dem in Dortmund abwesenden Kimmich passiert.

Was passiert mit Joshua Kimmich?

Vor der Partie hatte Tuchel die Wichtigkeit des 28-Jährigen einmal mehr verdeutlicht: "Er ist klar ein Fixpunkt in unserem Spiel. Joshua fühlt sich in der Mitte am wohlsten, er will jeden Ball, duckt sich nie vor Verantwortung. Das fehlt uns alles. Auch gefährliche Freistöße und Chipbälle."
Gerade das Verlangen, jeden Ball zu fordern und überall auf dem Platz Impulse setzen zu wollen, wurde in letzter Zeit häufig als Argument gegen Kimmich verwendet. Doch liest man zwischen den Zeilen, will ihn Tuchel diesbezüglich gar nicht einbremsen. Der Trainer wird weiterhin auf Kimmich setzen, eine Degradierung auf die Bank steht nicht zur Debatte.
Langfristig wird es darauf ankommen, wie Tuchel die Gemengelage interpretiert. Sieht er das Duo Goretzka/Laimer "nur" als willkommene Option, die ihm ganz neue Möglichkeiten eröffnet oder bringt ihn die beste Saisonleistung des FC Bayern tatsächlich ins Grübeln hinsichtlich seiner Kimmich-Treue?
Eines sollte für Tuchel seit Samstag in jedem Fall klar sein: Der FC Bayern hat mit Konrad Laimer bereits einen Spieler im Kader, der mit Qualität und Persönlichkeit die Sechserposition interpretieren kann. Die Prophezeiung von Uli Hoeneß hat sich bewahrheitet.
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Tuchel ätzt nach Bayern-Sieg gegen Hamann und Matthäus

Quelle: Perform

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