Borussia Dortmund im Taktik-Check: Ist die neue Dreierkette von Trainer Niko Kovac ein Erfolgsmodell für die Zukunft?

Nach vielen wechselhaften Auftritten stellte Trainer Niko Kovac bei Borussia Dortmund erstmals auf eine Dreierkette um - mit Erfolg! Die Schwarz-Gelben schlugen mit Mainz das Team der Stunde und traten dabei sicher auf. Wird dieser Plan B Kovacs neuer Plan A? Eurosport.de analysiert vor dem Spiel in Freiburg im Taktik-Check die Umstellung beim BVB und die Aussichten, damit dauerhaft zu reüssieren.

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Quelle: Perform

Zehn Spiele lang hat Niko Kovac eine Achterbahnfahrt beim BVB erlebt: Zwei Niederlagen gegen Stuttgart und Bochum folgten zwei souveräne Siege gegen Union und St. Pauli - nur um anschließend erneut zwei Pleiten (gegen Augsburg und in Leipzig) einzustecken.
Zwischen diesen zwei Gesichtern in der Bundesliga sah man noch ordentliche Auftritte samt Weiterkommen in der Champions League gegen Sporting Portugal und im Achtelfinale gegen Lille.
Konstanz suchte man vergebens - außer bei der taktischen Aufstellung: In jedem Spiel setzte Kovac auf eine Viererkette und ordnete sein Team entweder im 4-2-3-1 oder 4-3-3 an.
Beim 3:1 gegen Mainz, das Überraschungsteam der Liga, stellte Kovac erstmal grundlegend um. Gegen die kampf- und laufstarken Mainzer setzte er auf drei Innenverteidiger. Im 5-3-2 stellte er insgesamt sieben eher defensiv denkende Spieler auf. Ein Modell mit Zukunft?

Safety first: Kovac stellt sieben defensive Spieler auf

Mit Nico Schlotterbeck, Emre Can und Waldemar Anton bilden nun drei Spieler die Dreierkette, die äußerst zweikampfstark und (auf Strecke) schnell sind. Gegen die Mainzer Spielidee mit vielen Bällen in die Tiefe auf die drei Stürmer ging Kovacs Schachzug sehr gut auf. Die Innenverteidiger kamen ohne große Zuordnungsschwierigkeiten in direkte Duelle, in denen sie ihre Stärken ausspielen konnten.
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BVB-Dreierkette mit Emre Can (li.), Nico Schlotterbeck (Mitte) und Waldemar Anton (re.)

Fotocredit: Getty Images

Dass auf den Flügeln zwei Außenverteidiger und eben keine Flügelstürmer standen, muss nicht in jeder zukünftigen Partie so sein, dürfte aber als Fingerzeig zu deuten sein. Sowohl Yan Couto als auch Julian Ryerson sind gelernte Außenverteidiger, die die Dreierkette in Phasen des tiefen Verteidigens zu einer Fünferkette auffüllten.
Im Dreiermittelfeld davor agieren mit Salih Özcan und Pascal Groß zumindest zwei klar defensiv denkende Profis - vermutlich um Julian Brandt als Freigeist den Rücken freizuhalten. Kovac ist bekannt dafür, viele lauf- und defensivstarke und vor allem -willige Spieler aufzustellen. Beim BVB scheint es nun auch in die Richtung zu gehen.

Dortmund mit einfachen Mitteln offensiv gefährlich

Dass man auch mit sieben eher defensiv ausgerichteten Spielern offensiv gefährlich werden kann, bewiesen die Schwarzgelben gegen Mainz: Nicht dominant, aber mehr als nur nadelstichartig attackierten sie über die Flügel. Sowohl Couto als auch Ryerson können eine Seite alleine beackern und sich mit weiten Wegen in die Offensive einschalten.
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Das Sturmduo Maximilian Beier und Karim Adeyemi bestand gegen Mainz aus zwei Spielern, die selbst gerne mit viel Tempo über die Flügel kommen oder dahin ausweichen. Sie unterstützten im Wechselspiel mit Brandt immer wieder die vorrückenden Außenverteidiger und konnten so erstmal die Bälle im vordersten Drittel halten.
Dort hat der BVB genügend individuelle Qualität, um die Kontrahenten zu beschäftigen. Dribbling, Flanken, Fernschüsse - all das bereitet einem tief stehenden Gegner Schwierigkeiten. Diese Aktionen führen auch regelmäßig zu Standards, die gegen Mainz dann eine prägende Rolle spielten: Neu-Eckballschütze Schlotterbeck legte so gleich zwei Tore auf.

Die Raute der Absicherung - und ein Novum

Für die nötige Balance im Dortmunder Spiel sorgte vor allem die Absicherung. In der sogenannten Restverteidigung (die Spieler, die nicht am Angriff beteiligt sind und hinten absichern) formierten sie eine Raute, die das Zentrum komplett abriegelte. Entscheidend dafür war Özcan, der seine Position vor den drei Innenverteidigern konsequent hielt und sich nur ganz sporadisch einschaltete.
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Quelle: Perform

Der in der Hinrunde noch an den VfL Wolfsburg verliehene Sechser ist mit seiner Zweikampfhärte und -stärke sowie seiner Positionstreue der einzige Spieler im BVB-Kader, der für diese Rolle wirklich infrage kommt: Kapitän Can tut sich in der Innenverteidigung leichter, Pascal Groß ist der spielerische Typ, der verletzte Felix Nmecha eher ein Achter.
Weil Özcan den Raum vor der Abwehr so gut beschützt, können sich vor allem Anton und Schlotterbeck auf den Halbpositionen ganz auf die Konterräume auf den Flügeln fokussieren, die die meisten Teams attackieren. Hier können sie mit ihrem Tempo Gegner ablaufen oder zumindest nach außen drängen. Dortmund wirkte gegen Konter nicht anfällig - ein Novum in dieser Saison.
Eurosport-Check: Die Dreierkette tat dem BVB gegen Mainz sehr gut - und dürfte zur Dauerlösung werden! Die Innenverteidiger kommen damit in Situationen, die ihnen besser liegen als das raumorientierte Verteidigen in einer Viererkette. Weil die Flügel fleißig mitarbeiten und auch das Mittelfeld mit einer guten Balance aus Abräumer Özcan, Organisator Groß und Freigeist Brandt besetzt ist, stimmt die Mischung. Gerade im Hinblick auf das anstehende Programm mit Duellen gegen Topteams wie Freiburg, Barcelona und Bayern wird diese Balance entscheidend darüber sein, ob Kovac den BVB doch noch zu einer zufriedenstellenden Saison führen kann.
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Quelle: Perform


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