Borussia Dortmund und Niko Kovacs kleines Fußball-Wunder: Warum der BVB trotzdem umdenken muss

Borussia Dortmund sicherte sich nach einer turbulenten Saison samt eindrucksvollem Endspurt doch noch einen Platz in der Champions League. Auch, weil Neu-Trainer Niko Kovac trotz aller Unkenrufe die einst zerrüttete Mannschaft erreichte. Die ganz große Sause blieb dennoch aus. Zurecht. Denn: Das Erreichte täuscht nicht über die Unzulänglichkeiten hinweg – es müssen Veränderungen her.

Kovac lobt BVB-Entwicklung: "Lange Zeit waren wir nur Beifahrer"

Quelle: Perform

Am Ende eines Horrorfilms mit Überlänge, der während seiner Spielzeit mit der einen oder anderen satirischen Note und etlichen Plottwists aufgewartet hatte, stand das Happy End.
Borussia Dortmund qualifizierte sich nach einer turbulenten Saison am letzten Spieltag der Bundesliga dank eines 3:0-Erfolgs gegen den bereits feststehenden Absteiger Holstein Kiel doch noch für die Champions League.
Niko Kovac, der nach seiner Amtseinführung im Februar mit reichlich Argwohn beäugt worden war, avancierte dabei zum Protagonisten, der Neu-Trainer brachte das wankende Schiff namens BVB am Ende in den sicheren Hafen, an dessen Anlegeplätzen die ganz großen Geldtöpfe warten.
22 Punkte aus den vergangenen acht Liga-Partien bedeuteten einen Aufstieg vom tabellarischen Niemandsland (Platz elf) in die Riege der deutschen Königsklassenvertreter. Beeindruckend.

Ricken mit Mega-Lob für Kovac

So beeindruckend, dass Sportchef Lars Ricken am ganz großen Lobesrad drehte: "Was Niko geleistet hat, ist eine der größten Trainerleistungen in der Geschichte des BVB", schwärmte der ehemalige Profi gegenüber "Sky". Auch BVB-Boss Hans-Joachim Watzke zeigte sich von der Aufholjagd verzückt: "Wenn man bedenkt, wo wir am 26. Spieltag in der Tabelle standen – das kannst du eigentlich gar nicht schaffen."
Hatte bis dato auch nur ein Team in der Geschichte der deutschen Beletage in dieser Form geschafft: Borussia Dortmund in der Saison 1993/94. Kovac, der besungene Held, gab hingegen den verbalen Party-Crasher.
Mit Rickens Eloge konfrontiert, gab sich der Kroate demütig: "Ottmar Hitzfeld ist hier Champions-League-Sieger und Meister geworden, Jürgen Klopp war hier. Da gibt es Trainer, die viel mehr erreicht haben", gab er zu Protokoll und ergänzte: "Wir haben einen kleinen Teil dazu beigetragen, dass wir in der Champions League spielen, aber wir sind weit weg von denen, die ich gerade aufgezählt habe."
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Niko Kovac führte den BVB doch noch in die Champions League

Fotocredit: Getty Images

Generell wolle er die jüngsten Erfolge "nicht überbewerten". Kovac weiter: "Ich bin glücklich, aber wir müssen jetzt nicht feiern. Wir sind nur Vierter geworden. Wir haben das Minimalziel erreicht, was schwierig genug war." Ein bemerkenswerter, gar wohltuender Realismus.

BVB zwischen Ambition und WIrklichkeit

Denn: Zwischen Ambition und Wirklichkeit klafft in Dortmund trotz der Champions-League-Qualifikation eine enorme Lücke. Eine Lücke, die es nun zu schließen gilt. Es müssen Veränderungen her, das belegt allein die Tatsache, dass Dortmund die zwei schlechtesten Spielzeiten in Serie seit 15 Jahren absolviert hat.
Dessen sind sich die Protagonisten immerhin bewusst. "Wenn du zwischenzeitlich Elfter warst, kann nicht alles gut gewesen sein", sagte Watzke unlängst im "ZDF", Ricken stimmte ihm im Gespräch mit den "Ruhr Nachrichten" zu: "Wir haben drei Trainer gebraucht (Nuri Sahin, Interimscoach Mike Tullberg und Kovac, d. Red.), wir mussten im Winter Spieler nachverpflichten – dann kann nicht alles gut gewesen sein. Es gab generell viel Unruhe im Verein. Das werden wir aufarbeiten."
Doch wie könnte diese Aufarbeitung im Sommer aussehen? Fest steht: Mit dem aktuellen Kader wird eine elementare Wende zum Besseren nicht zu bewerkstelligen sein. Zwar hat der Verein mit der festen Verpflichtung des überzeugenden Leihspielers Daniel Svensson auf der Linksverteidigerposition endlich für Klarheit gesorgt, andere Baustellen bleiben aber weiterhin sperrangelweit geöffnet.

BVB-Mannschaft braucht Veränderungen

Im zentralen Mittelfeld liefen die BVB-Akteure regelmäßig den Gegenspielern und damit der Musik hinterher, sollte Top-Torjäger Serhou Guirassy (21 Ligatore) einmal ausfallen, stehen die Schwarz-Gelben im Sturmzentrum blank da, auf den offensiven Außenbahnen wurde nach dem Weggang von Donyell Malen im Winter zu Aston Villa nicht nachgebessert. Die derzeitigen Flügelflitzer Jamie Gittens und Karim Adeyemi hegen angeblich Abschiedsgedanken.
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Karim Adeyemi (l.) und Jamie Gittens haben das Interesse mehrerer Klubs geweckt

Fotocredit: Getty Images

Sollten die beiden Dortmund verlassen, darf man sich an der Strobelallee immerhin über reichlich frisches Geld freuen. Gittens‘ Vertrag ist noch bis 2028 gültig, Adeyemi ist immerhin noch bis 2027 an den Verein gebunden. Seit geraumer Zeit buhlt der BVB um Rayan Cherki von Olympique Lyon, bisher handelte man sich aber immer wieder Absagen vom französischen Traditionsklub ein.  
Neues Spielerpersonal macht aber nur einen Bruchteil der obligatorischen Frischzellenkur aus. Beim Champions-League-Sieger von 1997 geht es ums Grundsätzliche. Es braucht – im Gegensatz zu den vergangenen Jahren – eine klare Philosophie, eine fußballerische Identität. Und damit verbunden Konstanz auf dem Trainerstuhl.

Kovac mehr als eine Übergangslösung?

Kovac galt ursprünglich als Übergangslösung, sein Arbeitspapier ist noch bis 2026 gültig. Wagt man den kompletten Neuanfang – und setzt jemanden, dem von seinem Vorgesetzen "eine der größten Trainerleistungen" attestiert worden ist, vorzeitig vor die Türe? Schwer vorstellbar.
Der ehemalige Bayern- und Wolfsburg-Trainer soll auf jeden Fall in die kommende Saison gehen, den bestehenden Kontrakt ausdehnen will der Verein aber noch nicht, wie Sportdirektor Sebastian Kehl im Gespräch mit der "Bild-Zeitung" klarstellte: "Wir sind erst mal im Moment, alles Weitere ist jetzt erstmal kein Thema. Niko hat gezeigt, dass man gemeinsam an den Dingen arbeiten kann und dass man sich auf ihn verlassen kann."
Mit dem Happy End einer Horror-Saison hat King Kovac erst einmal ein Drehbuch geschrieben, das ihn zur Weiterführung seiner Tätigkeit befähigt. Jetzt muss er – in Zusammenarbeit mit den anderen Verantwortlichen - einen echten Blockbuster mit veränderter Spielerbesetzung schreiben.
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Quelle: Perform


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