Der FC Bayern München in der Taktik-Analyse: So überrollt die Mannschaft von Vincent Kompany die Bundesliga
VonLuca Baier
Publiziert 28/09/2024 um 20:13 GMT+2 Uhr
20 Tore innerhalb einer englischen Woche haben den Start des FC Bayern München in die Saison 2024/25 perfekt gemacht. Als souveräner Tabellenführer empfängt die Mannschaft von Trainer Vincent Kompany am Samstagabend in der Münchner Allianz Arena Titelverteidiger Bayer Leverkusen. Eurosport.de analysiert vor dem Topspiel im Taktik-Check, warum die Bayern aktuell die Liga überrollen.
Top-Spiel gegen FC Bayern: Hält Leverkusens Serie?
Quelle: Perform
Die Tabellenführung nach dem 4. Spieltag ist eine Momentaufnahme, aber auch ein klares Statement an die Liga. Es wirkt, als hätte Vincent Kompany schon sehr früh in seiner Amtszeit die richtige Mischung gefunden.
Einerseits spielen die Individualisten so frei auf wie zu den besten Zeiten unter Jupp Heynckes, andererseits ist die taktische Marschroute so dominant wie unter Pep Guardiola.
Die Bayern spielen zwar nominell mit einer Viererkette, bauen in der Regel aber mit drei Spielern auf. Davor sind die Räume klar definiert: Die Außenbahnen sind mit je einem Spieler besetzt, das Sturmzentrum ebenso. Alles dazwischen ist variabel.
Dies kommt vor allem den flexiblen und spielstarken Akteuren wie Jamal Musiala, Aleksandar Pavlovic oder auch Neuzugang Michael Olise sehr entgegen. Der Rahmen um sie herum mit dem Dreieraufbau (hinten), den Flügeln (außen) und Harry Kane (vorne als Fixpunkt) gibt ihnen im Zentrum alle Freiheiten.
Gegenpressing erdrückt den Gegner
Beim 5:0-Sieg in Bremen konnte man hervorragend sehen, wie harmonisch die Bayernspieler aufeinander reagieren: Kommt Musiala von der Zehnerposition mal weit entgegen, rückt Pavlovic höher und füllt den Raum auf. Positioniert sich Alphonso Davies halblinks statt ganz links an der Linie, rückt Kingsley Coman auf den Flügel.
Im ersten Moment mögen diese Positionswechsel vielleicht verwirrend wirken, doch sie folgen einem klaren Muster: Jeder Raum ist besetzt - aber egal von wem.
Weil die Flügel nur einfach besetzt werden und die Spieler im Zentrum so nah beieinander agieren, haben die Bayern nach Ballverlusten immer kurze Abstände zum ballführenden Gegner. Ihr Gegenpressing ist aktuell auf Weltklasseniveau, der Gegner schafft es kaum einmal, drei erfolgreiche Pässe in Folge zu spielen.
Dieses Gegenpressing trägt enorm zur defensiven Stabilität des Rekordmeisters bei, schließlich sind die Wege für den Gegner durch das frühe Nachsetzen weit und das Stresslevel sehr hoch. Mit nur sechs zugelassenen gegnerischen Torschüssen pro Spiel legt der FC Bayern den Topwert in den europäischen Top-5-Ligen hin.
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Dominieren derzeit die Liga: Jamal Musiala, Harry Kane und Michael Olise (v.l.)
Fotocredit: Getty Images
Dribbling nicht nur erlaubt - sondern erwünscht!
Was ebenfalls sehr auffällig ist: Bei den Bayern wird wieder gedribbelt. Im letzten Drittel suchen Spieler wie Musiala, Coman, Olise oder nach seinem Comeback auch Leroy Sané immer wieder die direkten Duelle - gern auch mal gegen mehrere Gegenspieler.
Durch diese Aktionen ziehen sie die Aufmerksamkeit des Gegners logischerweise klar auf den Ball, was in anderen Räumen wiederum für eine Überzahl sorgt.
Besonders Musiala gelingt es immer wieder, den Ball im letzten Moment zwischen mehreren Gegenspielern hindurch zum dann freien Mitspieler zu bringen. Mit 13,8 Dribblings pro Spiel führen die Bayern auch in dieser Kategorie die Rangliste der Topmannschaften Europas an.
Hier kann man einen deutlichen Unterschied im Vergleich zur Vorsaison sehen, in der die Münchener zwar oft dominant waren, sich aber im Kurzpassspiel mitunter verloren.
Härtetest gegen Bayer Leverkusen
Natürlich waren die bisherigen Gegner der Bayern nicht im obersten Regal einzuordnen, trotzdem sprechen die Leistungen, die Statistiken und die Eindrücke der einzelnen Spieler für sich.
Mit Leverkusen wartet nun ein anderes Kaliber auf die Münchner (Sa., 18:30 Uhr im Liveticker). Findet der amtierende Meister Lösungen gegen Bayerns aggressives Gegenpressing und das hohe Anlaufen mit klaren Mannorientierungen? Kopiert Leverkusen vielleicht sogar ein Stück weit die Bayerntaktik und presst ebenfalls Mann gegen Mann? Welcher Dribbler erwischt den besten Tag - Musiala, Olise oder doch Florian Wirtz?
Gelingt es den Bayern, diesen Flow aufrechtzuerhalten, gehen sie als Favorit mit dem besseren Momentum ins Spiel. Besteht die Tabellenführung nach dem Spiel weiterhin, ist das dann schon etwas mehr als eine Momentaufnahme.
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